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Zuletzt aktualisiert: 21.02.2011 um 09:40 UhrKommentare

Was wurde aus dem Paternoster?

Im Wiener Rathaus geht es bei der Kabinenparty nach wie vor rund. Doch in Graz sind die letzten beiden Paternoster wohl für immer stillgelegt.

Foto © APA

Ein "Gott, steh' mir bei" mag in diesen Kabinen schon über so manche Lippen gekommen sein. Vor allem, wenn man den letzten Ausstieg vor dem Keller verpasst hat. "Bleib' ich stecken" oder "steh ich samt Kabine Kopf, wenn ich wieder auftauche?" Eine Paternoster-Fahrt war über Jahrzehnte das "Vaterunser" im grauen Büroalltag, das verbotene Abenteuer im Parteienverkehr. Denn eigentlich war die Kabinenparty in der Grazer Pensionsversicherungsanstalt Privileg der Anstaltspersonen.

Vom Aussterben bedroht

Zwei Paternoster-Anlagen rotierten in der Landeshauptstadt bis ins 21. Jahrhundert. Jene im ehemaligen PVA-Hochhaus am Bahnhofgürtel und eine im Gürtelturm, der leer steht, seit die Wiener Städtische in die Münzgrabenstraße übersiedelt ist. Keiner davon rotiert mehr. Die Dauerläufer mit den offenen Kabinen sind vom Aussterben bedroht. Im Wiener Rathaus kann man noch im "Proletenbagger" gondeln. "Österreichweit gibt es nur noch zehn, fast alle davon in Wien", weiß Gottfried Jung vom TÜV. Eingebaute Anlagen dürfen - sofern sicherheitstechnisch intakt - weiter betrieben werden, die Errichtung neuer ist seit den 1970ern verboten.

Der Paternoster im Welcome-Tower (Ex-PVA) ist aber nicht demontiert, erzählt Architekt Thomas Pucher, der mit Alfred Bramberger die Sanierung des Towers geplant hat: "Wir wollten ihn weiter betreiben." Dafür hätte man einen Verein gründen müssen, nur Mitglieder hätten ihn nach einer Einschulung benützen dürfen. Haftungsrisiken und Sanierungskosten von 120.000 Euro waren die zu großen Hürden. Nun steht der Paternoster hinter Metall-Blenden und unter Denkmalschutz. Ein zeitgeschichtlicher Schatz, den spätere Generationen heben können.

BERND HECKE

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