Tierschützer schlagen AlarmDramatischer Anstieg an Tiernotfällen

In den letzten Wochen registrieren Tierschutzvereine einen dramatischen Anstieg an Anfragen. Die Leute wollen oder müssen ihre Hunde, Katzen und andere Tiere - darunter auch Exoten - „loswerden“ und das oftmals sofort.

Andrea Simon vom Verein SOS Katze: "Wir wissen nicht, wie es weitergeht" © SOS Katze
 

„Ich verstehe nicht, warum es jetzt so eine Flut an Notfällen gibt. Seit sechs Jahren leite ich jetzt die Pfotenhilfe in Lochen, aber so kritisch war es bei weitem noch nie“, so Geschäftsführerin Johanna Stadler. „Wir können nur einen Bruchteil der Tiere aufnehmen, weil wir ja so schnell gar nicht vermitteln können, wie wir freie Plätze bräuchten. Allein gestern mussten unter anderem 17 Hunde, 23 Katzen, darunter mehrere Senioren aber auch säugende Katzenmütter samt Kitten, laut den Haltern dringend weg.“ So der Stand in Oberösterreich - und wohl nicht nur dort.

Dass leider viele Katzen unüberlegt und ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse (Einzelhaltung) bestätigt auch Andrea Simon vom steirischen Tierschutzverein SOS Katze: "Oft werden die Tiere dann rasch wieder abgegeben - oder im schlimmsten Fall sogar ausgesetzt - weil ein Paar sich trennt, plötzlich Allergien auftreten oder die Belastung dann doch zu groß ist." Deswegen würde man Tiere erst nach genauester Prüfung der künftigen Plätze vermitteln und nicht um jeden Preis. Lieber eine längere Wartezeit auf der Pflegestelle, aber dafür dann ein liebevoller Lebensplatz

Was mit Sicherheit zugenommen habe, seien die privaten Hilfesuchenden, Leute, die Katzen gefunden oder verloren haben oder ein Tier suchen. "Da wir alle rein ehrenamtlich die Tierschutzarbeit in unserer Freizeit machen, schaffen wir das bald alles nicht mehr", so Simon, "und wir haben schlaflose nächte, in denen wir grübeln, wo wir all die Notfälle unterbringen, wir können einfach nicht untätig bleiben."

Die größte Sorge: "Wir wissen immer noch nicht, wie es nächstes Jahr weitergehen wird, wenn wir die Katzen ab 1. Juli nicht mehr übers Internet vermitteln dürfen." Auch die Altersbegrenzung (Vermittlung ab 6 Monaten) würde ein großes Problem werden, "da wir unsere Pflegestellen für zeitaufwändige und komplizierte Handaufzuchten nicht mehr nachbesetzen können."

Tiere zu leicht zu bekommen

Das Hauptproblem sei, dass Tiere sehr oft spontan und unüberlegt angeschafft würden. Es sei leider viel zu leicht und billig an Tiere zu kommen. Die Folgekosten und die Verantwortung, die man sich aufhalst, würden allerdings meist nicht bedacht. Neben Futter- und Tierarztkosten müsse man unbedingt vorher genau überlegen und planen, was im Falle von Krankheit, Trennung oder anderen Änderungen der Lebensumstände mit dem Tier passiert. Oft scheitert die Mensch-Tier-Beziehung aber auch einfach nur daran, dass das Tier die zu hohen oder falschen Erwartungen nicht  zur Gänze erfüllt. Aus purem Egoismus zugelegte Tiere sind dann ganz schnell die Leidtragenden. Die Pfotenhilfe versucht zwar über soziale Netzwerke bei der Vermittlung zu helfen, aber wenn dies nicht oder nicht schnell genug zum Erfolg führt, enden diese Tiere allzu oft auf der Straße.

