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Zuletzt aktualisiert: 09.08.2010 um 12:28 UhrKommentare

Urteils-Kraft

Karrieren im Blitzlicht. G7 präsentiert die Medienstars der Grazer Anwaltsszene.

Recht geschieht nicht im Verborgenen. Längst haben Prozesse ihren Weg in die Öffentlichkeit gefunden, und mit ihnen auch ihre Protagonisten. Die Anwälte - moderne Sheriffs unserer Zeit, die die "Rechtlosen" mit Worten statt mit Colts verteidigen. Statt goldener Sterne gibt es dafür Medienpräsenz - und oft die große Karriere, wie einige Grazer Beispiele zeigen.

In dieser Woche war es einmal mehr Harald Christandl, der sich im Blitzlicht der Medien sonnen durfte. Nachdem er schon 2003 im BHI-Prozess auf sich aufmerksam gemacht hatte, bescherte er nun 500 Meinl-Kleinanlegern Ausgleichszahlungen. Während sich die Betroffenen im Verborgenen freuen, gibt Christandl Interviews zu den Umständen der Verhandlungen: "Ich freue mich, dass es gelungen ist, ein soziales und wirtschaftlich adäquates Lösungsszenario zu finden." Er lächelt, die Sprache im Interview ist ebenso wortgewandt wie beim Plädoyer. Um sich einen Namen zu machen, sind öffentliche Auftritte fast wichtiger als gewonnene Prozesse.

"Bombiger" Karrierestart

Als unbekannter Konzipient hatte Gerald Ruhri 1998/99 die Verteidigung des Briefbombers Franz Fuchs übernommen. Das Grazer Landesgericht glich damals einer Hochsicherheitszone, der Gerichtssaal war bis zum Bersten mit Journalisten gefüllt. Keinem entgingen die donnernden Parolen des Angeklagten, der schlussendlich verurteilt wurde. Gerald Ruhris Karriere schadete das nicht - im Gegenteil. Noch Jahre später gab er Expertisen zum Jahrhundertprozess ab: "Die Anspannung während des Prozesses war enorm, weil Fuchs so unberechenbar war."

Und auch die Anwälte selbst sind alles andere als leicht einzuschätzen. Spitzfindig und scharfzüngig sorgen sie für Furore. Guido Held, ehemaliger Präsident der Steiermärkischen Rechtsanwaltskammer, gilt bis heute als "Terrier" unter den Rechtsanwälten. Ein Spitzname, mit dem er allerdings durchaus zufrieden ist. "Eigentlich bin ich ja streichelweich", erklärte er bei der Verleihung der Kammer-Ehrenpräsidentschaft. "Aber wenn mich wer angeht, greife ich an." Wie im Moment als Chefjurist der CSI Hypo.

Hans Lehofer, Vertreter von Jack Unterweger, war ebenso für seine harten Wortspenden gefürchtet, wie er im BHI-Prozess einmal mehr unter Beweis stellte: "Externe Kräfte haben die BHI an den Rand gedrängt", so die Verteidigung. "Bereichert haben sich andere Banken, und zwar ausschließlich."

Von der amtierenden Präsidentin Gabriele Krenn wird der medial-juristische Schlagabtausch genau beobachtet. "Die primäre Richtlinie im Umgang mit Medien lautet: Nur im Interesse des Mandanten." Medienauftritte dürfen demnach weder zur Selbstanpreisung noch für vergleichende Werbung missbraucht werden. "Mir ist in der jüngeren Vergangenheit kein Fall bekannt, in welchem diese Grenze überschritten worden wäre", so Krenn. "Da würde die Kammer als regulierendes Organ sofort einschreiten."

Steile Karrieren

Es sei aber nicht von der Hand zu weisen, dass Medienpräsenz die Bekanntheit steigere. "Und wer einmal einen außergewöhnlichen Fall gewinnt, bekommt immer wieder neue. Das ist eine Spirale."

Eine Aufwärtsspirale in der Karriere, in welcher sich im Moment auch Karin Prutsch befindet. Vor allem durch ihre Wiederaufnahmefälle fällt das Licht der Öffentlichkeit auf die junge Anwältin.

Themen können schon per se für Zündstoff sorgen. So hat sich Franz Unterasinger ganz der Umwelt verschrieben und ist auch als Anwalt der "Arche Noah" immer wieder in den Medien. Und Wolfgang Vacarescu widmet sich dem umstrittenen Thema der Asylwerber und Migranten. Beides sehr medienwirksame Gebiete.

Doch Krenn lenkt ein: "Die Qualität eines Anwalts blüht auch im Verborgenen." Es seien Fähigkeiten wie Zuhören, sich auf den Klienten einlassen zu können oder einen Sachverhalt vollständig erfassen zu können, die einen guten Anwalt ausmachen. "Qualität sieht man hinter und nicht vor der Kamera."

HEIKE KRUSCH

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