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    Zuletzt aktualisiert: 13.05.2012 um 02:00 UhrKommentare

    "Ich muss mich oft fremdschämen"

    Edgar Kummer hat Thomas Schäfer-Elmayer 2009 als Choreografen der Opernball-Eröffnung abgelöst. Jetzt will er den Grazern Manieren beibringen. Warum eigentlich?

    Edgar Kummer sieht auch im Kaffeehaus nicht nur richtiges Benehmen ...

    Foto © M. KanizajEdgar Kummer sieht auch im Kaffeehaus nicht nur richtiges Benehmen ...

    Herr Kummer, Sie sind seit Jahrzehnten als Tanzlehrer aus der berühmten Grazer Tanzfamilie im Geschäft. Jetzt treten Sie als Coach für gutes Benehmen auf. Warum eigentlich?

    EDGAR KUMMER: Weil es notwendig ist. Die Jungen wissen nicht mehr, wie sie sich benehmen müssen. Das verunsichert sie. Aber das gilt ja auch für Erwachsene.

    Sie haben 2009 als erster Tanzlehrer aus den Bundesländern die Ära Thomas Schäfer-Elmayers als Opernball-Choreografen beendet. Wollen Sie Elmayer nun als Benimmpapst ablösen?

    KUMMER: Nein, darum geht es nicht. Aber ich will große Ambition zeigen, schreibe ein Buch über moderne Umgangsformen, das ich im Herbst herausbringe und starte meine Kurse an Schulen und in Gemeinden, die sich an Junge richten. Knigge hat ja einst Regeln aufgestellt, um ein reibungsloses Miteinander zwischen allen Schichten zu ermöglichen. Darum geht es mir, um eine reibungsloses Miteinander.

    Warum sind denn diese Spielregeln aus der Mode gekommen?

    KUMMER: Das hat mit den 68ern begonnen, die sich gegen die Älteren und deren Regeln aufgelehnt haben. Das wirkt bis heute nach - ich stelle zunehmend einen Mangel an Auftreten fest.

    Die 68er sind heute Großeltern. Wenn denen das nicht so wichtig ist und deren Kindern erst recht nicht, warum sollen wir uns an Regeln der Urgroßeltern halten?

    KUMMER: Weil es nicht flächendeckend so ist, dass Menschen gutes Benehmen egal ist. Wenn junge Menschen in die Berufswelt einsteigen, wird es wichtig. Mitarbeiter eines Unternehmens, stehen für dessen guten Namen gerade. Der Umgang mit Geschäftspartnern und Kunden ist entscheidend. Ich will auch nicht sagen, man muss sich so benehmen. Ich zeige nur auf, wenn man diese Regeln nicht befolgt, hat das Konsequenzen. Man verärgert vielleicht Kunden oder Vorgesetzte, man verspielt die Chance auf einen Karriereaufstieg.

    Wenn Sie sich hier im Café Kaiserfeld umschauen; wie gut benehmen sich die Grazer?

    KUMMER: Da ist mir schon einiges aufgefallen. Viele lümmeln, dabei hat der Ellbogen auf dem Tisch nichts verloren. Oder da hinten essen Gäste Brötchen mit Mayonnaise. Da sollte man sich den Mund abwischen, bevor man aus dem Glas trinkt. Sonst schwimmt darin dann vielleicht etwas ...

    Sonst noch etwas?

    KUMMER: Die Dame am Tisch da hinten, die sich mit dem Herren unterhält streicht sich ständig durchs Haar ...

    Das ist ein starkes Signal ...

    KUMMER: Da haben Sie recht, das ist ein starkes körpersprachliches Signal. Aber es gehört sich eigentlich nicht ...

    Entschuldigen Sie, wenn ich Sie unterbreche - aber dazu neige ich. Wie schlimm ist es, wenn man jemandem ins Wort fällt?

    KUMMER: Ich bitte Sie, Ihnen als Journalist ist das erlaubt. Sie führen das Gespräch, müssen es auf den Punkt bringen. Aber jemanden nicht ausreden lassen, das ist eigentlich ein absolutes No Go!

    Wenn Sie die Grazer beobachten, beim Autofahren, Parkplatzsuchen, an der Feinkosttheke - wie treten sie auf?

    KUMMER: Da herrscht überall Egoismus pur. Es haben alle einen gefühlten - oft gar keinen echten, sondern nur einen gefühlten - Stress und sind bereit für den eigenen Vorteil, Regeln zu brechen. Wenn man ihnen deswegen einen Baum aufstellt, reagieren sie pikiert.

    Wenn sich jemand vordrängt, entspricht es der Etikette, auf sein Recht zu pochen?

    KUMMER: Ich bin ein cholerischer Typ, aber ich wäge da jedes Mal ab. Kommt jemand gehetzt herein und hat es eilig, sage ich vielleicht nichts. Sonst platziere ich meine Bestellung bei der Verkäuferin und signalisiere, dass ich an der Reihe bin. In die direkte Konfrontation gehe ich nicht.

    Haben sich die Regeln eigentlich auch geändert?

    KUMMER: Über die Jahre natürlich. Heute muss nicht mehr nur der Herr aufstehen, wenn er jemanden begrüßt, etwa am Arbeitsplatz. Auch die Damen müssen sich vom Sessel erheben. Aber sie wollten ja auch unbedingt die Gleichstellung. Das haben sie jetzt davon ( schmunzelt).

    Eine der größten Benimm-Fallen ist wohl das Handy. Worauf muss man da achten?

    KUMMER: Das Handy hat am Tisch nichts zu suchen. In Besprechungen verlange ich, dass Teilnehmer es draußen lassen. Ein Kompromiss ist, es lautlos zu stellen.

    Bei einer Erstkommunion in Graz wies der Pfarrer darauf hin, dass Handys auszuschalten sind. Muss man uns wirklich schon sagen, dass wir von Funk- auf Gottesempfang umschalten müssen?

    KUMMER: Mich wundert das nicht. Man sollte ja auch, wenn man im Gespräch mit anderen ist, nur annehmen, wenn es wichtig ist und sich vorher bei seinem Gegenüber entschuldigen. Der fühlt sich sonst natürlich zurückgesetzt. Ein Restaurant sollte man verlassen, bevor man telefoniert. In einem Kaffeehaus geht das gerade noch, wenn man nicht zu laut spricht.

    Wann benehmen Sie sich eigentlich daneben?

    KUMMER: Das passiert nicht. Ich habe schon als Fünfjähriger perfekt mit Messer und Gabel gegessen, war immer angezogen wie eine Schaufensterpuppe. Mein Vater hat mich auf gutes Benehmen getrimmt. Das ist in Fleisch und Blut übergegangen.

    Gab es da dann nicht später Probleme mit Klassenkollegen?

    KUMMER: Ja, aber nicht wegen des Benehmens. Ich war rothaarig und nie sportlich schlank.

    Wie hält man das eigentlich aus, wenn einem auf Schritt und Tritt Regelverstöße anderer ins Auge stechen?

    KUMMER: Ich versuche das als Kabarett zu sehen. Aber trotzdem muss ich mich schon oft fremdschämen.

    INTERVIEW: BERND HECKE

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