Die Krise war ein Glycsfall
Auch nüchtern - also in Zahlen - betrachtet ist der Aufstieg der heimischen Winzer eine Erfolgsgeschichte in Rot-Weiß. Mit einer spritzigen Mischung aus Jugend und Qualität sind die Steirer ganz vorne dabei.

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Der Aufstieg des steirischen Weins in die internationale Oberliga begann mit einem tiefen Fall: dem Glycol-Skandal Mitte der 80er Jahre. Und das, obwohl die Steiermark gar nicht involviert war. Damals hatten Winzer in Ostösterreich in großem Stil gepanschten Qualitätswein produziert und flogen auf.
Stunde geschlagen. Da schlug die Stunde der Steirer. "Natürlich hat es auch Ende der 70er-Jahre schon steirische Pioniere gegeben. Trotzdem kommt man immer wieder aufs Jahr 1985 zurück. Damals ist ein richtiger Ruck durch die Weinlandschaft gegangen", betont der steirische Weinbaudirektor Werner Luttenberger.
Prallelentwicklung. Es habe eine Bewegung weg vom süßen Wein, hin zu einem trockenen, ehrlichen und vor allem fruchtigen Wein gegeben. Er sieht eine Parallelentwicklung: "Sowohl Konsumenten als auch die Betriebe haben mehr Wert auf Qualität gelegt und daran hat sich bis heute nichts geändert", so Luttenberger.
Jugend mit Qualität. Der Wandel in der Weinlandschaft lässt sich auch statistisch abbilden: Österreichs Winzer haben 2008 knapp 300 Millionen Liter Wein produziert. Davon fällt nur noch jeder sechste Liter in die Gruppe Land- und Tafelwein. Der Rest, also 240 Millionen Liter, trägt bereits das Siegel eines Qualitäts- oder Prädikatsweins. Vor wenigen Jahren war das noch umgekehrt.
Enorme Dichte. In der Steiermark fällt gar nur noch jeder zehnte Liter Wein ins Segment der Land- und Tafelweine. Obwohl in der Grünen Mark mit 21,5 Millionen Litern vergleichsweise geringe acht Prozent des österreichischen Weines produziert werden, ist die Dichte an Betrieben enorm. In der Süd-, West- und Südoststeiermark gibt es 3000 Weinbaubetriebe - mehr als die Hälfte von ihnen bewirtschaftet dabei steile Hanglagen mit 26 Prozent Gefälle und mehr.
Beispielloser Aufstieg. Luttenberger streicht hier die große Bedeutung der bestens ausgebildeten steirischen Jungwinzer heraus. Es ist die Mischung aus Qualität und jugendlichem Ehrgeiz, die hierzulande auf besonders fruchtbaren Boden fällt. Apropos: Diese Mischung aus Jugend und Qualität hat auch dem steirischen Weißwein in den vergangenen 20 Jahren unter der Dachmarke "Steirischer Junker" zu einem beispiellosen Aufstieg verholfen. 1,2 Millionen Flaschen im Wert von 6,5 Millionen Euro haben die Steirer im November 2008 verkauft. Und dabei einen bundesweiten Marktanteil von 50 Prozent erzielt.
Krisenfeste Weinbeißer. Wein ist in der Steiermark zum wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden, der sich auch als krisenfest erweist: "Wir sehen bisher noch keine Einbrüche, die Nachfrage ist sehr gut." Das habe, so Luttenberger, auch damit zu tun, dass "wir mit den Preisen am Boden geblieben sind".
Hagel-Schäden. Dennoch blieben heuer dutzende Winzer von einer anderen Krise nicht verschont: Hagel-Unwetter haben in der Südsteiermark Millionen-Schäden angerichtet.
Export-Erfolge. Sehr erfreulich haben sich hingegen in den vergangenen Jahren die Weinexporte entwickelt. Im Vorjahr haben Österreichs Winzer um 113 Millionen Euro (plus 8,5 Prozent) Weine in alle Welt exportiert - das ist immerhin schon jeder fünfte Liter. Und mit dem "Exportphänomen Sauvignon blanc" haben die steirischen Winzer laut Luttenberger bereits Weltruf erlangt.









