Sportbaustelle Graz
Miese Trainingsbedingungen, desolate Hallen, kein Geld - Grazer Vereine hadern mit ihrem Schicksal als Randgruppen. Stadt plant jetzt millionenschwere Sport-Offensive.

Foto © KanizajEin Eggenberg bei der Askö-Halle sind bereits die Bagger aufgefahren
Die Olympia-Debatte um fehlende Medaillen bringt auch das Sportleben in Graz in Rage. Abseits von König Fußball liegt hier seit Jahren manches im Argen, wird vieles erhofft. Den tristen sportlichen Alltag schildern die Klubchefs selbst.
Basketball
UBSC-Manager Michael Fuchs hadert damit, sich Trainings- und Spielzeiten mit Volley- und Handballern teilen zu müssen. Fazit: "Wir müssen am Sonntagabend Meisterschaft spielen, da kommen viel weniger Zuschauer. Trainiert haben wir mitunter schon bis 22.30 Uhr in der Nacht, derzeit immerhin bis 21.30 Uhr. Es ist schwer begreifbar, warum Graz keine entsprechende Halle baut. In der Steiermark zählt nur Sturm, aber der Öffentlichkeit ist nicht bewusst, wie viel auch wir für die Jugend tun." Allein der UBSC betreut 130 aktive Jugendspieler, "die zum Teil in Schul-Turnsälen trainieren, die nur eine größere Besenkammer sind".
Volleyball
Der sportliche Leiter des UVC, Reinhard Schaumberger, kritisiert, dass es auch mit den neuen Hallen in Liebenau und Eggenberg keine international erforderliche Raumhöhe von 13 Metern geben wird. "Es wird für nationale und europäische Bewerbe reichen, aber WM- oder Olympia-Qualifikationen kann man in Graz weiterhin keine spielen. Wir trainieren teilweise bis 23 Uhr, können keine einzige größere Veranstaltung machen, haben aber 400 Sportler bei unserem Verein. Es ist schlimm."
Handball
HSG-Boss Michael Schweighofer poltert: "Überall gibt's große Hallen, wir können nicht einmal im richtigen Ausmaß trainieren. Was die Stadt macht, ist viel zu wenig. Und man sieht: Das Olympia-Debakel hat schon seinen Grund. Wir brauchen eine Arena, am besten gemeinsam mit Eishockey und 5000 Zuschauerplätzen."
Eishockey
EC-Graz-Präsident Jochen Pildner-Steinburg wünscht sich indes das Einlenken des Denkmalschutzes: "Denn dann können wir für die Special Olympics 2017 auf einen Neubau hoffen. Was wir während der Umbauphase machen, weiß ich aber noch nicht. Es ist derzeit schon eine Katastrophe für uns. Wir sind in der Stadt Lichtjahre von einem Sportkonzept entfernt."
Turnen/Leichtathletik/Schwimmen
Zumindest ATG-Sprecherin Jutta Hegel ist zufrieden, was den Breitensport betrifft, und beim ATG wird auch bis nächstes Jahr eifrig saniert und umgebaut. Den Bezug zur Realität wolle sie aber nicht verlieren. "Mehr geht in Graz nicht." ATG-Sportchef Bernd Pazolt sieht dagegen Probleme beim Schwimmen ("Die Langbahn in der Auster ist zu wenig") und bei der Leichtathletik ("Wir haben keine genormte Laufbahn in Graz"). Große Pläne. ÖVP-Sportstadtrat Detlev Eisel-Eiselsberg kennt die Misere natürlich, macht aber Hoffnung auf baldige Besserung. Etliche Millionen Euro sollen demnach - gemeinsam mit Bund, Land, Vereinen und Investoren - in den nächsten Jahren in Grazer Sportanlagen investiert werden. Neben dem schon angesprochenen Hoffnungsprojekt "Liebenauer Eishalle" mit der Reserveoption "Hüttenbrennergasse" setzt der Stadtrat folgende Eckpfeiler:
- LUV Graz: Dem Verein soll "so bald wie möglich" ein geeignetes Areal zur Verfügung gestellt werden, "da dessen Jugendarbeit nahezu beispiellos ist".
- Asvö: Um 5,9 Millionen Euro ist eine Dreifach-Halle für den Trainings- und Jugendbereich in der Herrgottwiesgasse angedacht.
- Askö: Der derzeitige Ausbau soll erst der Anfang sein. Eisel-Eiselsberg denkt laut: "Ich möchte hier ein Sportkompetenzzentrum mit Sporthotel und Ausbau der Tennisanlage. Dazu suchen wir private Investoren."
- Freizeitpark Nord: Rund um den GAK sollen etliche Sportarten Trainingsmöglichkeiten finden. Internationale Sportcamps sind angedacht.
- Union: Die Unionhalle in der Gaußgasse soll um 4,1 Millionen Euro totalsaniert werden.
Eisel-Eiselsberg: "Ich will, dass es dem Nachwuchs ein Leichtes ist, sich sportlich zu betätigen. Das ist mein Ansatz." Dass die Politik dabei oft auf verlorenem Posten steht, gibt er zu. "Wir haben jährlich ein Sportbudget von nur drei Millionen Euro."
Ohne Investoren geht es also nicht. Die Suche kann beginnen.
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Sportstadtrat Detlef Eisel-EiselsbergFoto © Gernot Eder










