Produktives Werkstheater
Manfred Gaulhofer über Geschäfte mit dem Petruswerk, Wachstum in der Krise und warum das Mitarbeiter-Theater von Mankell in seiner Fensterfabrik kein Luxus ist.

Foto © GaulhoferManfred Gaulhofer ist seit 2008 Geschäftsführer des Familienbetriebes
Herr Gaulhofer, warum produzieren Sie als Chef des Fensterherstellers ein Mitarbeiter-Theaterstück von Henning Mankell in Ihrer Übelbacher Fabrik? Geht es da nur ums Image?
MANFRED GAULHOFER: Nein, das war zu allererst eine interne Maßnahme für die Mitarbeiter, ein Beitrag zu unserer Unternehmenskultur. Aufgrund des öffentlichen Interesses, für das der Name Mankell gesorgt hat, haben wir aber nun auch zwei öffentliche Aufführungen eingeplant.
Teile der Belegschaft treten in dem Stück mit der Gruppe Teatro Avenida als Schauspieler auf. Ist das Team-Building?
GAULHOFER: Ja, irgendwie schon. Aber das steht für mich nicht im Vordergrund. Wie gesagt, da geht es um unsere Unternehmenskultur. Darum, dass wir vom Geschäftsführer bis zum Hilfsarbeiter allen die gleiche Wertschätzung entgegenbringen wollen. Das ist ja nicht das erste Kunstprojekt, das wir im Unternehmen gemeinsam mit unseren Mitarbeitern machen.
Sie haben nicht das Gefühl, dass Sie sich als einstiger 2003-Manager einfach die Kultur als Ihren Luxus im Unternehmen leisten?
GAULHOFER: Nein, das ist bestens investiertes Geld. Das erhöht den Wert des Mitarbeiters im Unternehmen auch aus seiner subjektiven Sicht. Ich beschäftige mich seit jeher mit verhaltenswissenschaftlich orientiertem Management. Die Produktion in einem Unternehmen ist nicht nur durch Produktionsverfahren voranzutreiben, sondern auch dadurch, dass man die Menschen ernst nimmt und ihnen das Arbeitsleben erträglich macht. An die klare Trennung von Arbeits- und Lebenswelt glaube ich nicht. Man streift sein Arbeitsleben nicht am Fabrikstor einfach ab.
Steigert Theaterspielen in der Fabrik die Produktivität?
GAULHOFER: Über Umwegsrentabilitäten sehr wahrscheinlich ja.
Als Sie 2008 in die Geschäftsführung gingen, formulierten Sie das Ziel, bis 2012 den Umsatz von rund 67 Millionen auf 130 Millionen Euro zu verdoppeln. Ist das trotz Krise noch zu erreichen?
GAULHOFER: Vielleicht erreichen wir dieses Ziel der Krise wegen nicht. Aber wir fahren einen starken Expansionskurs, weit über der Marktentwicklung, sind also auf einem mehr als guten Weg.
2009 gab es ein Konjunkturpaket, auch heuer gibt es eines. Braucht der Aufschwung noch staatlichen Rückenwind?
GAULHOFER: Ja, man muss die Konjunktur so noch beleben.
Wo wird der Umsatz in der Gaulhofer-Bilanz 2010 liegen?
GAULHOFER: Wir werden am Inlandsmarkt bei rund 85 Millionen Euro liegen.
Noch zu einer anderen Baustelle: Der potenzielle Reininghaus-Käufer Douglas Fernando hat im Jänner bei seiner Pressekonferenz mit Bürgermeister Siegfried Nagl Ihr Unternehmen als wichtigen Partner seines Petruswerks genannt. Jetzt verzögert sich der Reininghaus-Deal seit Monaten. Wie waren Ihre Geschäfte mit dem Immobilienentwickler?
GAULHOFER: Unsere deutsche Filiale hat dort 2009/10 für zwei, drei große Vorhaben in Berlin die Fenster geliefert. Es war eines der vielen Berliner Projekte, wo auf alten Gewerbearealen neuer Wohnraum entsteht. Ich kann nur sagen, die haben alles ratzfatz hoch professionell durchgezogen. Und das sind heute teils sehr begehrte Wohnanlagen.
Also sind Sie für Reininghaus guten Mutes?
GAULHOFER: Da weiß ich zu wenig von den Plänen und Gesprächen zwischen Stadt und Petruswerk. Aber es ist etwas ganz anderes, einen kompletten Stadtteil zu entwickeln. Das sehe ich auch aus meiner Berliner Zeit skeptisch, weil ich weiß, was damals auf dem Potsdamer Platz alles aus dem Boden gestampft worden ist. Da ist nur zu hoffen, dass in Reininghaus mit möglichst breitem Input aus vielen Bereichen ein neuer Stadtteil geplant wird.
Features
Auf Augenhöhe
Manfred Gaulhofer (56) ist Betriebswirt, war Uni-Assistent in Graz, hatte ein Beratungsunternehmen und war Geschäftsführer der Kulturhauptstadt Graz. Seit 2008 ist er an der Seite von Hans Heiling Geschäftsführer beim Fensterhersteller Gaulhofer.
3 Generationen ...
... der Familie Gaulhofer standen bisher an der Spitze des Übelbacher Traditionsbetriebs. Den Grundstein legte Karl Gaulhofer 1919 mit der Gründung einer Tischlerei in Frohnleiten.










