Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
21. Mai 2013 18:03 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Wie viel ist uns der Tierschutz wert? Florian Pochlatko: "Dieser Preis gibt mir Mut" Voriger Artikel Aktuelle Artikel: G7 - Die Stadtzeitung Nächster Artikel Wie viel ist uns der Tierschutz wert? Florian Pochlatko: "Dieser Preis gibt mir Mut"
Zuletzt aktualisiert: 04.12.2011 um 04:53 UhrKommentare

"Schmerzhaft wäre es, würden wir Pleite machen"

100 Jahre Grazer Kaffee- und Teegeschichte: Die Hornigs über den Verkauf ihrer Firma, den Sex von Illy und Clooney und ihr Leben am Grazer Gesellschaftsparkett.

Das Ehepaar Hornig blickt positiv in die Zukunft

Foto © M. KanizajDas Ehepaar Hornig blickt positiv in die Zukunft

Herr Konsul, Sie haben ein Jahr vor dem 100. Geburtstag Ihres Traditionsunternehmens 75 Prozent an die Hamburger Kaffeerösterfamilie Darboven verkauft, halten nur noch die Sperrminorität. Warum - und wie schmerzhaft ist der Schritt für Sie?

JOHANNES HORNIG: Wir leben in der Zeit der Globalisierung mit einer Verschärfung des Wettbewerbs. Der Entschluss, einen starken Partner hereinzuholen, ist schon länger gereift. Die Chemie mit Darboven stimmt, wir können Synergien nutzen und haben jetzt sehr gute Zukunftsperspektiven.

Aber Sie haben die Mehrheit Ihres Familienunternehmens abgegeben. Ganz ohne Wehmut?

JOHANNES HORNIG: Wir haben uns die Frage gestellt - auf Augenhöhe mit unseren Kunden, die unser Arbeitgeber und Kapitalverzinser sind - wie es weitergehen soll. Unter der Prämisse, dass unser Sohn Johannes, der sich sehr für unsere Firma interessiert, als Geschäftsführer übernehmen kann, haben wir das Zeitfenster genutzt, um mit Darboven handelseins zu werden. Was heißt schmerzhaft? Schmerzhaft wäre es, würden wir Pleite machen, der Standort infrage gestellt und die Arbeitsplätze verloren gehen. Aber das bleibt ja alles in Graz.

Ist Hornig zwischen Illy und Clooney unter Druck gekommen?

EDITH HORNIG: Da muss ich gleich protestieren ...

JOHANNES HORNIG: Nein, Sie haben schon recht. Es ist ein bisschen vergleichbar mit 2005, als wir den Lebensmittelhandel verkauft haben. Damals kam es in der Branche zur massiven Vergrößerung der Flächen. Die Zeit war reif dafür, damit aufzuhören.

Wie viele Filialen waren es da?

EDITH HORNIG: In Graz und einem Umkreis von 50 Kilometern zwölf. Schauen Sie, in der fast 100-jährigen Geschichte des Unternehmens Hornig hat es immer Auf und Abs gegeben. Als wir das Geschäft in der Sporgasse 1992 verkauft haben, haben auch alle gesagt: ,Wie könnt ihr nur das Stammhaus aufgeben'. Aber das hatte 90 Quadratmeter, da war einfach nicht mehr drinnen. Wir haben das Haus verkauft. Man muss immer das richtige Zeitfenster erwischen und es nützen.

In der Sporgasse hat alles begonnen?

JOHANNES HORNIG: Ja, hier hat mein Großvater als Lebensmittelhändler begonnen.

EDITH HORNIG: Und im ersten Stock war die Rösterei, hier hat auch die Kaffeegeschichte angefangen.

JOHANNES HORNIG: Das Kaffeearoma ist die Sporgasse hinuntergezogen.

Ist es so, dass eine Grazer Firma am globalisierten Markt allein keine Chance mehr hat?

EDITH HORNIG: Es stimmt, Nespresso und Illy haben sich irrsinnig gut und kultig positioniert. Aber es hat ja auch für uns etwas Gutes, dass Kaffee wieder so einen Stellenwert bekommen hat.

Verzeihen Sie die saloppe Formulierung, Illy und Nespresso haben deutlich mehr Sex als Hornig.

