Müller-Interview: "Jetzt kämpfe ich gegen die Blockierer"
SPÖ-Chef Edmund Müller denkt nicht ans Aufgeben: Er nimmt die Bremser in der Partei ins Visier. Am Montag will er im Vorstand den Teamgeist der Genossen beschwören.

Foto © Gernot Eder
Die Vorstandssitzung sei Ihre letzte Chance, heißt es in der Grazer SPÖ. Wie wollen Sie die Partei dort wieder für sich gewinnen?
EDMUND MÜLLER: Sie müssen die Frage umdrehen: Für mich ist es nicht die letzte Chance, aber schauen Sie sich die Grazer SPÖ an! Die jahrelangen internen Differenzen haben echte Spuren hinterlassen. Wollen wir die SPÖ wieder wählbar machen, müssen wir endlich als Team auftreten.
Dennoch hat man das Gefühl, dass Sie als Stadtparteichef ziemlich einsam sind. Haben Sie genug Verbündete, um die Sitzung politisch zu überleben?
MÜLLER: Ich glaube schon. Die Vorstandssitzung morgen ist aber keine Vertrauensabstimmung. Es geht um die Strategie für die Partei, die ich vorstelle; darum, dass sich die Zeiten geändert haben: Früher haben wir an Leute Kuchen verteilt in Form von Wohnungen oder Jobs, aber diesen Kuchen gibt es nicht mehr. Die Leute, die aus diesem System kommen, stehen beim Veränderungsprozess auf der Bremse. Jetzt kämpfe ich gegen die Blockierer in meiner Partei!
Wer sind denn die Blockierer?
MÜLLER: Da werden Sie von mir keine Namen hören, aber es werden sich einige betroffen fühlen. Ich werde jedenfalls nicht bei leichtem Gegenwind umfallen.
So schwach scheint der Wind nicht zu sein. Fühlen Sie sich in der Grazer SPÖ noch erwünscht?
MÜLLER: Ich bin bestellt, ich bin gewählt und ich bin gewohnt, meine Aufgabe zu erfüllen. Handtuchwerfen gibt es bei mir nicht, aber um jeden Preis bleibe ich auch nicht am Sessel kleben. Ich habe mich für den Neustart der SPÖ Graz zur Verfügung gestellt - ich hätte auch ganz ruhig auf meinem Platz bei Joanneum Research bleiben können.
Ihr Klubchef Karl-Heinz Herper hat für morgen den "Tag der Entscheidung" ausgerufen und eine "offene Aussprache" gefordert.
MÜLLER: Wenn ein Klubobmann sich so öffentlich äußert, ist das für den Parteivorsitzenden Anlass, ein ernstes Wort mit ihm zu reden - das sage ich in aller Deutlichkeit.
Was, wenn Ihre Strategie im Vorstand keinen Anklang findet?
MÜLLER: An dem Spiel "Was wäre, wenn?" beteilige ich mich nicht, aber ich bin auf alle Eventualitäten vorbereitet.
Wann wäre der Punkt erreicht, wo Sie sagen: "Jetzt reicht es"?
MÜLLER: Wenn ich gesundheitliche Probleme durch meine Aufgabe bekommen würde.
Die Kritik aus der Partei betrifft vor allem die interne Kommunikation: Viele Funktionäre fühlen sich schlicht nicht eingebunden.
MÜLLER: In der Vorstandssitzung am 28. März habe ich alle eingeladen und aufgefordert, Inhalte zu liefern. Einige haben das gemacht, denen bin ich dankbar, und das habe ich auch angenommen. Und es hat jene gegeben, die nur als Zurufer agiert haben und sich unverstanden fühlen. Das ist ein Grundsatzproblem der SPÖ: Diese ganzen Gremien verstehen sich nicht als Arbeitsgremien; die Leute, die dort drinnen sitzen, wollen nur beschließen, was ich ihnen vorlege - das stelle ich mir nicht unter Teamarbeit vor.
Die jüngste Umfrage weist der SPÖ nur 16 Prozent aus, ihre persönlichen Werte sind sogar noch schlechter: kaum positiver Zuspruch, die meisten haben überhaupt keine Meinung zu Ihnen - das ist für einen Parteichef ja eine Katastrophe.
MÜLLER: Ja, die Situation ist dramatisch, aber ich sehe die Krise auch als Chance. Und ich habe auch schon gelernt und setze verstärkt auf Bürgerkontakte.
Wollen Sie eigentlich immer noch Bürgermeister werden?
MÜLLER: Ja, natürlich.
Ist das wirklich realistisch? In der Umfrage würden Sie nur vier Prozent direkt zum Stadtchef wählen. Altbürgermeister Alfred Stingl meint, ein Ergebnis über 20 Prozent wäre schon ein Erfolg ...
MÜLLER: Aber man muss ja ein Ziel formulieren, sonst brauche ich nicht antreten. Im Weltcup geht auch keiner an den Start, um 87. zu werden. Ein Ziel haben bedeutet, in eine Richtung zu ziehen.
Und wie wollen Sie die SPÖ diesem Ziel näherbringen?
MÜLLER: Mit der Strategie, die ich morgen vorlege. Ich vertraue auch auf die Hilfe von Franz Voves, dass er die Grazer Partei nicht im Stich lässt, dass er Inputs gibt, dass wir die Kräfte bündeln.
Jener Franz Voves, der Sie im Sommer öffentlich kritisiert hat?
MÜLLER: Ich habe mit ihm eine Aussprache gehabt und bin überzeugt, dass seine Strahlkraft auch für Graz günstig ist. Auch die Achse zum Bund und zu Bundeskanzler Werner Faymann werde ich stärker forcieren. Und wir werden uns intensiver mit Schwarz-Grün beschäftigen, die immer wieder gegen die Interessen der Bürger agieren.










