CharlottesvilleScharfe Kritik an Reaktion Trumps: "Nicht-Handeln ist eine Schande"

Eine Demo von Rechtsextremisten im US-Staat Virginia ist in Gewalt eskaliert. Drei Menschen starben, zahlreiche wurden verletzt. Der US-Präsident wurde kritisiert, die rechtsextreme Gewalt in Charlottesville nicht klar genug verurteilt zu haben.

Gegendemonstranten zerreißen eine Konföderierten-Flagge © (c) AP (Shaban Athuman)
 

Nach den Ausschreitungen zwischen rechtsextremen Gruppen und Gegendemonstranten im US-Staat Virginia ist die Zahl der Toten auf drei gestiegen. Mindestens 35 Menschen seien verletzt worden, einige von ihnen schwer, gaben die Behörden  bekannt. Nach Angaben der Polizei starb eine 32-jährige Frau, als ein Fahrzeug vermutlich absichtlich in eine Gruppe von Gegendemonstranten raste und an einer Kreuzung zwei Autos rammte. Der Fahrer, ein 20-Jähriger, wurde nach Polizeiangaben festgenommen.

Bereits zuvor hatten sich Kundgebungsteilnehmer schwere Schlägereien mit Gegendemonstranten geliefert.  Zwei weitere Menschen kamen zudem beim Absturz eines Polizeihubschraubers bei Charlottesville ums Leben. Ob der Absturz mit den Unruhen zusammenhängt, war jedoch zunächst nicht klar.

Ausschreitungen in Charlottesville

In der Innenstadt von Charlottesville waren am Samstag Hunderte Menschen, die zum Teil Symbole von weißen Nationalisten trugen, mit einer ähnlichen Zahl von Gegendemonstranten aneinandergeraten. Mitglieder beider Gruppierungen trugen Helme und Schutzanzüge, einige schwenkten Holzpfosten. Die Rechtsextremen der "white supremacy"-Bewegung protestieren gegen die geplante Entfernung einer Statue von General Robert E. Lee, der im amerikanischen Bürgerkrieg die Truppen der Konföderierten anführte. Anhänger der ultra-nationalistischen Alt-Right-Bewegung, haben sich seit dem Wahlsieg Trumps verstärkt in der Öffentlichkeit gezeigt.

Unter den Demonstranten war auch der ehemalige Ku-Klux-Klan-Führer David Duke. Einige Demonstranten skandierten CNN zufolge Nazi-Slogans wie "Blut und Boden". Duke wurde auf einem vom "Indianapolis Star" geposteten Video gezeigt wie er sagte, die Demonstranten wollten sich "unser Land zurückholen". Damit wollten sie "die Versprechen von Donald Trump erfüllen".

Die zwei Autostunden südwestlich von Washington gelegene Stadt gilt als Hochburg der US-Demokraten, nach CNN-Angaben stimmten dort bei der Präsidentenwahl 80 Prozent für Trumps demokratische Herausforderin Hillary Clinton.

>> US-Präsident wird einmal für sein Schweigen kritisiert

Präsident Donald Trump verurteilte zwar die "ungeheuerliche Gewalt" vom Samstag, "Hass und Vorurteile", aber nannte dabei die Kundgebung der Rechtsextremisten nicht direkt. Stattdessen sprach er pauschal von "Gewalt von vielen Seiten". Trumps unterlegene Wahlkampfgegnerin Hillary Clinton griff diese Kritik in einer Twitter-Botschaft auf: "Jede Minute, in der wir dies durch stillschweigende Ermunterung oder durch Nicht-Handeln hinnehmen, ist eine Schande."

Kommentatoren in verschiedenen Fernsehsendungen äußerten scharfe Kritik an der nach ihrer Ansicht nach laschen Reaktion des Präsidenten, dessen Wahl in rechtsextremen Kreisen bejubelt worden war. Kritiker haben Trump bereits in der Vergangenheit angelastet, sich nicht genügend von den Rechten distanziert zu haben.

"Herr Präsident - wir müssen das Böse beim Namen nennen", erklärte der republikanische US-Senator Cory Gardner am Wochenende über den Kurznachrichtendienst Twitter. Es ist sehr wichtig, dass der Präsident die Ereignisse in Charlottesville als das beschreibt, was sie sind, ein Terroranschlag weißer Rassisten", schrieb der republikanische Senator Marco Rubio. Trumps Tochter Ivanka schrieb am Sonntag auf Twitter: "In der Gesellschaft sollte kein Platz für Rassismus, weiße Vormachtstellung und Neonazis sein."

