Zwischen Frisörin und Skeptiker
In seinem Kabarett, mit dem er auch in Deutschland durchstartet, spielt Gernot Haas 23 Rollen. Beruflich sind es nicht viel weniger.

Foto © Gernot EderGernot Haas abseits der Bühne
In Ihrem Kabarettprogramm "Esoderrisch", mit dem Sie kommenden Donnerstag zum letzten Mal in Graz gastieren, spielen Sie 23 Rollen von der Wahrsagerin bis zum Politiker. Wer von all denen ist Gernot Haas wirklich?
GERNOT HAAS: Der als 24. auf die Bühne kommt und sich für die anderen 23 verbeugt. Und privat? Da bin irgendwo zwischen der neugierigen Frisörin Vreni und dem Skeptiker. Auf jeden Fall ein Perfektionist, der gerne lacht. Und Leute gerne zum Lachen bringt.
Demnächst auch Deutsche, wenn Sie mit dem Programm auf Deutschlandtour gehen. Mussten Sie dafür etwas verändern?
HAAS: Ja. Statt Helmut Zilk, den kennt man außerhalb von Österreich ja nicht so, habe ich den deutschen Politiker Josef Strauß eingebaut. Und statt eines Zillertaler Bergbauern kommt der Rudolph Mooshammer.
Haben Sie schon einmal vor deutschem Publikum gespielt?
HAAS: Ich hatte oft Deutsche in meinem Publikum. Zum Beispiel meine jetzige Managerin, die auch Michael Mittermeier vertritt. Das war irgendwo in der tiefsten Steiermark in einem Turnsaal. Da gab es eine elendslange Begrüßung und als Höhepunkt des Abends wurde nicht ich, sondern die Würstel in der Pause angepriesen. Furchtbar! Aber sie hat mich dennoch unter Vertrag genommen.
Ihre Zukunft liegt jetzt also klar im Kabarett?
HAAS: Vor allem, aber nicht ausschließlich. Ich bin am 6. Dezember in einer Fernsehhauptrolle zu sehen. Als Hauptverdächtiger in "Mord à la Carte", einer Folge von Soko Donau.
Die erste Hauptrolle?
HAAS: Ja.
Wofür wurden Sie sonst bisher gecastet?
HAAS: Ganz unterschiedlich. Ich wurde bisher nicht auf einen bestimmten Typ festgelegt. Einmal spielte ich zum Beispiel den Pächter in einem Wettlokal. Beschreibung: Mitte 40, schmierige Erscheinung, unsympathisch, zwielichtiges Auftreten. Da habe ich mir schon gedacht: Muss ich mir jetzt Sorgen machen?
Aber Sie haben den Pächter dann doch gespielt?
HAAS: Ja sicher. Obwohl ich ein bisschen enttäuscht war. Ich bekam einen Maßanzug und sie verpassten mir weder Augenringe noch fettige Haare. Aber es hat dennoch Spaß gemacht, auch einmal in diese Rolle zu schlüpfen.
Und beruflich haben Sie sogar noch eine andere Rolle?
HAAS: Ja, die des Lehrers. Ich unterrichte an der Schauspielschule von Elfriede Ott in Wien.
Was unterrichten Sie dort?
HAAS: Akzente und Dialekte. Von Schwäbisch über Steirisch, von Bayrisch bis Griechisch. Viele davon kommen auch in meinem Programm vor.
Wie viele Sprachen oder Stimmen sprechen Sie?
HAAS: Mir fällt es leicht, viele Dialekte nachzuahmen. Englisch ist leider die einzige Fremdsprache, die ich perfekt sprechen kann. Französisch und Italienisch habe ich auch gelernt, hatte in der Schule aber leider keine inspirierenden Lehrer.
Apropos gelernt. Wo haben Sie Schauspielen gelernt?
HAAS: Stimmen imitiert habe ich schon in der Schule, zur Erheiterung meiner Klassenkollegen. Im TaO habe ich dann Theater gespielt, aber eigentlich lange in der Künstler-PR gearbeitet. Dort habe ich dann auch Elfriede Ott kennengelernt und ihr geholfen, die Schule aufzubauen. Ich wollte dort selbst zur Schule gehen, wurde aber zum Lehrer gemacht. Meine staatliche Schauspielprüfung legte ich allerdings erst zwei Wochen vor unseren Studenten ab. Also drei Jahre, nachdem ich zu unterrichten begonnen hatte.
Also haben Sie eigentlich eine Ausbildung im Bereich PR gemacht?
HAAS: Nein, auch nicht. Damit habe ich aus Interesse mit 14 Jahren neben der Schule angefangen. Nach der Schule habe ich Jus studiert. Aber nicht ganz fertig, obwohl ich sogar mal als Assistent am Institut angestellt war.
Werden Sie irgendwann fertig studieren?
HAAS: Vielleicht in der Pension. Weil ich nicht zigtausend Seiten Gesetzestexte umsonst gelernt haben möchte. Aber im Moment fehlt mir dafür die Zeit und auch die Lust.
Wie schaut es bei dem Terminplan eigentlich mit dem Privatleben aus?
HAAS: Eng. Aber trotzdem ist mir mein Privatleben total wichtig. Ich bin nicht der große Fortgeher. Ich gehe lieber ins Kino oder sitze zu Hause mit Freunden zusammen.
Und wo ist Ihr Zuhause?
HAAS: Meine Wohnung habe ich in Wien, bin aber die Hälfte der Zeit in Graz. Da bin ich dann bei meiner Freundin oder meinen Eltern. Zwei Wohnungen würden sich finanziell nicht ausgehen. Und Kontakt zu Freunden pflege ich dann auch beim Pendeln, beim Telefonieren. Ich telefoniere viel zu viel. Das sollte ich reduzieren.
Weitere Ziele für die nahe oder ferne Zukunft?
HAAS: Ich würde gerne ein originelles Comedy-Format im Fernsehen machen. Und vor richtig großem Publikum spielen.
Also Stadien füllen, wie Mario Barth?
HAAS: Da hätt ich nix dagegen. Aber mit lustigen Figuren und niveauvollen Pointen, nicht mit sexistischen Witzen. Deutschland ist auf jeden Fall eine Chance. Es geht auch in Österreich vieles leichter, wenn man Deutschland bereits einen Namen hat.
Features
Auf Augenhöhe
Gernot Haas wurde 1978 in Graz geboren, besuchte das akademische Gymnasium in Graz und machte beim TaO seine ersten Schauspielerfahrungen. Am 10. November ist er mit seinem Soloprogramm "Esoderrisch" zum letzten Mal in Graz.










