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Zuletzt aktualisiert: 24.05.2012 um 17:07 UhrKommentare

Schlechte Noten für Kernöl: Steirer wehren sich

Nur elf von 30 getesteten Kürbiskernölen sind "echte" Österreicher. Die "Guten" sind meist "g.g.A."-Öle aus der Steiermark. Fast zwei Drittel aller Kerne kommen aus dem Ausland.

Foto © Scheriau/Sujet

Aus der Traum vom echten österreichischen Kernöl und seiner reinen Natur. Das zeigt ein Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Grundlage der Untersuchung ist eine in sieben Jahren entwickelte Methode der Montanuniversität Leoben, die auf der Basis seltener Erden einen geografischen Herkunftsnachweis ermöglicht. Zudem wurden die Indizien über den Nachweis typischer Pestizidspuren erhärtet. Doch das Ergebnis dürfte vielen Konsumenten gar nicht schmecken: Denn nur elf von 30 getesteten Kürbiskernölen stammen mit Sicherheit aus Österreich. Der Test hat allerdings einen Haken - er ist nicht hundertprozentig sicher, sondern liefert nur "wahrscheinliche" Ergebnisse. VKI-Geschäftsführer Franz Floss ist deshalb mit Unterstellungen vorsichtig: "Vorsatz lässt sich nicht chemisch analysieren."

Teilweise aus dem Ausland

Sechs Hersteller beziehen ihre Kerne definitiv nicht aus Österreich, sondern sehr wahrscheinlich aus China. Bei elf Produkten stammen die Kürbiskerne vollständig oder teilweise aus dem Ausland bzw. lässt sich die Herkunft nicht bestimmen. Selbst für die Tester überraschend war aber, dass immerhin drei der elf analysierten Öle mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.) keine reinrassigen Steirer sind, wie es sein sollte. Die für diese Öle verarbeiteten Kerne müssten aus festgelegten, heimischen Anbaugebieten stammen.

Laut VKI-Konsument-Test sind "Steirisches Kürbiskernöl g.g.A." von Billa und "Echt Bio" von Penny sowie das Steirische Kürbiskernöl von der "Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A." von Pelzmann von unklarer Herkunft. Damit ist natürlich Feuer am Dach der heimischen Kernölbetriebe. "Da werden völlig falsche Schlüsse gezogen", ärgert sich Klaus Pelzmann, Geschäftsführer der Ölmühle Pelzmann GmbH. "Ich kaufe meine Ware mit offiziellem Zertifikat und mache aus diesen steirischen Kürbiskernen mein Öl. Wir werden von einer externen Kontrollstelle geprüft. Die steigen bei uns in den Silos herum und messen alles." Für ihn ist es ein unklares Wirrwarr, wenn Pestizidrückstände die Herkunft beweisen sollen.

Jenen Erzeugern, deren Öle mit geschützter geografischer Angabe negativ auffielen, will man jetzt besonders auf die Finger schauen. "Es haben ja nicht nur die Käufer dieser Produkte das Nachsehen, sondern auch die anderen Produzenten, die sich korrekt verhalten", stellt Floss klar. Eine Sanktionsmöglichkeit sei der Ausschluss aus dem Verband der g.g.A.-Mitglieder. "Ein hoher Preis ist nicht automatisch ein Indikator für österreichische Herkunft", resümiert VKI-Ernährungswissenschafterin Birgit Beck. "Aber ein günstiges Öl deutet meist auf das Herkunftsland China hin. Auch Auslobungen wie ,pur' und ,rein' sagen nichts. Echt steirisches Kürbiskernöl erkennt man am ehesten noch daran, dass es dunkel und zähflüssig ist und angenehm nussig schmeckt. Ausländische Öle sind oft bräunlich und dünnflüssig, die nussige Note fehlt ihnen."

ROBERT ENGELE, CLAUDIA HAASE

Kommentar

BERND OLBRICHSchwarze Schafe von BERND OLBRICH

Fakten

Auch wenn die Aufmachung häufig sehr danach aussieht, nur 13 von 30 getesteten Produkten stammten wirklich ganz aus Österreich. Denn oft werden Kürbiskerne aus China oder Russland importiert.

Orientieren kann man sich am EU-Siegel "g.g.A.", das bei Kürbiskernöl den Anbau der Kerne in Österreich, das Pressverfahren und den Ort sowie die Art des verwendeten Kürbis garantiert - bis auf einen Verdachtsfall (siehe links), der nun geprüft wird.

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