Die duftende Welt der Kräuter erleben
Elftes Kräuterfestival in Irschen ist Leistungsschau einer Symbiose aus intakter Natur und bäuerlicher Lebensweise.

Foto © PhinoRenate Wuggenig kennt jedes Kraut im Schaukräutergarten neben der Kirche von Irschen und weiß, gegen was es hilft
Bei uns leben 50 Lieferanten direkt und 120 Menschen indirekt von Kräutern", sagt Hotelier Eckart Mandler. Er ist Initiator des Kräuterdorfes Irschen. "Eine Studie der Wiener Uni für Bodenkultur belegt, dass 118 als Heilpflanzen registrierte Kräuter in und um Irschen wachsen. 40 dieser Pflanzen gelten als Heilpflanzen mit hohem Wirkungsgrad, etwa Arnika oder Quendl", sagt Eckart Mandler.
"Mit den Kräutern ist Gemeinschaft gewachsen. Frauen backen mit Kräutern, andere machen Salben, Naturkosmetik oder Seife", beschreibt die Mandler-Oma Brunhilde (72) die Wirkung der Kräuter auf die Bevölkerung.
Immer mehr stellen sich in den Dienst der Kräuter. "Ich habe auf 1150 Metern Seehöhe einen 1000 Quadratmeter großen Kräutergarten", erzählt Rosemarie Kranabetter aus Griebitsch. "Ohne freiwillige Helfer hätte ich es schwer", sagt die angehende Kräuterpädagogin. Warum das funktioniert? "Das kann ja keiner lesen, wie gut es bei uns riecht. Die Arbeit hat mit Wohlbefinden, mit innerer Harmonie zu tun" sagt Kranabetter.
Handarbeit bekommt da eine neue Dimension. "Jedes Kraut wird zwischen Mittag und 17 Uhr gepflückt. Sonst schläft es und verliert von seiner Wirkung. Auch auf Vollmondphasen und entsprechende Trockenheit wird geachtet", erklärt die Kräuterbäuerin.
Dufttherapie
Zum Beweis öffnet sie Blechdosen, in denen Milliarden handgezupfter Blüten lagern. Alle behalten ihren Duft und ihre Farben, die rote Goldmelisse, die blaue Kornblume und die orange Ringelblume. So ein Besuch im Kräutergarten kommt einer Duft- und Farbtherapie gleich.
Auch Renate Wuggenig liebt die Kräuter! Sie führt durch den perfekten Schaukräutergarten nahe der Kirche. Sie kennt jedes Kraut, gegen ihren Humor ist auch kein Kraut gewachsen. Sie verrät, dass alle geernteten Kräuter 24 Stunden lang eingefroren werden, um Ungeziefer fernzuhalten. "Maximal ein Jahr hält dann die Wirkung der Kräuter, der Tees" sagt Frau Wuggenig.
Die angesetzten Schnäpse vom Walter Heregger können länger lagern. Der Wanderwirt nimmt seine Gäste mit, da gilt es unterwegs Kräuter zu bestimmen und zu sammeln! Diese Kräuter werden in Schnaps angesetzt. 17 verschiedene Sorten, geschmacklich zwischen süß und bitter liegend, lagern im Schnapskeller. "A Xundheitsstamperl geht immer" ist der Wirt überzeugt.
Dieses ganzheitliche Kräuterbewusstsein wird am Samstag und Sonntag in Irschen zelebriert. Die Dorfstraße wird zur Kräuterstraße und es wird ein Fest gefeiert, das weit von plumper Vermarktung entfernt ist.
Features
FESTIVAL-WEGWEISER
Das Kräuterfest in Irschen startet heute mit der Kräuterwanderung, die Peter Lexe, Kuchlmasta der Kleinen Zeitung, anführt. Am Samstag und am Sonntag gibt es abwechselnd Führungen durchs Kräuterdorf und Vorträge.
Das Had'nfest in Schwabegg startet am Samstag mit der Produktion der längsten Had'nnudel der Welt unter Leitung von Kleine Zeitung-Kuchlmasta Peter Lexe. Bis Sonntag Abend werden die Besucher von den Wirten mit Had'nspezialitäten verwöhnt.

