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Zuletzt aktualisiert: 18.04.2012 um 15:05 UhrKommentare

AvW: Anleger scheitern mit Klagen gegen Wirtschaftsprüfer

Rund 900 Anleger von AvW wollten sich über eine Klage des damaligen Wirtschaftsprüfers einen Teil ihres Geldes zurückholen. Allerdings lehnte das Gericht die Ansprüche ab, da sie verjährt seien. Der Vertreter der Anleger will berufen.

Foto © APA

Schlappe für mehr als 900 Anleger, die mit Genussscheinen der pleitegangenen Kärntner Finanzgruppe AvW Geld verloren haben: Das Landesgericht Wiener Neustadt wird ihre Zivilklagen gegen den damaligen AvW-Wirtschaftsprüfer abweisen, weil es die Ansprüche als verjährt ansieht. Das habe der Richter bei der heutigen Verhandlung "deutlich signalisiert", sagte Anlegeranwalt Andreas Pascher am Mittwoch zur APA. Das schriftliche Urteil soll bereits in etwa einem Monat vorliegen, hieß es beim Gericht. Die Anlegervertreter wollen auf jeden Fall dagegen berufen.

Insgesamt sind rund 2.500 AvW-Anleger gegen den ehemaligen AvW-Prüfer Moore Stephens Ehrenböck vor Gericht gezogen. Da die Gesellschaft ihren Sitz in Neunkirchen hat, wird der Fall am Landesgericht Wiener Neustadt verhandelt. Neun Anwälte haben die Ansprüche ihrer Mandaten gebündelt, das Wiener Neustädter Gericht hat daraus zwei Riesenverfahren gemacht. Zuvor hatte ein Richter die "Sammelklage" abgelehnt, jedoch war das Oberlandesgericht (OLG) Wien anderer Ansicht und gab grünes Licht für eine sogenannte Streitgenossenschaft.

Bei der heutigen Verhandlung ging es um die Ansprüche von über 900 Anlegern, deren Ansprüche bereits verjährt sein sollen. Der Streitwert beträgt rund 27 Mio. Euro. "Im UGB (Unternehmensgesetzbuch, Anm.) gibt es eine fünfjährige Verjährungsfrist. Wenn diese Bestimmung anwendbar ist, wären die Ansprüche von heute alle schon verjährt", erläuterte Advokat Pascher. "Es gibt dazu zwar noch keine OGH-Entscheidung, aber wir haben gute Gründe zu sagen, hier gilt die allgemeine Verjährungsbestimmung nach AGBG." Diese beträgt zwar nur drei Jahre, beginnt aber später zu laufen, nämlich ab Kenntnis von Schaden und Schädiger. Im Fall AvW wäre dies nach Ansicht von Pascher April 2010, als der Sachverständige Fritz Kleiner im Strafverfahren gegen AvW-Chef Wolfgang Auer-Welsbach sein Gutachten vorgelegt habe. "Auch, wenn man den Oktober 2008 annimmt, haben wir alle Klagen rechtzeitig eingebracht", so der Rechtsvertreter. Zu diesem Zeitpunkt wurden erstmals Malversationen bei dem Kärntner Finanzkonglomerat AvW bekannt.

Das Gericht ist offensichtlich anderer Meinung, sieht die Ansprüche laut Pascher als verjährt an. Landesgerichtsvizepräsident Josef Glatz wollte das so nicht bestätigen, da das Urteil ja noch nicht vorliegt. Nur so viel: "Die Verhandlung wurde nach Verlesung aller vorgelegten Urkunden geschlossen", im Vordergrund sei die Verjährungsfrage gestanden. Der zuständige Richter wolle das Urteil "in sehr kurzer Zeit erbringen", in etwa vier Wochen könnte es fertig sein.

In einem Punkt haben sich die Anlegervertreter aber heute gegen die beklagte Gesellschaft durchsetzen können, so Pascher. "Wir haben das Landesgericht davon überzeugt, dass ein Musterverfahren geführt wird, wo jeder der beteiligten Anwälte einen Anleger vertritt. Der Rest wird innegehalten." Sprich, es müssen jetzt nicht über 900 Berufungen eingebracht werden. Dies hätte Pascher zufolge erneut einige hunderttausend Euro an Kosten verursacht. "Die Gegenseite wollte alle Verfahren führen und damit emotionalen und wirtschaftlichen Druck auf die Anleger ausüben", moniert der Rechtsvertreter. Die beiden Riesenverfahren gegen den damaligen Abschlussprüfer von AvW dürften insgesamt fast eine Million Euro an Gerichtskosten verschlingen.

Am morgigen Donnerstag findet am Landesgericht Wiener Neustadt eine zweite vorbereitende Tagsatzung statt. Diesmal geht es um Anlegeransprüche von rund 45 Mio. Euro, die noch nicht verjährt sein dürften. "Morgen wird höchstwahrscheinlich die Verhandlung nicht geschlossen werden, weil möglicherweise andere Probleme anstehen, die man man nicht an einem Tag lösen kann", sagte Gerichtssprecher Glatz zur APA. Laut Anwalt Pascher könnte es bereits um Inhaltliches gehen.

Die Anlegervertreter werfen dem Wirtschaftsprüfer vor, das Finanzkonglomerat AvW nicht ordentlich durchleuchtet zu haben. Beispielsweise, so Pascher, seien die sogenannten Erfolgshonorare, die der mittlerweile wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs verurteilte AvW-Chef Auer-Welsbach ab einer gewissen Genussscheinrendite erhalten hat, falsch verbucht worden. "Buchhalterisch wurde es so dargestellt, als ob er das Geld schon hätte, in Wirklichkeit war es eine fiktive Zahl." Auch bei den Honoraren und "Leistungen", die zwischen den AvW-Gesellschaften AvW Gruppe und AvW Invest "hin und hergeschoben" worden seien, hätten beim Wirtschaftsprüfer die Alarmglocken schrillen müssen, so ein weiterer Vorwurf. Moore Stephens Ehrenböck weist dem Vernehmen nach sämtliche Anschuldigungen zurück.

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