Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 24. April 2014 18:28 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Wie viel ist uns der Tierschutz wert? Florian Pochlatko: "Dieser Preis gibt mir Mut" Voriger Artikel Aktuelle Artikel: G7 - Die Stadtzeitung Nächster Artikel Wie viel ist uns der Tierschutz wert? Florian Pochlatko: "Dieser Preis gibt mir Mut"
    Zuletzt aktualisiert: 19.09.2011 um 13:54 UhrKommentare

    ORF-Landesdirektor Draxler:"Da habe ich Westenthaler rausgeworfen"

    Der wiederbestellte steirische ORF-Landesdirektor Gerhard Draxler über seine Karriere und den Einfluss der Politik.

    Wiederbestellt: Draxler bleibt ORF-Landeschef bis 2016

    Foto © KanizajWiederbestellt: Draxler bleibt ORF-Landeschef bis 2016

    Wann haben Sie vom Landeshauptmann erfahren, dass Sie als steirischer ORF-Landesdirektor wiederbestellt werden?

    GERHARD DRAXLER: Vom Landeshauptmann gar nicht. Es gilt in der Steiermark, was im Rundfunkgesetz steht. Das Land hat nur ein Anhörungsrecht, kann sich den Intendanten nicht aussuchen. Das hat in der Steiermark noch nie so gegolten wie diesmal.

    Früher bestellte sich der Landeshauptmann also seinen Wunsch-Intendanten fürs Landesstudio?

    DRAXLER: Auch für meine erste Bestellung galt, was ich gerade gesagt habe. Aber Chronisten wissen, die ÖVP hat in der Landesregierung damals gegen mich gestimmt. Obwohl es ja kein Stimmrecht gibt. Die Abstimmung war eine demokratiepolitische Fleißaufgabe des Landeshauptmannes, weil er wusste, dass er in der Regierung eine Mehrheit hat. Noch einmal: Der ORF hat in der Steiermark noch nie so frei arbeiten können wie jetzt.

    Das heißt, es ruft nie jemand an, um sich zu beschweren?

    DRAXLER: Es gibt keinen parteipolitischen Einfluss. Es ist ein sehr entspanntes Verhältnis. Die Zeiten, da Parteisekretäre mit groß angelegten Strategien und Pressionen gegen den ORF gearbeitet haben, sind vorbei. Wir hören nie den Vorwurf, Rot- oder Schwarzfunk zu sein. Das mag mit der Reformpartnerschaft zu tun haben. Übrigens nach meiner Wahl zum Landesdirektor haben mich gestern beide angerufen, Franz Voves und Hermann Schützenhöfer. Sie haben in verbindlichem Ton gesagt, es war ja immer klar, dass der Generaldirektor mich vorschlagen wird und alle für mich sind.

    Das heißt, Reformpartner üben sich in positiver Intervention?

    DRAXLER: (lacht) Ja, positive Intervention am Handy.

    Die Kür des Teams von ORF-General Alexander Wrabetz erweckte aber den Eindruck, alles ist ein parteipolitisch geschnürtes Paket. Der Kärntner Landeshauptmann hat ja diese Woche schon vorab gesagt, er habe sich seine Landesdirektorin ausgesucht.

    DRAXLER: Das ist richtig. Die Optik ist schief. Das macht man nicht, dass man sagt, es war vorher alles ausgepackelt, auch wenn es so wäre. Aber es ist richtig, dass es bei der Besetzung von Schlüsselpositionen vorher einen demokratischen Entscheidungsfindungsprozess braucht, um zu klären, wer am besten geeignet ist.

    Sie waren Kärntner ORF-Landesdirektor unter Jörg Haider von der FPÖ, Informationsdirektor in Wien unter Wolfgang Schüssel von der ÖVP und sind steirischer Landesdirektor unter dem roten Voves. Wie flexibel muss man politisch für diese Karriere sein?

    DRAXLER: Das Farbenspiel wird noch bunter. Zuerst nach Kärnten geholt hat mich ja Christof Zernatto von der ÖVP. Erst dann ist der Haider gekommen. Aber bei Ihrer Formulierung "politische Flexibilität" schwingt ein journalistischer Unterton mit, der mir nicht gefällt. Man hat mich immer geholt, weil es geheißen hat, der kann etwas.

    Wie war das in Klagenfurt und Wien mit dem politischen Terror der Haider-Politik?