EDITH HORNIG: Das stimmt. Aber Hornig ist eine bodenständige und traditionsreiche Marke ...

JOHANNES HORNIG: ... und das hat ja einen enormen Wert ...

EDITH HORNIG: Da hilft es nichts, wenn wir Dinge tun, die Hornig keiner abnimmt. Bei uns heißt es eben Tradition und Innovation. Man muss Hornig weiterentwickeln, aber alles nachahmen, funktioniert nicht. Es geht um ein eigenständiges Profil. Und zur Konkurrenz: In Südösterreich im Lebensmittelhandel ist Hornig Spezial immer noch mit Abstand der meistverkaufte Kaffee.

Auch in Graz ist eine - im Vergleich deutlich kleinere Marke - im Kaffeegeschäft jung, urban und sexy unterwegs.

JOHANNES HORNIG: Sie meinen Tribeka? Ja, aber die Interpretation und Zubereitung von Kaffee für junge Leute ist auch bei uns im Unternehmen drin. Wir sind da keine Oldtimer.

Und wie gefällt Ihnen Tribeka?

JOHANNES HORNIG: Die waren in der Welt unterwegs, um sich viel anzuschauen und zu lernen und machen ihre Sache toll. Wir eifern ihnen auch ein wenig nach. Wie wir überhaupt Mitbewerber beobachten. Man muss ja bei Illy sagen, so wie er im Operncafé zubereitet wird, ist dieser Kaffee phänomenal. Wir haben die Konkurrenz bei uns am Gaumen, arbeiten aber ständig an unseren Produkten und unserem Profil.

Zum Profil des Ehepaars Hornig gehört der Ruf, dass Sie auf fast allen Events zu Gast sind. Was ist dafür die Motivation: Die Lust am Event oder ist das eher Teil des Business?

EDITH HORNIG: Also das glaube ich nicht, dass das so ist. Ich könnte mich nicht daran erinnern, dass ich in den letzten sechs, sieben Jahren einmal nach 24 Uhr nach Hause gekommen wäre.

Auf Society-Seiten der Grazer Medien sind Sie aber schon in der Kategorie Dauergäste zu finden.

JOHANNES HORNIG: Aber wir halten sicher nicht überall unsere Gesichter in die Kameras.

EDITH HORNIG: Es gibt natürlich viele Veranstaltungen, die mit Kaffee zu tun haben, wo wir auch sind. Und als Honorarkonsule, mein Mann für Finnland, ich für Sri Lanka, gibt es natürlich Verpflichtungen. Aber wir suchen das schon aus. Wenn an einem Abend gleich drei, vier Events sind, geh' ich nirgendwohin.

Was ist für Sie ein absoluter Society-Pflichttermin in Graz?

EDITH HORNIG: Wir sind - anders als viele skeptische Grazer - von Anfang an hinter der Opernredoute gestanden. Und das ist heute noch ein Abend, zu dem ich gerne hingehe. Sonst zieht es mich eher zu Premieren in der Oper und im Schauspielhaus, weil ich das wirklich genieße und wir ein Abo haben.

Im nächsten Jahr steht das 100-Jahr-Jubiläum von Hornig Kaffee an. Feiern Sie das trotz Verkauf?

JOHANNES HORNIG: Natürlich, da steht auch Darboven voll dahinter und mein Sohn ist ja Geschäftsführer, meine Frau kümmert sich weiter um die Teesparte und ich bin im Beirat. Das Jubiläum wird gefeiert und ich bin froh, dass das mein Vater, der 98 Jahre alt ist, auch noch erlebt.

EDITH HORNIG: Ich habe ihm erst kürzlich erzählt, dass nun sein Enkerl, Johannes IV., jetzt in der Firma ist. Da sind ihm Freudentränen heruntergeronnen.

BERND HECKE, ROBERT PREIS

G7 E-Paper

G7

Fitnesstrend: Boxen im Studio Yomo in Graz 

Fitnesstrend: Boxen im Studio Yomo in Graz



Events & Tickets

Die Lustige Witwe Tipp

Die Lustige Witwe

30.05.13 Stubenberg
Tickets bestellen


Seitenübersicht

Zum Seitenanfang