Weißes Haus stellt Aussagen klar

Nach der Kritik an Präsident Trump, die rechtsextreme Gewalt in Charlottesville nicht klar genug verurteilt zu haben, bemüht sich das Weiße Haus um eine Klarstellung. Trumps Verurteilung "aller Formen der Gewalt, des Fanatismus und des Hasses" gelte "natürlich auch für Neonazis, den Ku Klux Klan und alle extremistischen Gruppen", hieß es am Sonntag in Washington. Die Tochter und Beraterin des Präsidenten, Ivanka Trump, setzte sich am Sonntag von ihrem Vater ab und kritisierte explizit den Aufmarsch der Rechtsextremen.

Notiert wurde auch, dass sich Trump am Samstag überhaupt erstmals - via Twitter - zur Gewalt in Charlottesville äußerte, nachdem Dutzende andere Politiker auch aus republikanischen Kreisen sie bereits stark verurteilt hatten. Dazu zählten der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, sowie die prominenten Senatoren Marco Rubio und Orrin Hatch.

"Ihr seid hier nicht willkommen"

Auch der demokratische Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, richtete eine äußerst scharf formulierte Botschaft an die Rechtsextremisten. "Ihr seid hier nicht willkommen", sagte er auf einer Pressekonferenz. "Geht nach Hause. Nehmt euren Hass und eure Vorurteile mit. Es gibt hier keinen Platz für euch, und es gibt keinen Platz für euch in Amerika."  McAuliffe, machte Neo-Nazis für die Gewalt verantwortlich. 

An der Kundgebung unter dem Motto "Vereinigt die Rechte" hatten schätzungsweise mehrere Tausend Menschen aus verschiedenen ultrarechten Gruppen teilgenommen, so Angehörige der Alt-Right-Bewegung, Neonazis und Ku-Klux-Klan-Anhänger, darunter auch deren ehemaliger Führer David Duke. Anlass für die Demonstration war ein Stadtratsbeschluss, eine Statue des Konföderierten-Generals Robert E. Lee aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) zu entfernen. Lee führte Mitte des 19. Jahrhunderts die Südstaaten-Truppen, die für die Sklaverei eintraten.

Ku-Klux-Klan - Rassismus unter weißen Kapuzen

Der rassistische Ku-Klux-Klan wurde in seiner ursprünglichen Form 1865 im US-Staat Tennessee gegründet. Mit Morden an Afroamerikanern und Attentaten auf Politiker kämpfte der Geheimbund gegen die Abschaffung der Sklaverei. Bei nächtlichen Überfällen trugen Mitglieder weiße Kutten mit Kapuzen und verbreiteten mit brennenden Kreuzen Angst und Schrecken. 1882 wurde die Organisation für verfassungswidrig erklärt und aufgelöst.

Vor gut 100 Jahren - 1915 - erfolgte die Neugründung bei Atlanta (Georgia). Der Klan soll um 1925 vier Millionen Mitglieder gezählt haben. Auch unter dem Namen "Knights of the Great Forest" (Ritter des großen Waldes) ging er gegen Menschen anderer Hautfarbe und religiöse Minderheiten vor. 1944 wurde der Bund erneut aufgelöst, diesmal wegen Steuerschulden. Er nahm seine Aktivitäten aber nach wenigen Jahren erneut auf.

Nach Aufhebung der Rassentrennung in den 1960er-Jahren erhielt der Klan wieder Zulauf. Bei Mordanschlägen und Bombenexplosionen seiner Aktivisten auf die schwarze Bürgerrechtsbewegung wurden mehrere Menschen getötet. Seit den 1990er-Jahren greift der Klan gezielt schwarze Kirchengemeinden an.

Nach Schätzungen zählt der Ku-Klux-Klan in den USA heute bis zu 8000 Mitglieder in mehreren unabhängigen Gruppen, die unter seinem Namen auftreten. Sie knüpften Kontakte zu Rechtsextremisten im Ausland. Die "Europäischen weißen Ritter vom brennenden Kreuz" (European White Knights of the Burning Cross) gelten als Ableger auch in Deutschland.

Virginia: Ku Klux Klan und andere Rechtsextreme marschierten auf

Im Vorfeld einer Kundgebung von Rechtsextremisten und Neonazis in der Stadt Charlottesville (US-Staat Virginia) ist es zu schweren Zusammenstößen mit Gegendemonstranten gekommen.

(c) APA/AFP/Virginia State Police/VIRGINIA STATE POLICE (VIRGINIA STATE POLICE)

Schon Stunden, bevor die Veranstaltung am Samstag überhaupt begann, lieferten sich Teilnehmer beider Seiten heftige Faustkämpfe.

(c) APA/AFP/PAUL J. RICHARDS (PAUL J. RICHARDS)

Nach Ausschreitungen  ist ein Auto in eine Menschengruppe gerast.

(c) APA/AFP/PAUL J. RICHARDS (PAUL J. RICHARDS)

Augenzeugen sprachen am Samstag in Charlottesville von mehreren Verletzten.

