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Zuletzt aktualisiert: 10.04.2007 um 12:46 Uhr

Brutzeit für den Wein

Im burgenländischen Pamhagen wird Wein in Eiern ausgebrütet. Ostern 2008 soll er schlüpfen.

Angela und Werner Michlits mit ihrem "Weinei"

Foto © www.meinklang.atAngela und Werner Michlits mit ihrem "Weinei"

Der Schrecken, so steht es im Lehrbuch des Horrors, gedeiht am besten inmitten der Idylle. Wer also im Weinkeller der Familie Michlits in Pamhagen, im hintersten Winkel des Neusiedler Sees, auf drei riesige graue Eier stößt, könnte diese folgerichtig erst einmal für das Gelege von Godzilla halten. Gottlob ist der Keller aber keine Brutstätte neuer Zelluloidmonster - vielmehr wird hier ein Wein der ganz neuen Art ausgebrütet.

Betonobjekte. Makaber an den Eiern ist höchstens, dass sie von einem Künstler geformt wurden, der früher einmal auf Sarkophage spezialisiert war. In Frankreich hat Werner Michlits die Betonobjekte zum ersten Mal gesehen - bei einem befreundeten Winzer. Der hatte darin einen Wein gelagert, und Michlits war "überwältigt von seiner Tiefgründigkeit und Typizität." Also haben er und seine Frau Angela drei Eier - jedes wiegt 1200 Kilo und fasst 600 Liter - anfertigen lassen und diese kurz vor Ostern mit St. Laurent befüllt. Für den jungen Winzer ein ganz besonderer Saft: "Subtil, fragil, eine schwierige Sorte, aber durch und durch österreichisch." In den Weineiern, hofft er, reift "ein besonders intensiver, sortentypischer Wein."

Kein Widerspruch. Dass ausgerechnet Beton einen positiven Effekt auf den werdenden Wein haben soll, scheint erst einmal allem zu widersprechen, woran man als Weinliebhaber glauben will. Braucht der Traubensaft, um sich zu entwickeln, nicht ein sinnlicheres Umfeld? Michlits widerspricht: Auch der viel genutzte Stahltank sei ja wohl kein Ausbund an Sinnlichkeit, außerdem verhindere er jeglichen Sauerstoffaustausch. Und die Reifung im Holzfass beeinflusse den Wein einfach zu sehr: "Der Holzgeschmack ist uns zu uniform. Wir wollen sortentypische Weine", sagt er.


Das Weinei

  • Wein-Eier: aus lebensmitteltauglichem Beton. Der Sauerstoffeintrag durch die Poren und die barrierefreie Zirkulation des Weins sollen Reife und Stilistik befördern, ohne den Geschmack zu beeinflussen.

Meinklang

  • Meinklang ist der Name des biodynamischen Weinguts der Familie Michlits in Pamhagen an der burgenländisch-ungarischen Grenze. Das Anwesen umfasst rund 50 Hektar Rebflächen (ca. 60 Prozent Rot-, 40 Prozent Weißweine), angeboten werden neben sortenreinen Weinen Cuvees aus dem Holzfass, Sekt und Essig aus eigener Produktion.

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