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Zuletzt aktualisiert: 01.06.2010 um 21:29 UhrKommentare

Die Piefke Saga

Touristen, Studenten, Investoren: Die Deutschen fallen über Graz her. Warum eigentlich?

Felix von Bally

Foto © KanizajFelix von Bally

Bei ihm war das Klischee gleich programmfüllend. Als "Piefke on Tour" berichtete Radiojournalist Felix von Bally für das Comedy-Format von Radio Soundportal: mit einem hochdeutschen Idiom und einer spitzen Zunge. Das polarisierte.

Der 36-jährige Bayer spaltete seine Zuhörer in Feinde und Fans - er der erste Moderator des jungen Grazer Senders, für den Autogrammkarten gedruckt werden mussten. Das ist nun fünf Jahre her, irgendwann katapultierte ihn sein Hochdeutsch vom Moderatorenpult. Von Bally blieb in Graz - als einer von 5573 Deutschen, die hier, ganz im österreichweiten Trend, noch vor den Bosniern und den Türken die größte Migrantengruppe ausmachen.

Graz profitiert

Die deutschen Studenten fallen über die vier Universitäten und die zwei Fachhochschulen her: die gleiche Sprache hilft. Deutsche Studenten strömen nach Graz. "Deutschland ist für Österreich, die Steiermark und Graz wichtigstes Herkunftsland für ausländische Direktinvestitionen", sagt Burghard Kaltenbeck, Geschäftsführer der Steirischen Wirtschaftsförderung. 2009 schlugen 16 Betriebe in Graz ihre Zelte auf.

"Bei Personen, die im Zuge von Investitionsprojekten hierher siedeln, handelt es sich großteils um Fach- und Spitzenkräfte oder um hervorragendes Forschungspersonal", betont Kaltenbeck. Graz profitiert. Womit wir bei deutschen Investoren punkten? Mit den Bereichen Automotive, Humantechnologie oder Engineering. "Wenn wir den Wirtschaftsstandort Graz auf Messen in Deutschland präsentieren, dann sind alle überrascht über unsere hohe Forschungsquote", sagt Andreas Morianz, der Unternehmer an der Abteilung für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung berät.

"Dass ihr uns Piefke nennt, das war mir unbekannt", erzählt Anna Röckl, Pressesprecherin am Schauspielhaus Graz. Auch viele anderen kannten den Begriff nicht. Die Piefke-Saga - die österreichische TV-Satire in vier Teilen - heizte die Hänseleien zwischen Österreich und Deutschland noch an. Der Begriff Piefke ist aber schon älter. Erstmals verbürgt 1445, verwenden wir es heute meist abwertend. Retourkutsche: Ösis oder Schluchtenscheißer.

"Als ich mir von Deutschland aus eine Wohnung organisieren wollte, hat mir der Vermieter gesagt, an Deutsche vermiete er nicht", sagt Röckl. Heute beherrscht sie Wörter wie Sackerl oder Paradeiser. "Den Unterschied wird man immer hören."

Von Bally ergeht es ähnlich. Er landete in der Morgensendung von Radio Graz, dort gab es lustige Einspieler wie "Hol das Bally". Der Sender ist ein anderer, aber das Problem Hochdeutsch bleibt. Im August des Vorjahres ließ man die Hörer sogar abstimmen, ob er weiterhin "on air" sein soll

HEIKE KRUSCH, NINA MÜLLER, CARMEN OSTER, ROBERT PREIS, JULIA SCHAFFERHOFER

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