Nach Ladenschluss
Leere Verkaufsflächen und "Zu vermieten"-Schilder an Top-Adressen. Ein Stadtbummel durch die Grazer Innenstadt mit Ursachenforschung.

Foto © Sabine HoffmannHugo Boss in der Herrengasse 21 macht auch schon Abverkauf vor der Schließung
Sale heißt es noch weiß auf rot bei Hugo Boss in der Herrengasse. Aber Hugo ist schon eine Zeit lang weg aus der Grazer Innenstadt. Genau wie das Büroartikelgeschäft Schediwy's Käthe nebenan, das seine Pforten bereits am 30. Juli geschlossen hat. Auch in der Jungferngasse, wenige Meter weiter, sieht's farblos aus. Bei Phönix, wo vor Kurzem noch stylish bunte Sneakers den Kunden lockten, herrscht heute gähnende Leere. Gegenüber beim ehemaligen Caffe Murano ebenfalls. Nach Ladenschluss in Graz.
Eine Situation, die Wolfgang Sauer gut kennt. Er ist selbst Ladenbesitzer ("Feinkost Sauer" in Waltendorf) und Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer. "Es ist halt so, dass es bei den sogenannten Top-Lagen oft Probleme gibt. Aber ich bin provokant und sage: An vielen Problemen sind die Unternehmer selbst schuld." Die Alteingesessenen seien zu wenig beweglich, "da halten einige nicht Schritt mit Kunden-Wünschen".
Graz, Stadt der unflexiblen Geschäftsleute? Nein. "Es gibt auch Fehlentwicklungen und unternehmerfeindliche Haltungen, wie der Mangel an Parkplätzen in der Innenstadt. Das Jakominiviertel ist so ein Beispiel."
Urbane Utopien
Summa summarum sei die Situation aber nicht übertrieben dramatisch. Es herrsche ein Kommen und Gehen. "Der Branchenmix verändert sich." Ideen für die Zukunft hat Sauer auch: "Wir überlegen, eine bessere Lobby für die Innenstadt zu schaffen. Da gibt's das Projekt Netzwerk Stadt, das schon in Orten wie Bad Radkersburg oder Mureck geplant wird. Es geht um einheitliche Öffnungszeiten und ein Gemeinschaftsdenken wie in einem Shoppingcenter." Sauers zweite Vision ist weitaus spektakulärer: "Ich kann mir vorstellen, die Herrengasse zumindest teilweise zu überdachen. Das würde den Kunden das Einkaufen erleichtern."
City-Manager Heimo Maieritsch tut diese Idee als Utopie und "nicht realisierbar" ab. Für ihn seien die Top-Lagen auch weniger das Problem: "Die größte Herausforderung ist die Annenstraße. Generell aber entwickelt sich Graz gut. Wir sind stabil, ganz im Gegensatz zu anderen Landeshauptstädten." Und er lobt den Kampfgeist der Geschäftsleute. "Die Murgasse startet am 9. September mit dem Murgassen-Schauen eine Kundenoffensive. Folgen könnten nun die Schmiedgasse, die Sackstraße und die Sporgasse."
Niveau sinkt?
Franz Assmann werden diese Initiativen nicht mehr helfen. Er bediente bis Mai mit dem Platzhirsch in der Enge Gasse exklusive Geschmäcker. Nun sucht er sein Glück im Online-Geschäft: "Ich will auf kein Ladenlokal mehr angewiesen sein, in dem ich von zehn bis 18 Uhr stehen muss." Für die leer stehenden Geschäftslokale hat der Unternehmer eine Erklärung. "Es sind die großen Ketten. In Graz kann man eben nur mehr mit Ramsch Geld verdienen. Das Niveau sinkt."
Den Gegenbeweis will nun aber Knilli ab nächster Woche antreten. Mit einem neuen Damen-Shop. Im Sortiment: internationale Designermode.
Ein Kommen und Gehen eben.










