Wirte als Hüter der Demokratie
Eine Handvoll Grazer will den Stammtisch für den gehobenen politischen Diskurs zurückerobern. Fünf Gastronomen sind schon dabei.

Foto © Bernd HeckeIm demokratiefreundlichen Kaiserfeld: Lackner, Wabl, Schrempf
Der Stammtisch gilt als Hoheitsgebiet der Populisten, Hort gesunden Volksempfindens und des kleinen Mannes. Einige Aktivbürger wollen Grazer Wirts- und Kaffeehäuser jetzt für den gehobenen Diskurs zurückerobern. "Wir haben demokratiefreundliche Wirtshäuser ins Leben gerufen", erzählt Christian Wabl, der als Feinstaub-Kläger Schlagzeilen gemacht hat.
An seiner Seite hat er den Chef des Straßenkunstfestivals "La Strada", Werner Schrempf, und mit Rudi Lackner den ersten demokratiefreundlichen Cafétier der Stadt, der die Adelsplakette am "Kaiserfeld" schon angebracht hat. Schrempf über die Motivation: "Es gibt eine breite Bewegung von Occupy Wall Street bis zu den steirischen Protesten gegen die Reformen. Diese zeigen, dass Bürger unzufrieden sind und sich engagieren wollen." Dem trägt die Initiative Rechnung.
Was ist das Pflichtenheft für die Wirte? Wabl: "Sie sollen den politischen Diskurs in ihren Lokalen fördern und Gästen bei antidemokratischen Aussagen mit Argumenten entgegentreten." Und sie öffnen ihre Lokale für Diskussionsveranstaltungen. Nächster Pflichttermin im Kaiserfeld, so Wabl: "Am 25. Mai zeigen wir den Film ,Die Vertreibung der Intelligenz' über den Erfinder der Antibabypille Carl Djerassy, der in der Nazi-Zeit mit seiner Mutter von Wien in die USA auswandern musste." Der Wissenschaftler ist an diesem Abend mit dabei und steht danach für eine Diskussion zur Verfügung.
Features
Die Lokale
Demokratiefreundliche Wirts- und Kaffeehäuser erkennt man an der gleichlautenden Plakette (siehe Bild). Fünf Gastronomen sind schon mit dabei, weitere sind in Vorgesprächen. Die Lokale: Café Kaiserfeld, Kaffee Weitzer, das Tintenfass, das Sägewerk und das Peppone











