Tote und massive Zerstörung"Irma": Weiter Warnung vor Sturmfluten in Florida

Bei seinem Durchzug durch den US-Bundesstaat Florida hat sich "Irma" am Montag etwas abgeschwächt. Viele Bewohner wollen die zerstörten Inseln Saint-Martin und Saint-Barthelemy verlassen.

Überschwemmung in Jacksonville © 
 

Bei seinem Durchzug durch den US-Bundesstaat Florida hat sich "Irma" am Montag zwar abgeschwächt und wurde von einem Hurrikan zu einem Tropensturm herabgestuft.

Dennoch gaben die US-Behörden längst keine Entwarnung. Weitere Sturzfluten und Überschwemmungen drohten. Aus Kuba, das "Irma" zuvor heimgesucht hatte, wurden zehn Todesopfer gemeldet. Damit stieg die Gesamtzahl der Opfer auf mindestens 40.

In Florida galt die Bucht von Tampa an der Westküste mit ihren weißen Sandstränden, großen Hotels und Millionen von Menschen nach wie vor als besonders gefährdet. Um 08.00 Uhr Ortszeit (14.00 Uhr MESZ) befand sich das Auge des Sturms nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums (NHC) 170 Kilometer nördlich der Großstadt. Die Windgeschwindigkeiten betrugen weiterhin bis zu 110 km/h.

>>>Tote in Georgia und South Carolina

Für Tampa, die Stadt Jacksonville im Nordosten von Florida sowie zahlreiche andere Regionen des Bundesstaates galten weiterhin Sturmflutwarnungen. Gouverneur Rick Scott ermahnte die Bürger: "Bleiben Sie drinnen. Bleiben Sie in Sicherheit", schrieb er auf Twitter. "Sogar 15 Zentimeter Wasser, die sich bewegen, können Sie mitreißen."

Irma wütet weiter

"Hier hat man nur noch vom Hurrikan gesprochen", berichtete Ruth Hofer, eine in Bradenton bei Tampa wohnende Wienerin. Im Fernsehen, auf Facebook und per SMS, überall wurde gewarnt und aufgeklärt, was zu machen ist. Die Polizei sei durch die Straßen gefahren und habe Obdachlose in Sicherheit gebracht. "Ich lebe jetzt seit über vier Jahren hier und habe die Bewohner an der Golfküste noch nie so nervös erlebt."

"Wir haben uns am Samstag in der Früh entschlossen, zu Freunden nach Sarasota zu fahren und dort auf den Hurrikan zu warten. Unser Haus hat nur einen Stock und wir hatten Angst vor Hochwasser", erzählte die 42-Jährige. Sie sei mit all ihren zwischen Naples und Bradenton wohnenden Freunden pausenlos in Kontakt gewesen. "Naples hat es leider getroffen, aber sonst war es ein Wunder. Wir sind Marco Island zu Dank verpflichtet", dort habe sich der Sturm sehr abgeschwächt.

Chaos in Florida

Trotz der abgeflauten Winde sorgte "Irma" im als "Sonnenschein-Staat" bezeichneten Florida für chaotische Zustände. Zahllose Straßen, oft mitten in den Stadtzentren, waren überschwemmt, geparkte Autos versanken in den Fluten. 6,2 Millionen Menschen waren von Stromausfällen betroffen. Die Flughäfen von Miami und Fort Lauderdale blieben geschlossen.

Die Behörden hatten zuvor eine der größten Evakuierungsaktionen der US-Geschichte angeordnet. Rund 6,3 Millionen Einwohner - mehr als ein Drittel der Bevölkerung von Florida - wurden verbindlich aufgefordert, ihre Wohngebiete zu verlassen.

Florida Keys möglicherweise über Wochen nicht erreichbar

Das Weiße Haus geht davon aus, dass Bewohner der Florida Keys möglicherweise über Wochen nicht auf die Inselgruppe zurückkehren können. Es werde dauern, bis sich die Gegend von dem Sturm erholt habe, sagte der Heimatschutzberater von US-Präsident Donald Trump, Tom Bossert, am Montag in Washington.

