Was für eine köstliche Party!
Österreich war dabei – beim Bocuse d'Or 2007, dem bedeutendsten Kochwettbewerb der Welt. Lokalaugenschein in Lyon zwischen Königskrabben und Kuhglocken.

Foto © Bocuse d'Or / PresseThomas Göls stellte sich dem Kochwettbewerb des Jahres
Thomas Göls zuckt die Achseln. Langsam fällt der Stress von ihm ab. Fünf Stunden kochten er und sein Commis Patrick Mihal gegen die besten Köche der Welt an. Jetzt liegt es in den Händen der Jury.
Dekorativ. Im Abstand von zehn Minuten werden der 24-köpfigen Jury des "Bocuse d?Or", des wohl schillernsten Kochwettbewerbs der Welt, nun die zubereiteten Happen vorgeführt - winzige Kunstwerke, auf riesigen Spiegelplatten. Kaum zu glauben, wie dekorativ eine fünf Kilo schwere Königskrabbe in zarten Zucchiniblüten Platz finden kann. Fast zu schön, um sie kosten zu wollen.
Gabelbissen. Die Jury testet sich durch Krabbenkugeln, Gänselebertrüffel, Spargelpüree und Artischokencreme. Die Zuschauer gehen leer aus. Sie verfolgen statt dessen auf den Leinwänden jeden Gabelbissen der Jurymitglieder. Als dem brasilianischen Schiedrichter ein Stück Schweiz von der Gabel rutscht, läuten dutzende Kuhglocken. Der Lärm der Schweizer mischt sich mit dem Gröhlen der Dänen. Jetzt wird die Platte der Nordmänner aufgetischt. Ein ganzes Jahr hatte Rasmus Kofoed aus Dänemark Zeit sich auf den Bocuse d'Or vorzubereiten. Sein Job ist es, zu gewinnen. Er schenkt den Fans ein breites Lächeln, schließlich erlaubte ihm sein Sponsoring, jeden Tag des vergangenen Jahres an seinen Kunstwerken zu feilen.
Österreich vor! Thomas Göls beginnt seine Kabine aufzuräumen. Auch er bereitete sich ein Jahr lang auf den Bocuse d'Or vor. Seit seinem Triumph bei der Vorausscheidung in Salzburg kochte er neben dem Job als Sous Chef im Meinl am Graben für den Wettbewerb. In der Freizeit. Kreierte Rezepte, verwarf sie wieder. Bestellte Norwegische Königskrabben - das Kilo zu rund 70 Euro - und Huhn aus Bresse, um sich optimal auf die fünfstündigen Kochorgie in Lyon vorzubereiten. Am Abend vor dem Bewerb zupfte er noch Estragon im Hotelzimmer. Am Tag danach zieht er Bilanz: Er wird 13.
Eine Klasse für sich. Zugegeben, auf einer Ergebnisliste mit 24 Teilnehmern ist der Dreizehnte auf der unglücklichen Seite. Doch als 29-jähriger Koch eines kleinen Landes gegen die Granden der internationalen Spitzenküche anzutreten, und im sicheren Mittelfeld zu landen, ist schon eine Klasse für sich.
PS: Der Däne ist enttäuscht, er landet nur auf dem zweiten Platz – hinter den Franzosen.
Features
Bocuse d'Or
- An dem internationalen Kochwettbewerb in Lyon (F) nehmen jedes zweite Jahr Spitzenköche aus 24 Ländern teil.
- Sieger 2007. Erster Platz Frankreich, vor Dänemark und der Schweiz.
Links
Foto

Eine unglaubliche Party nennt Paul Bocuse (81) seinen Kochwettbewerb, der heuer sein 20-jähriges Jubiläum in Lyon feierteFoto © APA












