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Zuletzt aktualisiert: 27.06.2011 um 10:10 UhrKommentare

"Ich will von der Musik leben"

Mit der Band UR füllte er in den 1990ern in Graz die Konzertsäle, dann verschwand er in der Versenkung. Jetzt will Hannes Hager mit einem Solo-Programm noch einmal durchstarten.

Nach vielen Umwegen gibt im Leben des einstigen UR-Frontmannes Hannes Hager wieder die Musik den Ton an

Foto © Jürgen FuchsNach vielen Umwegen gibt im Leben des einstigen UR-Frontmannes Hannes Hager wieder die Musik den Ton an

CD-Präsentation

Hannes Hager präsentiert seine neue Single Family und sein komplettes Solo-Programm am 1. Juli live im iKU (Kunsthaus Graz). Beginn: 20 Uhr, 5 Euro Eintritt

Die fünfköpfige Grazer Band UR brachte es Mitte der 1990er zu regionaler Berühmtheit, war im Airplay auf Ö3 und in Verhandlungen mit einer Plattenfirma knapp vor dem großen Durchbruch. Doch es kam alles anders. Im Jahr 2000 trennten sich UR und Hannes Hager verschwand von der Bildfläche, hängte die Gitarre an den Nagel und schlug sich in den letzten Jahren mit unzähligen Jobs durch. Nächste Woche kehrt der 39-jährige Grazer mit der Präsentation seiner neuen Solo-Single "Family" im iKu auf die Bühne zurück (Termin-Tipp rechts oben), um durchzustarten. G7 traf ihn im Grazer Café Kawango in der Mariahilferstraße zum Interview.

Als wir uns das letzte Mal unterhalten haben, erzählten Sie, das Kapitel Musik sei in Ihrem Leben endgültig beendet. Warum haben Sie sich nun doch zu einem Comeback entschlossen?

HANNES HAGER: Das war nach meiner CD "Herz" 2007. Damals wollte ich noch einmal so richtig als Musiker durchstarten. Und ich habe in das Projekt alles hineingelegt, es war sehr persönlich, sehr emotional und introvertiert. Es war wohl auch so etwas wie eine Schmerzaufarbeitung, nachdem das Herzensprojekt UR beendet war und aus einigen anderen nichts geworden ist. Ich war damals überzeugt, dass das mit "Herz" aufgeht. Und ich habe ja immer mit der Musik gelebt und wollte auch von ihr leben. Als das dann vor vier Jahren nicht gelungen ist, kam ich zur festen Überzeugung, dass Musik halt doch nicht meines ist.

War das ein Schock?

HAGER: Nein, es hat mich nicht erschüttert, fast befreit. Ich habe dann drei Jahre meine Gitarre nicht angegriffen, sie sogar in den Keller gestellt.

Und wovon haben Sie gelebt?

HAGER: Ich habe in einer Buchhandlung in einem Einkaufszentrum begonnen, weil ich Bücher an und für sich sehr gerne mag. Aber nach wenigen Tagen war klar, dass ein Job in so einem Geschäft schrecklich für meine Seelenlandschaft ist.

Und dann?

HAGER: Habe ich als Briefträger für die Post gearbeitet und als Regalräumer in einem Supermarkt. Überall war rasch klar, dass das nicht der richtige Platz für mich ist. 2010 bin ich dann zu meinem Anker zurückgekehrt - ich bin ja ausgebildeter Kindergärtner und Horterzieher - und habe am Nachmittag im Kindergarten der Heilandkirche begonnen. Die Arbeit mit den Kindern hat mir dann sehr gut gefallen. Dort ist in meinem Inneren sehr bald wieder die Musik aufgetaucht. Ich habe begonnen zu schreiben und es sprudelte richtig. Dann hatte auch der Kindergarten ein Ablaufdatum und Kunst in meinem Leben wieder den stärkeren Stellenwert. Für mich ist jetzt das Ziel wieder klar: Ich will von der Musik leben können.

Haben Sie da nie Existenzängste gehabt? Über Jahre so im Ungewissen zu leben, wie es weitergeht?

HAGER: Da treibt mich schon etwas Inneres, so was wie Glaube oder besser: Vertrauen. Mich interessiert das Gegenwärtige. Ich habe ein Vertrauen darauf, dass es immer weitergeht. Das macht frei.

Andere denken schon mit 25 an die Pensionsvorsorge und zahlen in alle möglichen Versicherungen ein. Das war für Sie nie ein Thema?

HAGER: Alles, das auf irgendwann später aufgeschoben ist, dem traue ich nicht. Vertrauen passiert jetzt.

Bei all dem Krampf, all den Jobs hat man den Eindruck, Sie haben seit den Anfängen, als Sie mit UR den Grazer Bandwettbewerb gewonnen haben, immer Ihren Platz gesucht, Ihn aber nie gefunden.

HAGER: Ja, es war ein langes Suchen.

Und wo stehen Sie jetzt?

HAGER: Ich habe mich gerade wieder selbstständig gemacht. Das heißt, ich bin Musiker und zahle als Künstler selbst meine Sozialversicherungsbeiträge. Ich hab' schon wieder ein ganzes Soloprogramm als Singer- und Songwriter beisammen, präsentiere nächste Woche die Single "Family" und spiele erstmals auch mein neues Solo-Programm.

Was darf man sich erwarten?

HAGER: Das Programm ist kraftvoll, freudig und positiv. Ich singe im Dialekt, manchmal auch in Schriftdeutsch mit kleinen englischen Farben. Die Single ist ein sehr sommerlicher Reggae mit Soul-Chören und einem richtig fetten Pop-Arrangement. Ich glaube an den Song.

Gibt es einen Plan B, falls zu leben von der Musik doch nicht so aufgeht?

HAGER: Nein, weil das mit der Musik, mit meiner Single jetzt dran ist und ich da ein fast kindliches Vertrauen habe. Gedanken, wie "was wäre, wenn das nichts wird", würden mich nur aufhalten.

Und eine Reunion von UR war nie ein Thema?

HAGER: Es gab vor einigen Jahren eine einmalige für ein Benefizkonzert. Die war sehr umjubelt. Aber ich habe heute eigentlich zu keinem aus der Truppe von damals noch Kontakt.


Auf Augenhöhe

Name: Hannes Hager (39)
Beruf: Singer-/Songwriter
Ausbildung: Kindergärtner und Horterzieher
Familie: lebt mit seiner Frau Kathrin und deren beiden Söhnen Aaron (6) und Jakob (12) in Graz.
Band-Karriere: Hannes Hager gewann mit UR 1993 den Grazer Bandwettbewerb. Bis zur Auflösung 2000 veröffentlichte die Band drei CDs: Beim ersten Mal (1995), Le Chemin (1997), Check Out (2000). 2007 veröffentlichte er sein Solo-Debut "Herz".

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