Tournee der Bettelclans
Roma gehen - teils mit Kindern - organisiert in den Bezirken auf Betteltour. Das Verbot treibt sie immer stärker vor Grazer Wohnungstüren.

Foto © APPassives Betteln ist verboten, nun wird aktives Betteln versucht ...
Dass die Bettler mit dem Verbot nicht aus Graz verschwunden sind, ist ein Jahr nach dessen Inkrafttreten kein Geheimnis. Sie sitzen oder stehen als Verkäufer von Straßenzeitungen in der Stadt, musizieren mehr schlecht als recht und sind auch schon "hausieren" gegangen. Doch nun treten die Roma wieder massiver auf, wie Bewohner des Herz-Jesu-Viertels erzählen: "Sie sind bei uns ausgeschwärmt, wie in einem Planquadrat, das sie abgrasen."
Mit einem Zettel, der auf ihre Armut aufmerksam macht, seien sie paarweise, alleine und auch mit Kindern an der Hand unterwegs: "Sie betteln Passanten auf den Straßen an und gehen in die Häuser, läuten bei den Wohnungen an. Das wirkt alles gut organisiert."
Unüberschaubar
Dass das Verbot die Roma aus der Herrengasse vor Grazer Wohnungstüren verlagert hat, weiß Vinzi-Pfarrer Wolfgang Pucher zu gut: "Bei mir beschweren sich darüber immer wieder Menschen. Aber ich habe mit diesen Roma nichts zu tun, habe wegen des Verbots keinen Überblick mehr über die Szene. Früher war das überschaubar und man konnte mit ihnen in Kontakt treten." Jetzt kämen sie offenbar organisiert, um zu betteln: "Aber nicht organisiert wie eine Mafia! Sie kommen eben als Großfamilien, im Clan. Und der Vajda, der Clanchef, wird wohl einteilen, wo sie betteln sollen. Er schaut auch darauf, dass alle gleich viel Geld bekommen."
Der Pressesprecher der Grazer Polizei, Josef Huber, bestätigt die Theorie: "Offenbar reisen hier Familien zum Betteln an - das geht übers ganze Stadtgebiet." Doch die Polizei kann wenig tun, ist auf Meldungen aus der Bevölkerung angewiesen: "20 Anzeigen hat es heuer deswegen gegeben, sechs Amtshandlungen haben wir in den letzten eineinhalb Monaten vorgenommen." Die kontrollierten Roma kamen aus Rumänien und Ungarn.
Für Pucher ist klar: "Die Lage ist jetzt schlechter als vor dem Verbot." Er hofft, dass das Höchstgericht dieses noch vor dem Sommer kippt.










