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Zuletzt aktualisiert: 14.10.2011 um 20:47 UhrKommentare

Viele Waren überleben ihr Ablaufdatum

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) verwirrt die Konsumenten - und führt dazu, dass Lebensmittel zu früh weggeworfen werden. Dabei wären sie noch genießbar.

Foto © APA | Sujetbild

Das Leben ist bestimmt von Terminen: Geburtstage, Jubiläen, Monatsende. Pünktlichkeit wird großgeschrieben und auf Datumsfristen sind wir konditioniert wie ein Hund auf die berühmte Knackwurst. Ein Datum wirkt wie ein Gesetz. Wenig erstaunlich also, dass bei Lebensmitteln die Datumshörigkeit über den Hausverstand triumphiert und das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) an den Verpackungen den Weg in den Mistkübel diktiert. Dass dadurch aber jährlich viele Tonnen genießbare Lebensmittel in den Hausmüll wandern, kann nicht im Sinn des Erfinders sein. Trotzdem werden allein in Kärnten jährlich bis zu 16.000 Tonnen an Essbarem einfach weggeworfen. Nach Berechnung der Landesregierung sind es allein in der Steiermark 50.000 Tonnen Essen und Essensreste, die jährlich weggeworfen werden. Das entspricht zusammengerechnet etwa 125 Millionen Mahlzeiten im Wert von 150 Millionen Euro. Ein beträchtlicher Teil dieser Menge wäre ohne Weiteres noch genießbar. Dass er dennoch im Müll landet, ist einem weit verbreiteten Missverständnis geschuldet.

Bei einem Großteil dieser Produkte wäre das aber gar nicht notwendig gewesen - denn der Ablauf des MHD bedeutet keinesfalls, dass das Produkt nicht mehr gegessen werden kann. Gewisse Produkte können bei richtiger Lagerung weit über das MHD verbraucht werden (siehe Grafik rechts). Anders verhält es sich mit dem Verbrauchsdatum ("Zu verbrauchen bis . . .") auf den Packungen, das bei sensibler und leicht verderblicher Ware anzeigt, wann endgültig Schluss ist. "Der Unterschied zwischen MHD und Verbrauchsdatum ist allerdings bei den Verbrauchern zu wenig bekannt", sagt Harald Truschner von der Lebensmitteluntersuchungsanstalt.

Nicht nur die Konsumenten, auch der Handel und die Lebensmittelhersteller haben Anteil an der Essensverschwendung. "Der Handel möchte bei Lebensmitteln ein möglichst weitreichendes MHD, um die Waren lang in den Regalen lassen zu können. Die Hersteller hingegen wollen auf Nummer sicher gehen und eine möglichst lange Garantie auf ihre Produkte anbieten können", sagt Nina Zellhofer vom Verein für Konsumenteninformation. Das Problem dabei: Der Hersteller weiß nicht, wie die Lagerbedingungen im Handel sind. Deshalb setzt er das MHD eher knapp an, dementsprechend früh werfen die Konsumenten die Produkte weg, obwohl sie noch länger genießbar wären. "Das Bedürfnis des Handels nach langer Haltbarkeit setzt die Produzenten aber immer mehr unter Druck", sagt Zellhofer. Vielleicht wird dadurch das MHD nicht mehr so früh angesetzt, wie viele Ernährungsexperten fordern.

Fast Food

Auch wenn sich die Datumsgrenze verschieben könnte, den größten Einfluss auf den richtigen Gebrauch haben noch immer die Konsumenten selbst. Zellhofer: "Bei der Einschätzung, ob Lebensmittel noch genießbar sind, sollte man sich auf seine eigenen Sinne verlassen. Passt das Aussehen noch, ist der Geruch normal, diese Fragen sollte man sich stellen." Problematisch nur, dass die Kompetenzen im Umgang mit Lebensmitteln im Schwinden begriffen sind. 2010 kauften schon 30 Prozent der Österreicher regelmäßig Fertigprodukte. 43 Prozent der Gastro-Umsätze werden bereits mit Fast Food gemacht.

JOSEF PUSCHITZ, GÜNTER PILCH

Haltbarkeit von Lebensmitteln

Grafik © KLZ

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Bild vergrößernHarald Truschner untersucht Lebensmittel Foto © KK

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