"Wehrt euch!"
Der 92-jährige Grazer Otto Pirzl kämpft für Internet im Altersheim und fordert die Alten auf, sich Gehör zu verschaffen.
Wenn Otto Pirzl wettert, "Die Alten müssen endlich wieder aufstehen, sich noch einmal melden", dann zittern die Wände von der Empörung, die im Timbre seiner Stimme liegt. Dieselben Wände halten seinen Ruf aber auch zurück. Wie es der 92-jährige Ex-Schuldirektor dennoch schafft, sich aus dem städtischen Altersheim in der Theodor-Körner-Straße heraus Gehör zu verschaffen, davon erzählt diese Geschichte.
Otto Pirzl war Lehrer in vielen Schulen zwischen Tragöß und Graz, war Direktor der VS Murfeld, gilt als Pionier des Informatikunterrichts in der Steiermark und setzt sich seit 30 Jahren für den Europa-Gedanken ein. Als Pensionist beendete er sein Jus-Studium mit dem Master. Alles Leistungen, für die er zigmal gewürdigt wurde. Dennoch lachte der Mann erst diese Woche das erste Mal seit langer Zeit. "Ich habe eine Gerichtsverhandlung gewonnen und bin wieder frei. Weil man mir Demenz und Alzheimer nachsagte, wurde mir ein Sachwalter beigestellt. Sogar meine Homepage haben sie mir abgedreht." Das Internet, seit Jahren sein wichtigstes Sprachrohr in die Außenwelt.
Leben im Netz
Er wehrte sich, "vor allem gegen das Sozialamt, das mir stets bürokratische Hürden in den Weg legte". Und er hat gewonnen. Auch seine Homepage ist mittlerweile wieder verfügbar - wenn auch nur mit provisorischer Verlinkung.
"Was mich ärgert, ist", sagt er, "dass wir Alten alle in einen Topf geworfen werden. Ich bin hier, weil ich wegen meines Parkinsons kaum noch die Maus halten kann. Aber ich kann im Kopf Kubikzahlen rechnen. Ich arbeite täglich sechs Stunden im Netz. Ich bin voll da, und ich weiß, dass im letzten Jahr vier Menschen in meinem Gang gestorben sind. Wissen Sie, wie schwer es da ist, weiter zu machen?"
Doch er kämpft. Pirzl will nun seinen Mitbewohnern das Internet schmackhaft machen. "Ich kommuniziere mit meiner Familie, die in London, Spanien und Frankreich lebt." Im Altersheim hätten von den 100 Bewohnern noch etwa zehn Leute ebenso die Fähigkeit, mit ihren Verwandten zu kommunizieren. Er würde es ihnen gerne beibringen.
Allein, es gibt Widerstand. Im Sozialamt unterstütze niemand sein Angebot. "Es gibt aber Leute, so wie mich, die noch etwas beitragen können in dieser Welt. Deshalb mein Aufruf an all die Alten: Wehrt euch! Meldet euch!" Was Stephane Hessel mit seinem "Empört Euch!" macht, setzt Otto Pirzl also auch in Graz in die Tat um.










