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    Zuletzt aktualisiert: 30.04.2012 um 10:18 UhrKommentare

    Die neue Landlust: Stadtkinder pflanzen Graz

    Stadtkinder pflanzen Graz. Die Idee des "Urban Gardening" wuchert - und Familien zieht's in Schrebergärten.

    Foto © Gernot Eder

    Daniela Painer und Daniel Kahr wählen den radikalen Ansatz der Selbstversorgung. Der 29-jährige Verfahrenstechniker und die 25-jährige Studentin in selbiger Disziplin wollen sich den Supermarktbesuch in Zukunft sparen. Auf zwei Hektar gepachtetem Grund in Eggersdorf will das Paar aus der jetzigen Brache eine Permakultur-Landwirtschaft formen. Gemüse, Getreide, Obst in Fruchtfolge - alles in bester Ressourcen-Nutzung und ohne Bodenausbeutung - sind geplant. Später sollen sich auch Freilandschweine und Hendln dort tummeln.

    "Selbstversorgung ist unser Ziel"

    Nein, die beiden wollen keine Nebenerwerbsbauern werden. "Wir machen das neben Job und Studium zum Hobby. Die Selbstversorgung ist unser Ziel", erzählt Kahr. Und es ist nicht die romantische Renaissance der Landlust, die ihn antreibt: "Filme wie ,We feed the World' und alle diese Nachrichten über die Lebensmittel-Industrie haben diesen Wunsch in uns ausgelöst." Sie wollen wissen, was sie essen, woher es kommt. Lernen, was seit der Großeltern-Generation in Vergessenheit geraten sei: Anbauen, Ernten, Konservieren.

    Ein Wunsch, der immer mehr "Stadtkinder" antreibt. Sie wollen wieder Erde unter den Fingernägeln spüren, Grün sehen im Stadtgrau. Und so landet mit dem typischen Grazer Verschleppungseffekt der Großstadt-Trend des "Urban Gardening" von New York oder Berlin auch an der Mur. Seit heuer gibt es mitten im Uni-Viertel in der Zinzendorfgasse einen "kleinen Acker". Studierende der Katholischen Hochschulgemeinde haben neben der Leechkirche den gemeinschaftlichen Stadtnutzgarten "Allmende Leech" initiiert. Rouven Lipps, ein Bayer, der in Graz Umweltsystemwissenschaften studiert, hat diese Saat ausgelegt.

    Der "Acker" neben der Leechkirche blüht schon so richtig auf. Hier kann kommen, wer will, säen, was anderen Pflanzen nicht schadet, ernten, so viel er braucht (siehe links). Hochschulseelsorger Alois Kölbl ist vom Konzept angetan: "Die ersten Salatköpfe sind schon gegessen. Es hat sich bewährt, das hier als Open Space anzubieten. Obwohl jeder Zugang hat, gibt es keine Probleme". Der älteste Gemeinschaftsgarten in Graz wurde schon 27 Frühlinge hintereinander umgestochen: 1985 gründete Regina Huemer den Ökohof als Verein für naturnahen Gartenbau in Mariagrün: 2,5 Hektar, 50 Gärten, drei Pferde, viele Kinder - dazu Wildkräuter- oder Apfelsaftpresskurse. "Wir waren die Pioniere in Graz". Die Fangemeinde der Gurken-, Erd- und Blumenpflanzer wächst. Neben Jungfamilien säen auch Asylwerber am Ökohof aus.

    Gemeinsame Saat

    Völkerverbindend ist auch der Interkulturelle Landschaftsgarten mit 100 Personen aus zehn Nationen in Graz-West von Ulrike Dietschy. Wie ein Gemeinschaftsgarten funktionieren kann? "Es muss von unten entstehen", sagt Lisa Reck Burneo von Gartenpolylog, der Plattform für Gemeinschaftsgärten. Profiteure der neuen Lust auf Grün sind auch die Grazer Heimgartenvereine, erzählt der Präsident des steirischen Verbands, Walter Wusche: "Bis vor vier Jahren hatten die Grazer Vereine jede Menge Parzellen frei. Aber jetzt sind praktisch alle ausgebucht und brauchen Vormerklisten". Und der Andrang kommt nicht mehr aus der Generation 55 plus: "Es sind vor allem Jungfamilien, die hier ihre Freizeit verbringen oder eben auch Gemüse anbauen wollen".

    "An den Rand gedrängt"

    Die Entwicklung der letzten Jahre in Graz sieht Wusche skeptisch: "Man hat die Schrebergärten an den Rand der Stadt gedrängt, wo die Leute erst mit dem Auto hinfahren wollen. Dabei bräuchte es sie in direkter Nachbarschaft zu den Siedlungshäusern. Derzeit gebe es Nachfrage für 600 bis 1000 Parzellen, aber die Stadt hat keine Flächen mehr anzubieten. Es sei halt alles Bauland. In Hinblick auf Reininghaus fordert Wusche: "Man muss solche Anlagen dort einplanen, wo viele Menschen hinziehen".

    Mit ein wenig Neid blickt der Heimgartenverband auch nach Wien-Leopoldau. Denn die Kollegen dort verwalten auch das Projekt Öko-Ernteland: "Da geht es nur um Anbau von Gemüse oder Früchte, ohne Pools und Hütten. Die bieten den Wienern schon 250 Parzellen auf vier Hektar zur Bewirtschaftung an". Auch Gemeinschaftsgärten sind da dabei. Wusche findet das großartig: Unser Verband würde das sofort organisieren, gäbe es in Graz dafür noch einen Grund.

    BERND HECKE, JULIA SCHAFFERHOFER

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