Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
19. Mai 2013 03:25 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Wie viel ist uns der Tierschutz wert? Florian Pochlatko: "Dieser Preis gibt mir Mut" Voriger Artikel Aktuelle Artikel: G7 - Die Stadtzeitung Nächster Artikel Wie viel ist uns der Tierschutz wert? Florian Pochlatko: "Dieser Preis gibt mir Mut"
Zuletzt aktualisiert: 23.04.2012 um 11:39 UhrKommentare

herms FRITZ: "Was war, ist mir komplett wurscht"

Der Designmonat widmet dem Grazer Gestaltungsgenie, Lehrer, Dichter, Musiker und Original herms FRITZ eine Personale. Ein Gespräch über künstlerische Potenz, gutes (Selbst-)Design und sein Raum-Zeit-Kontinuum.

"Wann i amol mia hin vuakumm, höa zua, dann hau i mi do hin daham & woat bis muagn fruah"

Foto © Marija Kanizaj"Wann i amol mia hin vuakumm, höa zua, dann hau i mi do hin daham & woat bis muagn fruah"

herms FRITZ, wir stehen mitten in Ihrer Personale in der designHALLE. Wie geht's Ihnen, wenn Sie so auf Ihre überlebensgroß aufgehängten Werke aufschauen?

herms FRITZ: Ich habe mich ganz dasselbe gefragt. Wobei ich ein Mensch bin, der sowieso in einem Raum-Zeit-Kontinuum lebt. Ich habe von meinem Leben keine lineare Vorstellung. Fragt man mich nach einer Jahreszahl, muss ich nachdenken und manchmal fallen mir Frauen ein, mit denen ich zusammen war, und Autos. Dann kann ich es rekonstruieren.

Blicken Sie wehmütig zurück?

FRITZ: Ich habe das überhaupt nicht, diese Nostalgie. Es gibt kein wehmütiges Zurückblicken.

Auch nicht auf Frauen, Autos?

FRITZ: Na, das sind Tempi passati. Ich mag sie alle noch, die Frauen. Aber wenn etwas vorbei ist, ist es vorbei. Ich schaue nach vorne, das interessiert mich mehr. Menschen in meinem Alter hören oft mit Wehmut Musik aus den Siebzigern. Mir kommt das Kotzen. Ich kann das nicht mehr anhören.

Sie leben also in der Gegenwart?

FRITZ: Sehr. Man könnte sagen, ich bin ein epikureischer Mensch. Ich habe Spaß an dem, was ich im Augenblick empfinde. Was war, ist mir komplett wurscht.

Zurück zur Ausstellung: Wie wurden die Werke ausgewählt?

FRITZ: Ich wollte aktuelle Arbeiten zeigen. Ich möchte nicht nur auf die gamsbART-Plakate festgelegt werden. Mir ist es ganz wichtig, dass meine Werke nicht genau eingeordnet werden können. Was ich mache, soll so sperrig sein, dass die Leute nicht wissen, wo es hingehört: Kunst, Design, Plakat, Malerei?

Gibt es Arbeiten, die Sie lieber nicht zeigen wollten?

FRITZ: Es gibt nicht viele schwächere Arbeiten. Umberto Eco hat einmal provokanterweise gesagt: "Man kann keine Dauererektion haben." Die künstlerische Potenz ist Schwankungen unterworfen. Ich sehe in mir einen Menschen, der seine Kreativität nutzt wie ein anderer die Fähigkeit, Marathon zu laufen. Es ist ein Funktionstrieb. Man muss einfach schöpferisch sein.

Wann hat der Funktionstrieb bei Ihnen eingesetzt?

FRITZ: Der ist aus einem Konflikt in der Jugend heraus entstanden. Meine Eltern waren überzeugte Nazis. Ich hatte schon damals das Gefühl, dass ich für meine Eltern so etwas wie ein Käfer werde, wie bei Kafka.

Wurden Sie wirklich nach Hitlers Hausdirigenten benannt?

FRITZ: Ich heiße mit Taufnamen eigentlich Hermann, wie alle Männer in meiner Familie. Es gibt keine Person öffentlichen Lebens außer Herms Niel, der zum Beispiel "Erika" komponiert hat. (Fängt an zu singen:) "Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein ..."

Und die Groß- und Kleinschreibung Ihres Namens?

FRITZ: Das hat sich von selbst ergeben, weil mich immer alle mit "Herr Herms" angeredet oder geduzt haben und ich das nicht wollte.

Wie sieht Ihr Arbeitsprozess aus, was inspiriert Sie?

FRITZ: Wenn ich einen Auftrag bekomme, gehe ich meistens in die Stadt spazieren und denke mir die Lösung aus. Auslagen schauen, Geld vertrantscheln.

Wohin gehen Sie dann?

FRITZ: In letzter Zeit gerne zum Kastner, weil es so ein schönes Geschäft ist und man oben Champagner trinken kann. Das entspannt mich so.

Der Champagner?

FRITZ: Ja, auch Shoppen entspannt mich. Ich habe meinen Frauen immer Gewand mitgebracht. Mache ich jetzt noch. Es gibt diese Designaffinität zu Kleidung. Ich habe wenig Scheu vor dem Konsumidiotismus, weil es ein Umgang mit schönen Dingen ist.

Welches Label hat Ihre Brille?

FRITZ: Da muss ich erst einmal schauen, welche es ist. Ich hab' ja mehrere. Diese ist von Danilo Carraro, einem Brillendesigner aus Venedig. Von diesem Typus habe ich drei. Da kann ich variieren. Mit der Frisur kann ich nicht so viel machen; aber sowas geht noch.

Was ist für Sie gutes Design?

FRITZ: In einem "Falter"-Interview habe ich einmal gesagt: "Ich bin gutes Design." Ab einem bestimmten Alter ist man für seine Figur verantwortlich. Was man ist, wie man sich verhält, wie man sich anzieht, wie man spricht. Das ist eine Art Selbstdesign. Eine interessante Frage wäre, ob ich eitel bin.

Also gut: Sind Sie denn eigentlich eitel?

FRITZ: Der Witz ist, dass ich das nicht weiß. Ich kann nicht auseinanderhalten, was Eitelkeit und was schlechtes Design ist. Ich möchte kein Beispiel für schlechtes Design sein.

Und was ist schlechtes Design?

FRITZ: Gut oder schlecht, das ist mir auch nicht so wichtig. Ich bin kein Herrgott, der weiß, was gut oder böse ist. Das interessiert mich nicht so.

Wie benoten Sie dann eigentlich Ihre Studenten?

FRITZ: Ich sage von Anfang an, dass alle ein "Sehr gut" bekommen. Die Talentierten sind dann sehr unglücklich darüber, mit den Unbegabten in einen Topf geworfen zu werden. Uneigennützige Bosheit.

Was denken Sie über die City of Design?

FRITZ: Ich sehe das so wie viele andere Designer: Es wird auf unseren Beruf geachtet. Es wird in der Steiermark nur von wenigen verstanden, dass Design etwas vollkommen Alltägliches ist. Wer auf Design verzichten möchte, der überlässt die Welt dem Zufall.

Was in Graz ist gut designt?

FRITZ: Ich finde das Rondo toll und auch das Kunsthaus in Ordnung, obwohl es schwer bespielbar ist.

Und schlecht?

FRITZ: Das Hotel Europa. Das ist Augenkrebs. Abscheulich und langweilig. Die schlimmen Sachen in der Kunst sind die langweiligen.

NINA MÜLLER, JULIA SCHAFFERHOFER

G7 E-Paper

G7

Fitnesstrend: Boxen im Studio Yomo in Graz 

Fitnesstrend: Boxen im Studio Yomo in Graz



Events & Tickets

Marla Glen Tipp

Marla Glen

06.07.13 Kaindorf an der Sulm
Tickets bestellen


Seitenübersicht

Zum Seitenanfang