18. Dezember 2014, 21:21 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 28.02.2013 um 21:07 UhrKommentare

Berlakovich: "Müssen Betrug ausschalten"

Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich fordert Reisepass für Lebensmittel. Er ist überzeugt, dass die Mehrheit der Produzenten und Landwirte, ehrliche Produkte erzeugen.

Foto © APA

Haben Sie heute schon Salami gefrühstückt?

NIKOLAUS BERLAKOVICH: Nein.

Sind Sie nach dem Pferdefleischskandal vorsichtiger beim Essen?

BERLAKOVICH: Ich habe die Hoffnung, dass drinnen ist, was draufsteht. Die überwiegende Mehrheit der Produzenten und Landwirte erzeugt ehrliche Produkte. Es ist schade, dass wegen des Etikettenschwindels alle zum Handkuss kommen.

Schmeckt Ihnen ein Semmerl mit Leberkäse aus Pferdefleisch?

BERLAKOVICH: Ja. Pferdefleisch ist auch in Verruf geraten, es gibt genug Menschen, die das mögen. Pferdefleisch ist von hoher Qualität. Das Schlimme ist nur, dass Rindfleisch auf der Etikette stand und Pferdefleisch drinnen war.

Es gibt Scanner, mit denen man das Fleisch im Supermarkt erkennen kann. Werden wir künftig mit Scanner einkaufen?

BERLAKOVICH: Das halte ich für übertrieben. Der Konsument muss dem Produkt vertrauen können und für sein gutes Geld ordentliche Ware bekommen. Wir müssen Betrug erschweren und Transparenz unterstützen.

Sie fordern einen EU-Reisepass für Lebensmittel. Was soll dann künftig auf der Lasagne stehen?

BERLAKOVICH: Nicht nur Rindfleisch, Eier, Nudeln, Gemüse. Es müssen die Herkunftsländer der jeweilen Ingredienzien genau angegeben werden.

Hört sich kompliziert an, überfordert man die Konsumenten damit nicht?

BERLAKOVICH: Jeder kann sich ein eigenes Bild machen, ob er dann das Fertiggericht kaufen will oder nicht.

Ein weiteres Gütesiegel, wie es Gesundheitsminister Alois Stöger vorschlägt, lehnen sie ab?

BERLAKOVICH: Wir haben das AMA-Gütesiegel, das garantiert, dass das Produkt zu hundert Prozent aus Österreich stammt, das reicht. Wir haben ohnehin schon einen Gütesiegel-Dschungel.

Für höhere Strafen treten Sie aber ein?

BERLAKOVICH: Ja, ich bin für drastische Strafen.

Bei der Pferdefleischwurst wurde mit Kärntner Wappen suggeriert, dass es sich um ein Top-Produkt aus der Region handelt.

BERLAKOVICH: Das ist ja das Schlimme, aber Betrug wird man auch durch Gütesiegel nicht ganz ausschalten können.

Kontrolle ist teuer, werden die Lebensmittel dadurch teurer?

BERLAKOVICH: Das muss nicht zwangsläufig sein.

Produzenten werden von Handelsketten unter Druck gesetzt, immer billiger zu erzeugen. Sind sie Mitschuld an den Tricks?

BERLAKOVICH: Ich bin gegen die Geiz-ist-geil-Mentalität. Aber die Menschen müssen sich die Lebensmittel auch leisten können.

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