"Bio spürt nichts von der Krise"
Mit professionelleren regionalen Strukturen wollen sich die Biobauern von den Handelsketten emanzipieren. Das Potenzial sei groß, sagt Josef Renner, Geschäftsführer von Bio Ernte Steiermark.

Foto © KANIZAJ"Nur weil ein Biobetrieb groß ist, bedeutet das ja nicht, dass seine Produkte schlechter wären": Josef Renner
Vor eineinhalb Jahren hat die Ehec-Krise die Bio-Welt schwer durchgebeutelt. Wie geht's der Branche heute?
JOSEF RENNER: Die Biobetriebe haben sich rasch erholt, zumal Ehec letztlich mit Bio-Lebensmitteln gar nichts zu tun hatte. Heute ist das nicht mehr spürbar.
Im Vorjahr ist die Biobranche aber erstmals seit Jahren nicht gewachsen. Erschwert das allgemeine Spardiktat den Absatz?
RENNER: Die Bio-Direktvermarkter spüren von der Krise nichts. Im Gegenteil, es werden sogar neue Märkte eröffnet. Probleme bekommen eher noch die, die in große Strukturen liefern.
Von den großen Strukturen wie den Bio-Linien der Supermärkte heißt es, sie würden der ursprünglichen Bio-Idee nicht mehr gerecht.
RENNER: Ich bin seit 25 Jahren in der Branche und habe alles miterlebt. Zuerst hatten wir nur den Direktvertrieb. Später sind immer mehr Biobetriebe entstanden und wir bekamen ein Vermarktungsproblem. Erst als die Supermärkte groß eingestiegen sind, hat sich für Bio ein breiter Markt entwickelt. Dadurch hat unser Verband natürlich an Mitsprache verloren, aber es gibt ja immer noch die regionalen Märkte.
Die heute aber nur einen kleinen Teil der Biosparte ausmachen.
RENNER: Darum wollen wir bei den regionalen Angeboten einen neuen Schwerpunkt setzen. Das geht hin bis zu Hauszustellungen und einer Professionalisierung des Hofbetriebs. Diese Ansätze machen uns auch ein Stück eigenständiger von den Handelsketten. Da wird sich in den nächsten ein, zwei Jahren viel tun.
Nicht alle Biobetriebe sind klein und regional. Wie sind Großbetriebe mit Zigtausenden Hühnern mit der Bio-Idee zu vereinbaren?
RENNER: Die Bio-Tierhaltung ist an die Fläche gebunden. Pro Hektar dürfen nur zwei Großvieheinheiten gehalten werden. Bei Bio-Mastgeflügel sind europaweit vier Quadratmeter Auslauf pro Henne Pflicht, bei Legehennen haben wir bei Bio Ernte Steiermark sogar zehn Quadratmeter Auslauffläche. Das heißt, man kann nicht einfach einen riesigen Stall bauen, wenn man nicht die Fläche dafür hat. Auch beim Bio-Gemüse sind durch die Fruchtfolge der Größe Grenzen gesetzt.
Wir erinnern uns aber an die Bilder von riesigen spanischen Bio-Gurken-Plantagen, die im Zuge der Ehec-Krise aufgetaucht sind.
RENNER: In Österreich und der Steiermark gibt es solche Größen nicht. Grundsätzlich bedeutet ein großer Betrieb aber nicht, dass die Produkte schlechter sind. Wenn ein großer Betrieb biologisch wirtschaftet, ist das immer noch besser, als er bewirtschaftet alles intensiv. Verbesserungspotenzial gibt es natürlich immer.
Zum Beispiel?
RENNER: Man könnte noch mehr Laufställe einrichten, auch bei der Bio-Saatgutzüchtung wäre noch einiges drinnen. Viel hängt aber daran, wie viel Geld es in der neuen EU-Förderperiode gibt.
Die Biobetriebe in Österreich halten einen Anteil von 16 Prozent. Gibt es da noch Raum nach oben?
RENNER: Laut einer Umfrage unter österreichischen Bauern sagen sechs Prozent, sie wollen umstellen. Das wäre für uns ein Plus von 30 Prozent. Weitere 27 Prozent würden umstellen, wenn es passende Förderungen gibt. In der Steiermark wäre das eine Verdoppelung auf fast 7000 Biobetriebe. Es gibt noch viel Potenzial.
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Auf dem Grazer Hauptplatz steigt am Freitag ab 10 Uhr und am Samstag ab 9 Uhr das jährliche steirische Bio-Fest.
Im Zuge der Grazer Herbstmesse gibt es zudem ab Donnerstag eine Sonderausstellung zum Thema "Bio schaut aufs Ganze" (Halle A, 1. Stock).
Biobauern wollen höhere Milchpreise
GRAZ. Rund 3500 Biobauern bewirtschaften etwa ein Fünftel der steirischen Agrarflächen biologisch. Das schlägt sich auch in der Milchwirtschaft nieder. Mit jährlich 54 Millionen Kilogramm Milch steuern die Biobauern rund 17 Prozent zur steirischen Milchproduktion bei. Die steigenden Futtermittelpreise bereiten allerdings vielen von ihnen zunehmend Schwierigkeiten. 7 bis 9,5 Cent Bio-Zuschlag gibt's pro Kilogramm Milch aus biologischer Produktion - angesichts der hohen Rohstoffpreise zu wenig, klagen die Biobauern.
Seit Monaten laufen daher Verhandlungen mit den Molkereien für höhere Zuschläge ab 2013. "Zumindest zwei Cent mehr müssten es schon sein, damit sich die Produktion wieder rechnet", sagt Herbert Kain, Obmann von Bio Ernte Steiermark. Der Branchenverband will zudem erreichen, dass die Zuschläge künftig flexibler gestaltet sind, um auf Preisänderungen wie die derzeitige rascher reagieren zu können.
Für die neue EU-Förderperiode hofft Kain auf höhere Flächenprämien für Grünlandbauern. "Die haben pro Arbeitskraft den kleinsten Gewinn, sind aber sehr wichtig zur Erhaltung der Humusschichten." GÜNTER PILCH













