Der Erfinder

"Vater sein ist vielfach Plag', drum leb' er hoch der Vatertag"

1956 machte sich Helmut Herz zum Schöpfer des österreichischen Vatertags. Dabei wollte der heute 91-Jährige eigentlich nur den Umsatz der kriselnden Textilbranche ankurbeln. Das Konzept des Werbeprofis ging auf.

"Das wird nix." Helmut Herz (91) überzeugte die Kritiker © kk
 

Helmut Herz wird seinen Ehrentag an diesem Sonntag alleine verbringen. Allerdings erwartet er einen Anruf seiner Tochter, die gerade in Griechenland urlaubt. Danach wird der überaus rüstige 91-Jährige durch die Neustifter Weingärten wandern, bei einem Heurigen einkehren und sich über den Erfolg seiner Erfindung freuen.

Als die Textilbranche 1955 in der Krise steckte, waren gute Ideen gefragt - und der damalige Gloriette-Werbeleiter wusste auch, welche: Der Vatertag sollte im Jahr darauf die Sommerzeit beleben und den Konsum ankurbeln. Damit die Idee greifen konnte, müsste man das Vorhaben allerdings firmenneutral gestalten und auch andere Unternehmen dafür begeistern.

"Vater sein ist vielfach Plag'"

"Eine gemeinsame Torte wird schöner, größer und es können alle ein Stück davon haben", argumentierte Herz und lief damit bei den anderen Firmen offene Türen ein. Inserate mit dem von ihm getexteten Spruch "Vater sein ist vielfach Plag', drum leb' er hoch der Vatertag" erschienen, Plakate und Aufsteller in den Schaufenstern begannen die Menschen ab Jänner/Februar für die Idee zu begeistern. Ein Zeichen- und Malwettbewerb zum Thema "Bild oder Beruf des Vaters" war ein ungeheurer Erfolg und gewann die Herzen der Kinder.

In der damals überschaubaren Medienlandschaft kannte Herz praktisch alle Journalisten und bat sie um entsprechende Beiträge. Und Hermann Gmeiner, der Gründer der SOS-Kinderdörfer, ließ sich ebenfalls vor den Karren spannen.

Auch das Datum, den zweiten Sonntag im Juni, bestimmte der Werbeprofi: "Ich dachte, da hätten die Frauen noch ein schlechtes Gewissen, weil sie etwas zum Muttertag bekommen haben." Zudem hoffte man, die aus Amerika stammende Mode der "Buschhemden", die über der Hose getragen wurden, in der ansonsten "toten" Zeit vermarkten zu können.

Kleine Bruder des Muttertags

Skeptiker gab es wie üblich genug: "Das wird nix", hatte ein Sekretär der Wirtschaftskammer gemeint. "Wenn es wirklich nicht geklappt hätte, wäre mein Job an der Kippe gestanden", erinnerte sich Herz im APA-Gespräch.

Doch der Erfolg gab ihm recht. Als der Funktionär am Montag anrief und erzählte, dass ihn seine Kinder im Bett überrascht und gratuliert hätten, wusste er, dass er gewonnen hatte. Und der saisonale Umsatz von Gloriette hatte sich auch verdoppelt. Auch heute noch profitiert der heimische Handel von den weit über 100 Millionen Euro Umsatz, auch wenn der Vater- nicht ganz mit dem Muttertag mithalten kann.

"Uns ist es in erster Linie um die Familie gegangen, aber der Handel braucht jeden Groschen", freut sich der Pensionist über den zusätzlichen Umsatz, der sich in den vergangenen 60 Jahren zu Milliarden summiert hat. "Mit meiner Idee habe ich eine ganze Menge Arbeitsplätze geschaffen, mehr als der Herr Stronach."

Was war sein schönstes Geschenk? Das gemalte Bild seines damals achtjährigen Sohnes zum allerersten Vatertag - und dieses Kunstwerk befindet sich auch 60 Jahre später noch immer in der Sammlung des 91-Jährigen. Leider ist der Sohn mittlerweile verstorben.

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