Neue Studie

Deutsche katholische Priester hadern mit dem Zölibat

Jeder dritte katholische Priester in Deutschland empfindet die Ehelosigkeit für seinen Dienst belastend. Nur jeder zweite würde sich einer Studie zufolge noch einmal für das Zölibat entscheiden.

Jeder dritte katholische Priester in Deutschland empfindet Zölibat als belastend © Africa Studio - Fotolia
 

Die katholischen Priester in Deutschland leiden unter dem Zölibat. Jeder dritte Priester empfindet die von der Kirche verlangte Ehelosigkeit als belastend für seinen Dienst, ergab eine am Donnerstag von der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin vorgestellte deutschlandweite Seelsorgestudie.

Der Untersuchung zufolge würde sich nur etwa jeder zweite Priester wieder für eine zölibatäre Lebensform entscheiden, wenn er nochmals die Wahl hätte. Ein Viertel würde nicht wieder zölibatär leben wollen, ein weiteres Viertel ist unentschlossen.

Die Studienmacher um den Münchner Jesuitenpater und Professor Eckard Frick befragten zwischen 2012 und 2014 insgesamt 8600 Seelsorger, darunter 4200 Priester. Bei den weiteren Seelsorgern handelt es sich etwa um Diakone oder Pastoralreferenten. Die Studie, bei der es sich um die erste deutschlandweite Seelsorgestudie handelt, wurde aus privaten Stiftungsgeldern finanziert; sie erfolgte nicht im Auftrag der Bischofskonferenz.

Offenheit

Frick sagte der Nachrichtenagentur AFP, es gebe unter den Geistlichen eine erstaunliche Offenheit, über Probleme zu reden, und auch Unterstützungsbedarf. "So gibt es unter den Priestern auf der einen Seite die ganz reifen Persönlichkeiten, die aus dem Zölibat etwas machen können. Aber es gibt auch die anderen, die hadern, auch mit ihrer sexuellen Orientierung hadern."

Laut den Studienautoren gibt es unter den Seelsorgern eine hohe Leistungsbereitschaft und Zufriedenheit. Die gewachsenen Belastungen etwa durch Zusammenlegungen von Gemeinden in Pfarrverbänden seien nicht in erster Linie der Grund dafür, wenn es bei den Seelsorgern zu persönlichen Beschwerden komme. "Wir nuancieren das Klischee vom gestressten Priester", sagte Frick.

Ergebnis nun diskutieren

Die Ergebnisse der Wissenschaftler müssten jetzt an der Basis diskutiert werden, es gehe da nicht nur um die Bischöfe, erläuterte der Forscher. "Solche Zahlen brauchen ja eine Deutung. Wer zu schnell Rezepte gibt, gibt oft kurzschlüssige Rezepte." Er erwarte nun einen Diskussionsprozess in der katholischen Kirche in Deutschland, der Jahre dauern werde.

 

Kommentare (4)

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joschi41
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Hilfreich

So eine Studie ist naturgemäß sehr hilfreich, wenn es gilt dieses Thema vertiefend zu diskutieren. Dadurch werden die strikten Verteidiger des Zölibats gezwungen differenzierter zu argumentieren, gilt es doch auch jenen zuzuhören, die beispielsweise für eine Wahlfreiheit eintreten und überdies gibt es Modelle wie eine in die Zukunft gerichtete Lösung aussehen könnte.

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KarlLiebknecht
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Das wundert mich überhaupt nicht.

Der Zwangszölibat ist von vorvorgestern, er gehört einfach abgeschafft.

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hermannsteinacher
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Die Übersetzungsfälschung der vielstrapazierten Mt-Stelle 19,12

(die Vulgata bringt noch eine korrekte Übersetzung ins Lateinische mit:
"... et sunt eunuchi, qui seipsos castraverunt ...")
ist beispielsweise - siehe Einheitsübersetzng - eklatant.
Da bleibt von der richtigen Übersetzung dieser Textpassage
"... und es gibt Eunuchen, welche sich selber kastriert haben ..."
gar nichts mehr übrig.

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hermannsteinacher
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Man vergleiche die richtige Lutherübersetzung

aus dem Altgriechischen:

"... und es sind etliche verschnitten, die sich selbst verschnitten haben ..."

mit der grob falschen in der Pattloch-Bibel (katholisch):

"... und es gibt Ehelose, die sich der Ehe enthalten ..."

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