Ein Grenzkonflikt um Krainer, Kernöl & Co.
Die Steiermark und Slowenien machen sich gegenseitig Marken streitig. Waren es früher die Lipizzaner, so kämpft man heute um das steirische Kernöl und die Krainer-Wurst.

Foto © Sabine Hoffmann
Für vorösterliche Unruhe sorgte die Nachricht, dass die beliebten steirischen Krainer-Würstel schon bald nicht mehr Krainer heißen dürfen, weil unser Nachbar Slowenien sich diesen Namen als Marke schützen lassen will (wir berichteten). Tatsächlich ist die Wurst eines der Nationalgerichte Sloweniens, kommt aus der Region Krain - und hat etwa mit der gleichnamigen steirischen Politikerdynastie rein gar nichts zu tun.
Weil sich die Steiermark und Slowenien aber nicht nur eine gemeinsame Grenze, sondern auch eine lange gemeinsame Geschichte teilen, gibt es im Rahmen gutnachbarlicher Beziehungen auch immer wieder Berührungs- und auch den einen oder anderen Streitpunkt bei den verschiedensten Produkten, die hie wie da zum nationalen Erbe gehören.
So gab es ja schon um die Jahrtausendwende den legendären Streit um die Herkunft der Lipizzaner und noch aktuell den Konflikt um das "Steirische Kürbiskernöl".
Kernöl: Punkt für Steirer?
Indes dürfte Letzterer aus steirischer Sicht bald gegessen sein. Das jedenfalls wird aus Brüssel signalisiert. Schon im Mai soll es offiziell werden, dass der slowenische Nachbar kein "Steirisches Kürbiskernöl über der Mur" verkaufen darf. Im Vorjahr hat Slowenien nämlich diesen EU-Herkunftsschutz für sein Öl beantragt. Dagegen sind Agrarlandesrat Hans Seitinger (VP), Franz Labugger (Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.) und andere Mitstreiter aber Sturm gelaufen. Sie wollen zudem, dass slowenisches Kernöl im Export klar als solches gekennzeichnet wird. "Marke und Herkunft werden immer wichtiger", weiß Hans Seitinger.
Laut Landwirtschaftskammer sollte übrigens auch der Grazer Krauthäuptel unter Schutz gestellt werden. Bei Pflanzen sagt die EU aber Nein.
Zu einigen Verwerfungen mit Slowenien hat der um die Jahrtausendwende geführte Namensstreit um die Lipizzaner geführt. Slowenien beanspruchte 1999, dass ein Pferd nur dann "Lipizzaner" heißen darf, wenn es in Lipica geboren und registriert ist, sowie ein slowenisches Brandzeichen trägt. Der Namensstreit wurde dann aber mit einem Kompromiss beigelegt. Slowenien akzeptierte die rechtmäßige Zuchtnachfolge des Lipizzanergestüts in Piber, Österreich gestand ein, dass die Benennung auf den slowenischen Ort Lipica zurückzuführen ist.
Doch nicht nur Slowenien war heiß auf die majestätischen Pferde. Vier Jahre später ließ sich die Wiener Firma Lecon die Rechte am Begriff "Lipizzaner" sichern. Der Konflikt löste sich erst auf, als das Unternehmen dann doch erkannte, dass seine Erfolgsaussichten gering sind.
Das sagen Steirer zum Krainer-Streit
Alexander Kerl, 57: "Ich kenne dieses Wort seit 50 Jahren. Ich werde weiter meine Käsekrainer bestellen, die Standler wissen eh, was ich dann meine. Verständnis habe ich für solche Vorschläge eigentlich keines, große Protestkundgebungen braucht es bei so einem Thema aber auch nicht geben."
Daniela Stampler, 32: "Das ist ein Spaß, oder? Haben die keine anderen Sorgen? Dann haben sie ja die Krainer und die Kulturhauptstadt. Wir könnten Steirerwurst zur Krainer sagen, oder bei der Käsekrainer Käsewurst oder flüssige Wurst, weil der Käse herausrinnt, wenn man hineinsticht."
Bernd Flock, 58: "Ich wusste nicht, dass die Krainer slowenisch ist. Einen Vorschlag, wie man sie dann nennen könnte, habe ich nicht. In Wien heißt die Käsekrainer ja schon ,Eitrige' - ich weiß aber nicht, ob dieser Begriff in der Steiermark gut ankommen würde."