    DRAXLER: Gefährlich war immer nur das Umfeld Haiders, die Sekretäre, die verbalen Terror gemacht haben und das Landesstudio übernehmen wollten. Das galt es abzuwehren.

    Und in Wien unter Schwarz-Blau?

    DRAXLER: Ich muss ja heute keinem mehr etwas beweisen und die Dinge besser darstellen, als sie damals waren. Also es gab da einen Spruch von Haider. Er hat gesagt: Ein guter Roter, mit dem man reden kann, ist ihm lieber als ein Blauer. Damals hat schon ein anderer mit seinen Kameraden gefeiert, dass er Informationsdirektor wird. Geworden bin es dann aber ich. Mit mir hat keiner gerechnet, ich war ein Fehler im schwarz-blauen System.

    Gab es Dankbarkeiten abzudienen?

    DRAXLER: Also am dritten Tag nach meinem Amtsantritt ist FPÖ-Klubchef Peter Westenthaler zu mir ins Büro gekommen. Das war am Höhepunkt der Macht der Blauen. Er hat die Tür zugemacht und mir anhand einer Liste gesagt, was ich zu tun habe, wann er wo auftreten will. Und er hatte eine Liste von Namen dabei, die vorzukommen hätten. Der Ton ist immer härter und lauter geworden, bis er geschrien hat. Ich habe ihn dann rausgeworfen, dabei ist mein zweiter Vorname ja Konzilianz. So etwas habe ich zum ersten Mal in meinem Leben gemacht. Obwohl mich damals die Medien als Haider-Vasall gehandelt haben.

    Also sind Sie politisch so flexibel, dass Sie überparteilich sind, oder sind Sie doch der "gute Rote"?

    DRAXLER: Ich hab' kein Parteibuch.

    Aber wer am Bahnhofsplatz 1 in Knittelfeld aufgewachsen ist ...

    DRAXLER: ... ist natürlich absoluter Eisenbahner-Adel. Aber ich habe dem Hermann Schützenhöfer schon bei meinem Antrittsbesuch gesagt: Nur weil er am Bauernhof groß geworden ist und ich am Bahnhofsplatz, müssen wir nicht auf alle Zeiten schwarz oder rot sein. Er hat eine Parteikarriere gemacht, aber ich habe eine journalistische Karriere gemacht und bemühe mich um größtmögliche Äquidistanz. Was ich privat denke, was ich wähle, ist eine andere Sache, die ich aber nie vor mir hergetragen habe.

    Sie haben eine lange ORF-Karriere hinter sich. Was wollten Sie als kleiner Bub werden?

    DRAXLER: Die Eisenbahnerlaufbahn war mir vorgezeichnet. Aber ich wollte eigentlich Arzt und Lehrer werden.

    Die Karriere mit vielen Ortswechseln, war das für Sie und Ihre Familie nie ein Thema, einmal nicht ein Haus weiterziehen zu müssen?

    DRAXLER: Meine Frau ist Hongkong-Chinesin und kommt aus einer anderen Kultur. Sie ist in Hongkong aufgewachsen, in Malaysia und Kuala Lumpur gewesen und in Australien zur Schule gegangen. Sie ist es nicht gewöhnt, dass man - wie wir oft in Österreich - von der Wiege bis zur Bahre an einem Ort bleibt.

    Klagenfurt, Wien, Graz, wo ist es am besten?

    DRAXLER: Da lege ich mich nicht fest. Es hat überall tolle Seiten gegeben. Und ich will die Grenzen nicht so eng ziehen. Ich genieße es, hier in der Steiermark zu leben - in der Nähe von Norditalien, Slowenien und Westungarn, einer der lebenswertesten und kulinarisch tollsten Gegenden.

    UTE BAUMHACKL, BERND HECKE

    Zur Person

    Gerhard Draxler (58) , geboren in Knittelfeld, studierte Sport und Anglistik. Er ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Er war Intendant des Kärntner Landesstudios und ORF-Informationsdirektor in Wien. Seit 2007 ist er steirischer ORF-Landesdirektor und wurde diese Woche bis 2016 wiederbestellt.

    Mehr G7 - Die Stadtzeitung

    Mehr aus dem Web

      G7 E-Paper

      G7

      Fitnesstrend: Boxen im Studio Yomo in Graz 

      Fitnesstrend: Boxen im Studio Yomo in Graz



      Events & Tickets

      Kaiser Franz Josef Tipp

      Kaiser Franz Josef

      09.05.14 Judenburg
      Tickets bestellen


      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang