Wochenlang bestimmte nur der Machtkampf an der Konzernspitze die VW-Schlagzeilen - nun kann der Autobauer auch mal wieder mit Zahlen aufhorchen lassen. Und die sind ordentlich: Bei der gewinnschwachen Kernmarke schlägt das Sparprogramm langsam an.

Der Volkswagen-Konzern bringt seine gewinnschwache Pkw-Kernmarke so langsam in Fahrt. Die Bemühungen für mehr Effizienz und Kostenbewusstsein hätten bei der VW-Hausmarke im ersten Quartal einen Betrag "im niedrigen dreistelligen Millionenbereich" freigeschaufelt, wie das Unternehmen am Mittwoch in Wolfsburg mitteilte. Insgesamt fuhr Europas größter Autobauer im Startquartal durchweg glänzende Zahlen ein. Umsatz und Gewinn legten kräftig zu. Die VW-Vorzugsaktie setzte sich am Morgen an die Spitze des DAX.

Sparprogramm über fünf Milliarden Euro

Das im vergangenen Sommer ausgerufene Sparprogramm für die Kernmarke rund um Modelle wie Golf und Passat soll bis zum Jahr 2017 mindestens 5 Milliarden Euro Einsparungen freilegen. Aktuell liegt die Marge, die die Gewinnkraft im Verhältnis zum Umsatz beschreibt, bei 2,0 Prozent. 2017 soll der Wert aber mindestens dreimal so hoch sein.

Der gesamte Konzern mit seinen zwölf Marken setzte in den ersten drei Monaten knapp 53 Milliarden Euro um - das entspricht einem Plus von 10 Prozent im Vergleich zum Auftaktquartal des Vorjahres. Dabei halfen allerdings auch positive Effekte aus der Währungsumrechnung.

Unter dem Strich verbuchte der DAX-Konzern 2,9 Milliarden Euro und damit eine Verbesserung von 19 Prozent. Auf der Gewinnseite erwiesen sich vor allem die Tochtermarken Audi und Porsche als Renditeperlen. Sie fuhren zusammen zwei Drittel (65 Prozent) der gut 3,3 Milliarden Euro ein, die als Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stehen.

"Trotz Gegenwinds auf Kurs"

Vorstandschef Martin Winterkorn sagte: "Wir haben immer betont, dass 2015 ein anspruchsvolles Jahr für die gesamte Automobilindustrie und auch für uns wird. Unsere Kennzahlen für das erste Quartal beweisen aber, dass der Volkswagen Konzern trotz Gegenwinds auf Kurs fährt."

Die Gewinnkraft der Kernmarke war nach den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres auf 2,3 Prozent geklettert und hatte dann zum Jahresende bei 2,5 Prozent gelegen. Im aktuellen Startquartal liegt sie zwar wieder nur bei knapp 2 Prozent. Das hat aber saisonale Gründe. So beträgt der Vergleichswert aus dem Auftaktquartal des Vorjahres 1,8 Prozent - es gab also Schub binnen Jahresfrist.

Vor allem die asiatischen Konkurrenten wie Toyota behalten von ihrem Umsatz deutlich mehr in der Kasse als die Kernmarke der Wolfsburger. VW-Pkw steht für rund die Hälfte des Konzernumsatzes, der im vergangenen Jahr gut 202 Mrd. Euro erreicht hatte.

Machtkampf bestimmte vergangene Wochen

In den vergangenen Wochen hatte Volkswagen die Schlagzeilen noch mit dem Machtkampf an der Konzernspitze bestimmt. VW-Patriarch Ferdinand Piech war öffentlich von Konzernchef Winterkorn abgerückt, der damit scheinbar vor dem Aus bei Europas größtem Autobauer stand. Doch der Rest der wichtigsten Aufsichtsräte stellte sich hinter den Vorstandsvorsitzenden und ließ Piechs Machtprobe scheitern - am Wochenende trat der 78-Jährige dann von seinen Ämtern zurück, und Winterkorn stand endgültig als Sieger da.

Piech hatte am Samstag überraschend seinen Rücktritt als Aufsichtsratschef und von allen anderen Mandaten in dem weltumspannenden Unternehmen erklärt. Zuvor war er im engeren Führungszirkel mit dem Plan gescheitert, Winterkorn aus dem Amt zu drängen. Der 78-Jährige hatte sich vor gut zwei Wochen per "Spiegel"-Artikel von seinem Zögling öffentlich distanziert und den Wolfsburger Konzern damit in eine tiefe Führungskrise gestürzt. Nach seinem Abgang ist offen, wer ihm an der Spitze des Kontrollgremiums des Zwölf-Marken-Imperiums folgen soll. Als möglicher Anwärter gilt Vorstandschef Winterkorn. Ihm hatten die einflussreichen Familien Porsche und Piech vor längerem einen Wechsel in den Aufsichtsrat in Aussicht gestellt, um Piech zu beerben, wenn dessen Mandat 2017 ausläuft. Das war allerdings lange bevor der Machtkampf ausbrach.