Man habe Grund zur Annahme, dass einige der Zugbrücken, die die Straßen zwischen den Inseln verbinden, verbogen seien. "Ich würde davon ausgehen, dass Einwohner über Wochen nicht auf die Keys gelangen können", so Bossert.

Die Inselgruppe war Sonntagfrüh (Ortszeit) direkt vom Auge des Sturms getroffen worden. Sie liegt vor der Südspitze Floridas und hat rund 70.000 Einwohner. Die einzige Landverbindung zwischen den Inseln und dem Festland ist der Overseas Highway, der im weiteren Verlauf zum großen Teil aus Brücken besteht.

"Irma" hinterließ auf den Keys gewaltige Verwüstung. Auf Bildern waren zerstörte Häuser zu sehen, sie hatten sich zum Teil von ihren Fundamenten gelöst. Boote wurden aufs Land gespült, Bäume knickten ein. Es kam zu Stromausfällen. Um die Rettungsmaßnahmen zu unterstützen, schickte das Verteidigungsministerium einen Flugzeugträger zu den Inseln.

 

 Eher glimpflich davongekommen

Andere Teile von Florida kamen hingegen wohl relativ glimpflich davon. Dies galt etwa für die Metropole Miami an der Atlantikküste, wo am Montag bereits die Aufräumarbeiten begannen.

Am Golf von Mexiko, also an der Westseite von Florida, löste "Irma" zunächst sogar das Phänomen aus, dass die Wellen von der Küste weggesogen wurden. Meteorologen warnten allerdings, dass dort später bei einem möglichen Drehen der Winde noch hohe Sturmfluten auf die Ufer prallen könnten. Bis Montag kamen durch "Irma" in den USA mindestens drei Menschen ums Leben. Sie starben bei Verkehrsunfällen in Florida, die durch den Sturm ausgelöst wurden.

US-Präsident Donald Trump rief für Florida offiziell den Katastrophenfall aus. Dies bedeutet, dass der Kongress ermächtigt ist, Gelder aus dem Bundeshaushalt für die Nothilfe freizugeben. Trump kündigte auch an, "sehr bald" nach Florida zu reisen. Erst kürzlich hatte er die Bundesstaaten Texas und Louisiana besucht, wo der Hurrikan "Harvey" im August schwere Verwüstungen angerichtet hatte.

Der Zivilschutz in Kuba teilte unterdessen mit, dass dort zehn Menschen infolge des Sturms getötet worden seien. Manche der Opfer ertranken in den Fluten, andere wurden durch Stromschläge, einstürzende Bauwerke oder den Absturz eines Balkons auf einen vorbeifahrenden Bus getötet. Von anderen Karibikinseln waren zuvor bereits insgesamt 27 Todesopfer gemeldet worden.

Kuba nach "Irma": Jetzt geht es ans Aufräumen

In der Hauptstadt Havanna schafften Bautrupps am Montag umgestürzte Bäume und Trümmer beiseite. "Die Revolution wird niemanden schutzlos allein lassen. Keine kubanische Familie wird ihrem Schicksal überlassen", schrieb Präsident Raul Castro in der Parteizeitung "Granma".

 

AFP

"Jetzt ist keine Zeit zum Jammern. Wir werden wieder aufbauen, was die Winde von Hurrikan "Irma" zerstören wollten." Allerdings gab es in vielen Stadtteilen noch immer weder Strom noch Wasser oder Gas. "Was sollen wir ohne Trinkwasser machen? Sie sollen und Tanklastzüge mit Wasser bringen", riefen einige Frauen am Montag nahe dem exklusiven Hotel Melia Cohiba.

AFP

 "Irma" hatte Havanna hart getroffen. Hohe Wellen überspülten die Uferpromenade Malecon. Das Wasser drang mehr als 500 Meter ins Stadtzentrum vor. "Soweit kam das Wasser bisher noch nie", sagte die Chefin des Zivilschutzes in der Hauptstadt, Mercedes Lopez.

(c) AP (Desmond Boylan)

Mit Eimern, Besen und Lappen kämpften die Menschen gegen das Wasser in ihren Häusern. "Bis hier stieg das Wasser", sagte Caridad und hob die Hand über ihren Kopf. Sie wohnt nur drei Straßenblocks oberhalb des Malecon und musste sich in den zweiten Stock flüchten, um nicht von den Wassermassen mitgerissen zu werden.

