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Zuletzt aktualisiert: 20.11.2010 um 22:05 UhrKommentare

Die Lebensqualität in den Grazer Bezirken: Dabei statt mittendrin

Ein bisschen Dorf, ein klein wenig Stadt, und doch nicht richtig im Zentrum - die Abschlusstour: Wetzelsdorf, Straßgang, Puntigam.

Nicht nur die Straßganger schätzen das Bad und andere Naherholungsmöglichkeiten

Foto © Sabine HoffmannNicht nur die Straßganger schätzen das Bad und andere Naherholungsmöglichkeiten

Schon vor zehn Jahren war es absehbar - und bis heute hat sich nicht viel verändert. In Wetzelsdorf scheint alles perfekt, bis "auf den noch immer fehlenden Radweg", wie Bezirksvorsteher Christian Zimmermann anmerkt. Auch beim Velocity-Kongress im Jahr 1999 wurde in Wetzelsdorf (wie übrigens auch in Straßgang) die Anbindung an die City bemängelt. Zitat der damaligen Diskussion: "Nicht abgesenkte Bordsteinkanten Marke Felgenknicker gibt es zuhauf."

Und auch Studentin Renate Marksteiner geht der Radweg im fünfzehnten Bezirk ab. "Wetzelsdorf gefällt mir sehr gut, aber wenn ich etwas Schlechtes finden muss - ja, ein Radweg fehlt." Außerdem fehlen Bezirkssportplatz und Jugendzentrum, ist Zimmermann überzeugt. "Und die tägliche Verkehrslawine macht sich vor allem in der Steinberg- und der Straßgangerstraße bemerkbar." Dennoch bekam Wetzelsdorf bei der letzten Lebensqualitätserhebung der Stadt 2,60 von 3,50 Zufriedenheitspunkten.

Landpartie nicht ohne Auto

Bernadette Zierlers Kinder Christina und Isabella sind in Wetzelsdorf aufgewachsen. Nun zieht die Familie aber ins eigene Haus nach Unterpremstätten. Nicht, weil die Lebensqualität in Wetzelsdorf schlecht wäre. "Sondern weil die Wohnung für uns einfach zu klein geworden ist", sagt Zierler, und weiter: "Aber ich bestehe auf ein eigenes Auto, damit ich jederzeit in die Stadt fahren kann."

Straßgang

Sehnt sich Zierler schon prophylaktisch nach der Stadt, ist Landwirt Josef Gahr in Straßgang froh, eigentlich "in einem Dorf" zu wohnen. "In Straßgang kommen die Menschen eben einfach noch zusammen. Man trifft sich in einem der urigen Gasthäuser oder einfach für einen Tratsch auf der Straße. Hier kennt jeder jeden." Und der 60-jährige Landwirt muss es wissen. Ist er doch in Straßgang am Hof, den er jetzt selbst bewirtschaftet, aufgewachsen. Wie viele andere im Bezirk. 50 Prozent der Anrainer wohnen schon länger als 20 Jahre hier. Ein Spitzenwert in der Lebensqualitätsumfrage der Stadt.

Dennoch gibt es auch Probleme. Gahr erzählt: "Der Hof nebenan wurde abgerissen und es wurden Wohnungen gebaut. Jetzt muss ich 52 Parteien erklären, dass ich halt auch am Wochenende Mist führen und mähen muss." Stadt und Land treffen in Straßgang eben wirklich aufeinander.

Was Sandra Malbasic, der das Leben in Straßgang sehr gut gefällt, vor allem abends merkt. "Wir haben viel zu wenig Straßenlaternen hier. Ich habe oft ein mulmiges Gefühl, wenn ich abends unterwegs bin."

Puntigam

So ein Gefühl der Unsicherheit kennen auch die Bewohner in Puntigam. Bei der Umfrage der Stadt bekam der siebzehnte Bezirk im Hinblick auf Sicherheit 0,32 Punkte (auf einer Skala von -1 bis +1) - hoher Handlungsbedarf. Und der höchste in der Studie. Ebenso schlecht schnitt der Bezirk im Bereich Umweltsituation ab. "Durch das erhöhte Verkehrsaufkommen wird die Luft bei uns schlechter", sagt auch Bezirksvorsteher Wilhelm Kern.

Doch die von G7 befragten Bewohner erleben es ganz anders. Elisabeth und Alfred Schmid wohnen eigentlich ja in Wetzelsdorf, zu Hause fühlen sie sich aber in ihrem Häuschen im Heimgarten "Frohe Zukunft" in Puntigam. "Es ist wie Urlaub, wenn wir hierher kommen", schwärmen die beiden. Seit 1986 zieht es die Pensionisten in den 17. Bezirk. "Hier können wir entspannen, uns gefällt's einfach in Puntigam." Dem Trend in der Lebensqualitätsstudie entsprechen die beiden damit nicht. Dort meinten bloß 65,66 Prozent, dass die Lebensqualität in Puntigam im Vergleich zu anderen Bezirken gut ist. Nur Gries schnitt mit 54,90 Prozent noch schlechter ab.

Fazit

Die Grazer lieben's grün. Deshalb ist ihnen vor allem die zunehmende Verbauung ein Dorn im Auge, egal in welchem Bezirk. Und auch wenn man sich einmal über Verkehr, Lärm und manchmal über die Nachbarn ärgert, 91,9 Prozent der Grazer leben gerne in ihrer Stadt.

HEIKE KRUSCH, CARMEN OSTER

Straßgang

Plus:
- Sehr hoher Grünflächenanteil mit noch teilweise bäuerlicher Struktur
- Naherholung (zB Straßgangerbad, Puchkogel)
- Ideale Infrastruktur (8000 Arbeitsplätze im Bezirk)

Minus:
- hohes Verkehrsaufkommen (Straßganger, Kärntner Straße)
- starke Verbauungsabsicht sorgt für Unmut
- schlechte Beleuchtung vor allem in Siedlungen

Puntigam

Plus:
- Kinderbetreuungseinrichtungen (zwei Kindergärten, ein Hort, Schulen)
- Freizeitmöglichkeiten (Kino, Fitnesscenter, ...)
- Gute Nahversorgung (Hofer, Lidl, Merkur, Spar)

Minus:
- Mangelnde Sicherheit, mangelnde Beleuchtung
- Starkes Verkehrsaufkommen (Gradnerstraße, Alte Poststraße, Rudersdorferstraße)
- Fußwege fehlen

Wetzelsdorf

Plus:
- wunderschönes Naherholungsgebiet Johann und Paul
- ausgezeichnete Gastronomie (Ärzte, Schulen ...)
- viele Vereine, abwechslungsreiches Angebot

Minus:
- kein Radweg (seit zehn Jahren gefordert)
- Verkehrslawine in Steinbergstraße und Straßganger Straße
- Verbauung Grünflächen (kein Park, Sportplatz)

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