Didi Dorner, Graz
Alles hat so seine Vorteile: Die Bilder an den Wänden etwa – sie laden eher dazu ein, die schönen Augen seines Gegenübers oder die Kunstwerke auf dem Teller eingehender zu studieren. Und letzteres lohnt sich ja bei Didi Dorner auf jeden Fall. Der Küchenkünstler, der nun im Hinterhof der ÖVP-Zentrale in Graz residiert, macht auch mit den famosen Businessmenüs seiner "Tagsüber"-Schiene (nur gegen Reservierung) viel von sich reden. So richtig tobt sich Dorner aber abends aus. Schon das "Kleine Abendmahl" (inklusive Gedeck, Weinbegleitung, Wasser, ab 95 Euro) umfasst locker sechs, sieben Gänge und wird zur kreativen Spielwiese, auf der Dorner ganz groß geigt.
Da kommen dann schon einmal super zarte, saftige Scheiben vom bretonischen Hummer mit Pfirsichpüree, Minzblatt und Parmesancreme auf den Tisch. Käse und Krustentier? Kann man auch eine Spur over the top finden. In Wahrheit aber ist Dorner, der sich im Gespräch manchmal ganz gern als Mann der Extreme inszeniert, ein Meister feinster Nuancierung. Große Gesten inklusive – als Gruß aus der Küche etwa wird Rote-Rüben-Gelee mit Saiblingskaviar neben Köflacher Selchspeck mit geräucherter Blutwurst serviert. Und danach gibt?s richtig tolle Dinge, in Dorners "Cuisine intuitive" wird Zander mit Blaukraut und Trüffeln kombiniert und zärtlich Gegartes vom Maishendl mit Spargel und Morcheln, fast überall wird blitzschnell noch ein raffiniertes Schäumchen über den Teller gekippt, und das alles ist sehr vergnüglich und irrsinnig gut. Das gilt auch für die Weinbegleitung: steirisch-italienisch, originell.