 

(c) AP (Desmond Boylan)

Mindestens zehn Menschen kamen auf Kuba im Wirbelsturm "Irma" ums Leben. Sieben Menschen seien in der Provinz Havanna getötet worden, wie der Zivilschutz am Montag mitteilte. Drei weitere Menschen kamen demnach in den Provinzen Matanzas, Ciego de Avila und Camagüey ums Leben.

 

(c) AP (Desmond Boylan)

In der Hauptstadt Havanna erlitten zwei Männer tödliche Stromschläge durch zerrissene Kabel. Zwei Frauen wurden im Zentrum getötet, als ein Balkon im vierten Stock abbrach und auf einen Bus stürzte, wie es im Bericht des Zivilschutzes hieß. Eine Frau wurde vor ihrem Haus in einer überschwemmten Straße entdeckt.

 

(c) AP (Desmond Boylan)

10 000 Menschen wurden allein in Havanna in Sicherheit gebracht. Kuba ist hurrikanerprobt, der Zivilschutz funktioniert gut. Allerdings sind vor allem im historischen Zentrum von Havanna zahlreiche Gebäude baufällig und halten extremen Wetterbedingungen nicht stand.

 

(c) AP (Desmond Boylan)

Die Opfer außerhalb Havannas kamen ums Leben, als ihre Häuser einstürzten. Sie hätten den Anweisungen der Behörden nicht Folge geleistet und seien daheim geblieben, statt sich in Notunterkünften in Sicherheit zu bringen, teilte der Zivilschutz mit.

(c) AP (Desmond Boylan)

Im Norden Kubas richtete der starke Tropensturm erhebliche Schäden an. Besonders schlimm wurde unter anderem die Provinz Villa Clara getroffen. In dem Fischerort Caibarien wurden reihenweise Hausdächer abgedeckt, Bäume entwurzelt, es kam zu schweren Überschwemmungen.

 

(c) AP (Ramon Espinosa)

Vor allem die Landwirtschaft erlitt erhebliche Schäden. "Die Pflanzungen wurden beschädigt, vor allem Bananen, Reis und Zuckerrohr", sagte Martín Chávez Blanco vom Wirtschaftsministerium.

 

(c) AP (Ramon Espinosa)

 "Irma" war in der Nacht zum Samstag mit Windgeschwindigkeiten von rund 200 Kilometern pro Stunde auf Kuba getroffen. Tausende Menschen wurden in Notunterkünfte gebracht. Die Regierung rief Hurrikan-Warnungen für mehrere Provinzen aus.

(c) AP (Ramon Espinosa)

Mehr Bilder!

(c) AP (Ramon Espinosa)
(c) AP (Ramon Espinosa)
(c) AP (Ramon Espinosa)
(c) AP (Ramon Espinosa)
1/15

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron besucht am Dienstag die von "Irma" massiv beschädigten Karibikinseln Saint-Martin und Saint-Barthelemy. Der Staatschef will Experten und Hilfsgüter mitnehmen. Saint-Martin teilt sich in einen französischen und einen niederländischen Teil, genannt Sint Maarten. Weite Teile der Insel wurden vom Hurrikan zerstört oder beschädigt. Mindestens zehn Menschen kamen auf französischer Seite um, die niederländischen Behörden zählten mindestens vier Todesopfer.

Viele Bewohner wollen Saint-Martin und Saint-Barthelemy verlassen. Alte Menschen oder Familien mit kleinen Kindern haben dabei Vorrang, wie der französische Premier Edouard Philippe am Montag in Paris sagte. Ziele seien die Karibikinsel Guadeloupe oder das Mutterland Frankreich. Es könnten pro Tag 2.000 bis 2.500 Menschen in Sicherheit gebracht werden, falls die Verkehrsverbindungen wiederhergestellt seien. Philippe kündigte an, ein Marineschiff werde den südfranzösischen Hafen Toulon in Richtung Karibik verlassen. Das Schiff habe unter anderem eine große Krankenstation an Bord.

Kommentieren

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.