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Im Internet verbreitete sich ein Amateur-Video, auf dem der Zwischenfall zu sehen ist. Unklar war, ob der Fahrer vorsätzlich gehandelt hat.

(c) APA/AFP/PAUL J. RICHARDS (PAUL J. RICHARDS)

Anlass für die Kundgebung "Vereinigt die Rechte", zu der unter anderem der Ku Klux Klan und die sogenannte Alt-Right-Bewegung aufgerufen haben,...

(c) AP (Steve Helber)

... war ein Stadtratsbeschluss, eine Statue des Konföderierten-General Robert E. Lee aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) zu entfernen. Lee führte Mitte des 19. Jahrhunderts die Truppen der Südstaaten, in denen die Sklavenhaltung erlaubt war.

(c) AP (Steve Helber)

Die Polizei verhängte ein Versammlungsverbot. Die Behörden riefen den Ausnahmezustand aus.

(c) APA/AFP/PAUL J. RICHARDS (PAUL J. RICHARDS)

US-Präsident Donald Trump hat die Ausschreitungen bei einer Versammlung des Ku-Klux-Klans und anderer rechtsextremer Gruppen scharf verurteilt.

(c) AP (Steve Helber)

Trump schrieb am Samstag auf Twitter, in den USA sei kein Platz für solchen "Hass" und solche Gewalt.

(c) AP (Mykal McEldowney)
(c) AP (Steve Helber)
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(c) APA/AFP/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS (ANDREW CABALLERO-REYNOLDS)
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Nach Fernseh- und Augenzeugenberichten waren mehrere Kundgebungsteilnehmer mit Baseballschlägern gekommen, schon Stunden vor der Veranstaltung kam es zu heftigen Prügeleien mit Gegendemonstranten. Die mutmaßliche gezielte Autoattacke ereignete sich nach Medienberichten, als ein Großteil der Kundgebungsteilnehmer bereits abgezogen waren und die Gegendemonstranten einen eigenen Protestzug bildeten.

20-Jähriger festgenommen

Die US-Bundespolizei FBI hat die Ermittlungen zu der tödlichen Auto-Attacke in der Stadt Charlottesville übernommen. Der Fall werde als möglicher Verstoß gegen die Bürgerrechtsgesetze behandelt.Als Verdächtigen hat die Polizei den 20-jährigen James Alex Fields Junior in Gewahrsam genommen.

APA/AFP/Albemarle County Jail/AL US-POLITICS-RACISM-SOCIETY-SUSPECT
James Alex Fields raste mit seinem Dodgde Challenger in die Menschenmenge. © APA/AFP/Albemarle County Jail/AL

Er soll sein Auto vorsätzlich in eine Gruppe von Menschen gesteuert haben, die gegen eine Kundgebung von rechtsextremen und teils rassistischen Gruppen in Charlottesville protestiert haben. Bei der Attacke wurde eine Frau getötet, 19 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Ob der Verdächtige ein politisches Motiv hatte, war zunächst unklar.

Der Moment als Fields in die Menge raste. Foto © AP

Trumps Tweet

Trump äußerte sich nach einem ersten allgemeinen verurteilenden Tweet bei einem Auftritt an seinem Urlaubsort in Bedminister (New Jersey). Es gebe in Amerika "keinen Platz" für Gewaltausbrüche wie den in Charlottesville, sagte er, ohne in Einzelheiten zu gehen. Er rief seine Landsleute dazu auf, zusammenzustehen und einander - ungeachtet aller Differenzen - "zu lieben".

Trump versprach außerdem eine "rasche Wiederherstellung von Recht und Ordnung" und verwies auf die jüngsten Errungenschaften im Land, die seiner Regierung zu verdanken seien: Die sinkende Arbeitslosenquote, die Rückkehr von Produktions-Jobs aus dem Ausland, die Verhandlungen über Handelsabkommen - all das sei großartig für das Land und die amerikanischen Arbeiter. "Es passieren so viele unglaubliche Dinge in unserem Land. Wenn ich Charlottesville anschaue, scheint es mir sehr, sehr traurig."

 

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Danke für Ihr Verständnis.

tannenbaum
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Die Rechtsextremen werden leider langsam wieder Salonfähig! In Köflach wird demnächst für einen bedingungslosen Hittler Verehrer sogar eine große Gedenkfeier organisiert!

Antworten
Acquario
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Dumm UND Schwach...

was für ein Präsident..

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harri156
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Johann Wolfgang von Goethe

Wehe! wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!
Und sie laufen! Naß und nässer

wirds im Saal und auf den Stufen.

Welch entsetzliches Gewässer!

Herr und Meister! hör mich rufen! - 

Ach, da kommt der Meister!

Herr, die Not ist groß!

Die ich rief, die Geister

werd ich nun nicht los.

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