Menschenrechtler haben in einem philippinischen Polizeirevier eine Geheimzelle entdeckt, in der ein Dutzend Insassen illegal festgehalten wurden. Auf das Versteck hinter einem Bücherregal stießen die Mitglieder einer Menschenrechtskommission, als sie ein Revier in einem Slum-Bezirk der Hauptstadt Manila besuchten.

Die neun Männer und drei Frauen sollen in der Zelle eine ganze Woche lang zusammengepfercht gewesen sein. Der Regionaldirektor der Menschenrechtskommission, Gilbert Boisner, bezeichnete die Entdeckung am Freitag als "jüngsten Beweis" dafür, wie die philippinische Polizei den Anti-Drogen-Krieg von Präsident Rodrigo Duterte zur persönlichen Bereicherung nutze. Angeblich sollen die Polizisten von den Insassen bis zu 4.000 US-Dollar (etwa 3.680 Euro) verlangt haben, damit sie freikommen. Die Anwältin Diana De Leon warf der Polizei auch Folterungen vor.

Auf den Philippinen hat der seit zehn Monaten amtierende Präsident Duterte der Drogenszene den Krieg erklärt. Dabei wurden seit Juni 2016 mehrere Tausend Menschen getötet, viele davon durch Exekutionskommandos. Duterte brüstet sich damit, auch selbst Drogendealer ermordet zu haben. An diesem Wochenende ist der 72-Jährige in Manila Gastgeber eines Gipfeltreffens der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (ASEAN).