Chinchillas im Karton ausgesetzt

„Es ist mir einfach unbegreiflich, warum Menschen derart verantwortungslos handeln, obwohl es um Lebewesen geht, deren Gefühlsleben sich nicht von unserem unterscheidet, nur weil wir auf zwei Beinen gehen. Ich kann ja auch nicht mein Kind einfach weggeben, weil ich einen neuen Partner habe, der keine Kinder mag! „Kürzlich wurden in einem Karton sechs ausgesetzte Chinchillas gefunden und von einer befreundeten Tierschutzorganisation erstversorgt und zu uns in die Pfotenhilfe gebracht – wie so oft leider auch noch gemischtgeschlechtlich gehalten. Die ersten Jungtiere haben dieser Tage bereits bei und das Licht der Welt erblickt. Die Tiere waren offenbar kurz nach Anschaffung samt Nachwuchs nicht mehr erwünscht“, ist Stadler erschüttert.

Tötungsstationen

Aber auch die Fälle von aus dem Ausland geretteten Tieren, die beispielsweise auf Facebook um ein neues Zuhause betteln, weil sie sonst in einer Tötungsstation grausam ermordet würden, und dann in Österreich kurzfristig ein Zuhause fanden, häufen sich in den Tierheimen. „Die vermeintlichen Tierretter wollen aus Mitgefühl helfen. Nach kurzer Zeit bemerken sie, dass sie damit überfordert sind oder das Tier-Mensch-Team nicht zusammenpasst. Die Organisationen, die solche Rettungen organisieren, haben aber meist keine eigene Unterbringungsmöglichkeit für eine Rücknahme oder sind in unseriösen Fällen nicht einmal mehr erreichbar“, ärgert sich Stadler. „So geschehen bei bisher 23 Hunden, die wir dieses Jahr alleine in der Pfotenhilfe aufnehmen mussten, obwohl bei uns die Kapazitäten für Hunde ohnehin sehr begrenzt sind.“

Kommentare (4)

Kommentieren
fuchsbib
1
0
Lesenswert?

Alles nicht der Wahrheit entsprechend

einen Hund durch Internet - Kontakt zu bekommen ist fast schon so schwer wie einen Kind zu adoptieren. Man muss Voraussetzungen erfüllen etc etc. Genau diese Situation bewegt Menschen im Ausland Tiere anzuschaffen, tun es auch und um vieles günstiger. Machen Sie doch einen Unterschied zwischen Tier und Mensch und vergessen wir nicht die Millionen Nutztiere in KZ-ähnlichen Haltungen auch in Österreich.

Antworten
Ichweissetwas
6
2
Lesenswert?

Die Strafen müssen viel höher sein!

Alle Tierheime sollten mal genau jeden Kunden hinterfragen, warum er ein Tier möchte, ob er Platz und Zeit für ein Tier hat und ob er sich das überhaupt leisten kann, und was macht er im Urlaub.....? Das wäre nicht Zuviel an Fragen und vielleicht lassen es dann so manche, zum Wohle der Tiere !!

Antworten
fuchsbib
1
0
Lesenswert?

Strafen?

immer diese österreichischen Polizeistaat Rufe.......

Antworten
Mein Graz
0
5
Lesenswert?

@ichweiss

die wenigsten tiere werden in tierheimen geholt. die mehrzahl wird privat oder bei illegalen händlern besorgt, wenige bei züchtern.
wer sich einen hund, eine katze, um teures geld beim züchter holt wird in den seltensten fällen das tier im tierheim abgeben. seriöse züchter nehmen ihre tiere zurück.

ich kenne ein grazer tierheim, in diesem wird sehr wohl aufgeklärt, dass tiere zeit, liebe und geld brauchen. es wird abgeklärt, welcher hund, welche katze zur person bzw. zur wohnung passt usw.

sollte dein statement ein vorwurf an tierheime sein, ist dieser völlig fehl am platz.
der fehler liegt bei menschen, die sich ohne nachzudenken einfach ein tier "anschaffen" und beim kleinsten problem dieses "entsorgen" - ohne jedes gefühl!

Antworten

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.