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Zuletzt aktualisiert: 30.11.2012 um 19:11 UhrKommentare

Erst Fabrik, dann in den Hörsaal

Seit Freitag ist Kärnten um rund 150 "maturierte" Lehrlinge reicher. Die Hälfte von ihnen will ihre Bildungskarriere an der Universität fortsetzen.

Foto © Hassler

Ein alter Hut unter falschem Namen - streng genommen wäre das die richtige Bezeichnung für die "Lehre mit Matura". Streng genommen, denn das Bildungsmodell erfreut sich großen Zuspruchs, nicht nur von Lehrlingen, sondern auch von Wirtschaftsbetrieben. Denn die wissen genau, was hinter dem verwirrenden Namen steckt.

",Lehre mit Matura' ist eigentlich nicht die richtige Bezeichnung, weil die Ausbildung mit der seit 15 Jahren bestehenden Berufsreifeprüfung abschließt. Man ist aber bei dem Namen geblieben, weil der durch die Medien ging", sagt Gabriele Kahn. Sie ist Vizerektorin der Pädagogischen Hochschule und hat das Projekt zum dritten Mal in Folge evaluiert. Ihr Fazit: "Die Durchlässigkeit des Bildungssystems wurde verbessert. Für die Lehrlinge hat sich die Möglichkeit eröffnet, höhere Bildung zu erwerben." 53 Prozent von ihnen wollen nach ihrem Abschluss ein Studium beginnen.

Und das, obwohl schon die "Lehre mit Matura" kein Spaziergang ist. Große Probleme haben die Lehrlinge in Mathematik, was laut Khan ein "Angstfach" ist. Aber auch in Deutsch und Englisch, wo sich die Lehrlinge in der Eigensicht besser fühlen, seien die Noten "gar nicht so gut". Khan hätte gerne noch mehr Zeit für die Schulstunden der Lehrlinge und Tutoriumstunden.

Das würde den Betrieben aber wohl nicht gefallen, fürchtet die Forscherin. Obwohl die Rückmeldungen aus der Wirtschaft sehr positiv sind, wie die Leiterin der Lehrlingsstelle der Kärntner Wirtschaftskammer, Monika Winnar, berichtet. "Die Zahlen sprechen für sich, die ,Lehre mit Matura' kommt sehr gut an." Betriebe würden qualifizierte und interessierte Lehrlinge bekommen, die wiederum höhere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Dass die Betriebe ihre Lehrlinge an die Unis verlieren könnten, befürchtet Winnar nicht: "Für sie bietet sich ein berufsbegleitendes Studium sehr gut an."

Romina Weniger (22), Klagenfurt: Mir war es wichtig, Praxis im Berufsfeld zu bekommen. Insofern ist die Lehre mit Matura ein tolles Angebot. Allerdings ist der Weg dorthin nicht leicht, man hat mit Arbeit, Lehre und Matura eine Dreifachbelastung. Aber die Anstrengung hat sich gelohnt.

Manfred Klanzer (21), Lienz: Wofür andere vier Jahre in die Schule gegangen sind, habe ich mit einem Jahr zusätzlicher Lehre genauso in der Tasche. Ich will mich selbstständig machen, da ist die Berufsreifeprüfung ein großer Vorteil. Ein Studium kommt für mich nicht infrage.

Thomas Schaunig (20), Dellach/Drautal: Wir hatten zum Lernen ziemlich wenig Zeit, das machte die Lehre mit Matura zur Herausforderung. Aber dafür habe ich jetzt den Beruf Versicherungskaufmann erlernt und noch zusätzlich die Matura. Ich überlege mir, ein Sportstudium zu beginnen.

Marco Moser, (19) Irschen: Ich habe die Lehre mit Matura gewählt, weil sie mir bessere Berufschancen bietet. Wenn ich keine Arbeit als Speditionskaufmann finde, würde ich studieren gehen. Aber eigentlich habe ich auf die Uni keine besondere Lust. Das Lernen war schon sehr anstrengend.

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