Das harte Geschäft mit dem Tod
Jedes Jahr sterben in etwa 2400 Menschen in der steirischen Hauptstadt - doch noch nie gab es so viele Bestatter. Warum der Ex-Monopolist, die Holding Graz Bestattung, trotzdem frohlockt.

Foto © Gernot EderGregor Zaki, Holding Graz Bestattung
Es war eine der prominenteren Pleiten 2010. Das private Bestattungsunternehmen Pax, das von Kärnten ausgehend das Monopol aufbrach und nach dem Grazer auch den Wiener Markt bearbeitete, musste mit einer Überschuldung von 5,8 Millionen Euro Konkurs anmelden. Doch wer gedacht hätte, damit wäre das Ende der Privaten eingeläutet, hat sich getäuscht. Ein Jahr später ist nicht nur die von den Klagenfurter und Villacher Stadtwerken übernommene Firma Pax in Graz weiter umtriebig. Mit fünf Bestattungsunternehmen in der Stadt ist das Geschäft mit dem Tod umkämpft wie nie.
Sterberate
Immer mehr Unternehmen bearbeiten einen Markt, dessen Kundenpotenzial nicht größer wird. In Graz gibt es im Schnitt pro Jahr rund 2400 Sterbefälle. "Ja, es ist ein harter Verdrängungswettbewerb im Gange, mehr Anbieter verträgt die Stadt nicht mehr", meint Ewald Wolf, der mit seinem Bestattungsunternehmen Wolf von Kalsdorf seit 2009 schon zwei Filialen in Graz eröffnet hat.
In die Urne
66 Prozent aller Bestattungen in Graz sind laut Holding Graz bereits Feuerbestattungen.
Trotz der vielen Mitbewerber hat der einstige Monopolist, die "Holding Graz Bestattung" bei den Marktanteilen die Nase sogar deutlicher vorne als noch vor zwei Jahren. Direktor Gregor Zaki gibt zu, dass er das nicht zuletzt der Pax-Pleite verdankt. Seit dem Konkurs und der Übernahme durch die Klagenfurter Bestattung sei der Marktauftritt von Pax weniger offensiv und preislich nicht mehr so aggressiv. "Von den 2400 Sterbefällen in Graz erledigen wir rund 2000 Bestattungen", reklamiert Zaki jetzt einen Marktanteil von "83 Prozent für die Holding Graz Bestattung". Ein Wert, den alle Mitbewerber allerdings kräftig anzweifeln.
Plus
Dennoch darf der Branchenprimus frohlocken. Schrieb man wegen der neuen Konkurrenz ab 2001, so mancher Altlast und unrentablen Filialen in steirischen Bezirken seit Jahren rote Zahlen, erwartet man heuer erstmals wieder ein deutlich positives Betriebsergebnis von 160.000 Euro. Auch weil man Auswärtsfilialen abgegeben hat.
Der Verdrängungswettbewerb dürfte noch härter werden, glaubt Roman Wurzer, der mit seiner Alpha-Bestattung seit 2002 in Graz am Markt ist: "Es werden neue hereindrängen und einige gehen", ist er überzeugt, dass es bald Opfer geben wird.
Mit im harten Geschäft mit dem Tod bleibt jedenfalls Pax. Auch wenn man heuer die zentrale Filiale in der Grazbachgasse schließen musste, hält man beim Zentralfriedhof die Stellung, betont Filialleiter Christian Nesitka. Und seit dem Frühjahr kämpft auch Rainer Zsifkovits' Bestattung Pius um Marktanteile. Der Wettbewerb schlägt sich natürlich bei den Preisen nieder ...
Features
Die Trends
Menschen wollen ihre Asche ins Meer verstreuen oder in Diamanten pressen lassen. Aber sind diese Trends wirklich das große Geschäft? Die Holding Graz Bestattung verneint das und gibt einen Überblick:
Die Zahlen: Von den rund 2000 Bestattungen, die die Holding Graz im Jahr 2010 vorgenommen hat, waren zwei Seebestattungen (Beisetzung von Urnen, die sich auflösen, in der Adria), sechs Mal ließen Hinterbliebene die Asche in der Schweiz zu Diamanten pressen.
"Anonymere" Bestattung: Urnenbeisetzungen im Baum- und Rasenfeld am Urnenfriedhof (ohne Grabstein) sind seit Eröffnung im April schon zehn Mal gewählt worden.










