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Zuletzt aktualisiert: 25.12.2011 um 05:00 UhrKommentare

Mariella Rappold: "Ich bin kein Mannsweib"

Bei LUV und in der Nationalmannschaft im Mittelfeld, bei der Wahl zu den Grazern des Jahres ganz vorne: Mariella Rappold über das ärgerliche Schattendasein der Fußballerinnen.

Mariella Rappold wurde zur Grazerin des Jahres in der Kategorie "Sport" gekürt

Foto © MARIJA KANIZAJMariella Rappold wurde zur Grazerin des Jahres in der Kategorie "Sport" gekürt

Gratulation. Sie sind Grazerin des Jahres in der Rubrik Sport. Überrascht?

MARIELLA RAPPOLD: Ja! Und zwar schon zum zweiten Mal. Ich war schon bei der Nominierung verwundert. Dass ich jetzt sogar vor Mario Haas gewonnen habe, ist wirklich eine Ehre. Und eine coole Sache für den Damenfußball. Auch wenn es die Männer nicht zugeben werden, aber viele wird das sicher ärgern.

Dabei sind doch die österreichischen Fußballerinnen erfolgreicher als die Herren?

RAPPOLD: Naja, im Verein bei LUV lief es dieses Jahr nur mittelmäßig. Aber wir hoffen, im Cup weiterzukommen. Ein Riesenerfolg war das 1:0 in der EM Qualifikation gegen Portugal. Das war sogar eine kleine Notiz in den Medien. Man stelle sich vor, das österreichische Herrenteam würde gegen Portugal gewinnen, das wäre dann fast ein nationaler Feiertag.

Nervt es, wenn man immer im Schatten der Herren steht?

RAPPOLD: Tun wir jetzt ja nicht mehr (lacht). Ich bin ja vor dem Haas. Aber natürlich wäre es schön, mehr Beachtung zu bekommen. Der Vorteil: Die Männer müssen mediale Kritik einstecken. Das bleibt uns erspart.

Statt Kritik gibt es aber Vorurteile. Welches Vorurteil über Fußballerinnen können Sie nicht mehr hören?

RAPPOLD: Dass wir alle Mannsweiber sind und keinen Wert auf unser Äußeres legen. Ein absoluter Blödsinn.

Was Sie auch bei einem Shooting für das Sportmagazin bewiesen haben. Wie war's?

RAPPOLD: Total anstrengend. Das Shooting hat einen ganzen Tag gedauert mit Styling und allem Drum und Dran. Das war schlimmer als jedes Training.

Apropos anstrengend. Böse Zungen behaupten, dass Damenfußball gar kein richtiger Fußball ist. Noch so ein Vorurteil?

RAPPOLD: Ja. Wir trainieren gleich wie die Männer. Körperlich sind wir ihnen unterlegen. Aber das ist in jedem Sport so. Eine Tennismeisterin wird auch nie gegen einen Tennismeister gewinnen können. Aber man muss bei der Diskussion schon auch die Unterschiede im Männerfußball selbst sehen. Ein österreichisches Team verglichen mit einem spanischen Team - da liegen auch Welten dazwischen. Und doch ist beides Fußball.

Ein Faktum ist aber, dass es weniger Fußballerinnen als Fußballer gibt. Auf 159.101 gemeldete Fußballer kommen in Österreich 5434 Frauen. Wird der Frauenfußball zu wenig gefördert?

RAPPOLD: Ich denke, dass es sehr viele Mädchen gibt, die spielen. Man sieht das bei unserer U9 Mannschaft. Aber auch ich selbst bekam meinen ersten Spielerpass erst mit 15. Das Problem ist, dass Mädchenfußball noch nicht so stark professionalisiert ist.

Und wie schaut es speziell mit der Unterstützung in Graz aus?

RAPPOLD: Es wird immer viel darüber gesprochen, dass der Jugendsport stärker gefördert werden soll. Aber wenn man sich unseren Verbandsplatz anschaut. Wir haben nicht einmal einen Trainingsplatz. Bei den Kleinen müssen oft bis zu vier Mannschaften gemeinsam auf einem Platz trainieren. Ein Wahnsinn. Woran der Bau eines neuen Zentrums scheitert, weiß ich nicht genau. Aber das schaut für mich nicht wie Jugendförderung aus.

Und wie schaut es mit dem Damenfußball aus?

RAPPOLD: Das Problem ist, dass man als Frau vom Fußball nicht leben kann. Bei LUV sind wir hauptsächlich Schülerinnen und Studentinnen. Viele hören nach abgeschlossener Ausbildung mit dem Sport auf, weil die Trainings und Spiele bei Berufstätigkeit nicht mehr möglich sind. Vor Kurzem bin ich auch einmal gefragt worden, wie das mit der Familienplanung so ist. Kinder und Fußball, das gehe für eine Frau schließlich nicht zusammen.

Und? Wie ist es mit der Familienplanung?

RAPPOLD: Ich bin 24. Möchte kommendes Jahr mein Studium abschließen und dann sehen wir einmal weiter. Mein Freund und ich haben es da nicht eilig. Aber Tatsache ist, dass die Frauen vieler männlicher Fußballer zu Hause die Kindererziehung übernehmen, während diese selbst an ihrer sportlichen Karriere basteln können. Das ist für eine Frau schon komplizierter.

So viel zu privaten und beruflichen Plänen im Jahr 2012. Was wollen Sie sportlich erreichen?

RAPPOLD: Mit LUV in den Cup. Im Jänner beginnt das Mannschaftstraining. Und am 15. Februar haben wir das erste Aufbauspiel mit der Nationalmannschaft. Ab März beginnen dann die Qualifikationsspiele. Eine Teilnahme bei der EM 2013 in Schweden ist realistisch. Das wäre super!

HEIKE KRUSCH

Auf Augenhöhe

Name: Mariella Rappold (24)
Beruf: Studentin der Gesundheits- und Pflegewissenschaften (Schwerpunkt Management)
Sport: Spielt bei LUV Graz und im österreichischen Damenfußball-Nationalteam (derzeit um die Qualifikation für die EM 2013).

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