Paten und Partner
Sie sind jung und fremd in Graz: Zwei Integrationsprojekte, die Einheimische und Zugewanderte zusammenbringen. Und zwei Geschichten dazu.

Foto © KanizajOtto Joachim Simon ist Pate des 19-jährigen Schülers Muhamed aus Somalien
Sie trennen fast 30 Jahre. "Fußball und Playstation spielt er also mit anderen", sagt Otto Joachim Simon über sich und Muhamed Bashiir, seinen Paten. Muhamed ist 19, erlebte den Krieg in Somalia und strandete vor eineinhalb Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling zuerst in Traiskirchen und dann in Graz. Er kannte "eigentlich niemanden", erzählt er. Fremd in einem fremden Land. Und allein.
Bis der 47-jährige Controller Simon in sein Leben trat und im Zuge des Projekts "Connecting People" des Vereins Zebra eine Patenschaft einging. Heute gibt es kaum mehr Kontakt zu Zebra. Und das ist gut so. Denn ihre Patenschaft hat sich verselbstständigt und ist in den Alltag integriert. Sie sehen einander ein- bis zweimal pro Woche, gehen essen, "organisieren in erster Linie Dinge" wie Beratungsgespräche oder andere Amtswege.
"Für mich steht die Integration im Vordergrund. Ich versuche, ihn in Kontakt mit anderen Österreichern zu bringen", erzählt Simon. In letzter Zeit haben sie sich öfter gesehen: negativer Aufenthaltsbescheid, Berufung, der Wunsch, aus dem Heim aus- und in eine WG einzuziehen.
"Es ist gut, dass ich in die Schule gehen kann, aber nicht gut, dass ich nicht arbeiten darf." Ab Herbst besucht er die HAK-Abendschule. Das Ziel: BWL studieren. An der Uni inskribieren darf er vorerst nicht.
Das Tandem-Prinzip
Simon ist einer von 44 Paten, die derzeit 35 junge Burschen begleiten. "Wer sich auf eine Patenschaft einlässt, bekommt an sechs Abenden einen Einblick in den fremdenrechtlichen Hintergrund und Infos zu posttraumatischen Belastungen", so Koordinatorin Claudia Maczkiewicz. Bislang haben 72 Paten Zöglinge betreut. Für Herbst werden noch Paten gesucht.
Beide sagen, sie haben mit dem anderen Glück gehabt. "Ich habe auch sehr viel von ihm gelernt", sagt Simon. Zum Beispiel, dass man in Somalia Spaghetti mit Bananen isst. Lachen.
Beim Verein Omega hat man vor einem Jahr ein Tandem-Prinzip von und für Jugendliche initiiert, für Herbst sucht man noch Österreicher zwischen 16 und 25 Jahren, die freitags mit den jungen Migranten (asylberechtigt, subsidiärer Schutz) Zeit verbringen, mit ihnen zum Beispiel Kinobesuche oder Ausflüge unternehmen.
Das Projekt dauert ein halbes Jahr und die Asylwerber erhalten unter der Woche Deutschkurse. "In der Gruppe können sie diese dann gleich in der Praxis anwenden", sagt Elke Hecher vom Verein Omega. Neben Freundschaften gedeiht dort auch Liebe: Tamara Reinhart und Mohammed Rez Gholam (beide 17) sind seitdem ein Paar. "Ich wollte neue Leute kennenlernen", erzählt Reinhart. Mission "Vom Paten zum Partner" geglückt.










