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Zuletzt aktualisiert: 13.03.2012 um 10:43 UhrKommentare

Kinderlebensmittel: vor allem süß und fett

Deutsche Konsumentenschützer nahmen 1.500 Kinderprodukte unter die Lupe. Ihre Kritik: die Industrie wolle Kinder möglichst früh "auf ungesundes Junkfood programmieren", eine ausgewogene Ernährung sei damit nicht möglich.

Foto © fotolia.de/miredi

Speziell für Kinder hergestellte Lebensmittel leisten keinen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung, sondern öffnen eher der Fehlernährung Tür und Tor. Dies geht aus einem am Dienstag in Berlin vorgestellten Marktuntersuchung der Konsumentenschutzorganisation Foodwatch hervor, die dafür 1.514 Kinderlebensmittel unter die Lupe genommen hat.

Fazit des Reports "Kinder kaufen": Mit industriell hergestellten Kinderlebensmitteln sei eine ausgewogene Ernährung praktisch unmöglich. Es handle sich dabei nämlich fast ausschließlich um Süßigkeiten und ungesunde Snacks.

Von April 2011 bis Jänner 2012 untersuchte Foodwatch 1.514 Produkte, die sich gezielt an Kinder richten, indem sie etwa die Aufschrift "für kids" tragen, mit Comic-Figuren oder Spielzeug-Beigaben die Aufmerksamkeit auf sich lenken oder Online-Spiele oder Tipps für Schulreferate anbieten. "Die Industrie will Kinder so früh wie möglich auf ungesundes Junkfood programmieren", kritisierte Anne Markwardt von Foodwatch. Dafür gebe es "einen logischen Grund: Mit Obst und Gemüse lässt sich nur wenig Profit machen - mit Junkfood und Softdrinks schon mehr".

Viele Unternehmen behaupteten zwar, einen Beitrag zur ausgewogenen Ernährung von Kindern leisten zu wollen, hätten aber aus betriebswirtschaftlichen Gründen größtes Interesse daran, möglichst viele unausgewogene Produkte zu verkaufen. Die Gewinnmarge bei Obst und Gemüse liege unter fünf Prozent, Süßwaren, Softdrinks und Snacks brächten hingegen Umsatzrenditen von 15 Prozent und mehr.

Foodwatch bewertete die Produkte nach den Kategorien der Ernährungspyramide des vom deutschen Verbraucherministerium geförderten Vereins "aid infodienst Ernährungsdienst, Landwirtschaft, Verbraucherschutz". Danach fallen fast drei Viertel aller Kinderprodukte (73,3 Prozent) in die Kategorie der "süßen und fettigen Snacks", von denen Kinder täglich nicht mehr als eine Hand voll essen sollten. Nur 12,4 Prozent der Erzeugnisse gehören zur Kategorie der Lebensmittel, die reichlich verzehrt werden sollen. Darunter fallen Obst in verarbeiteter Form wie Apfelmus oder Trockenobst, Nudeln, Paradeissoße oder Fruchtsäfte und Saftmischungen.

"Die Lebensmittelindustrie stellt die Kinderernährung auf den Kopf", so Foodwatch. Das Angebot an speziellen Lebensmitteln entspreche ernährungsphysiologisch genau dem Gegenteil dessen, was Experten für eine ausgewogene Ernährung von Kindern empfehlen.


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