Kostbares zur Geldvermehrung: Wein als Geldanlage
Die Investition in Wein ist eine der sichersten Wertanlagen. Unabhängig von der Finanzkrise kam beim teuren Rebensaft bislang keine Katerstimmung auf.

Foto © APEine 200er-Imperial-Flasche mit Ausrufungspreis von 29.200 Euro bei Sotheby's
Das steigende Interesse an Wein als Geldanlage überrascht nicht. Die Preise gehen zügig nach oben, denn die wichtigste Eigenart des Weinmarktes ist ein Faktum: es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Spitzenweinen. Die Top-Châteaus wie etwa das Château Pétrus produzieren an die 25.000 bis 30.000 Flaschen pro Jahr. Das Angebot ist begrenzt, die Nachfrage riesig. Man benötigt zwei Dinge, um überhaupt an die begehrten Flaschen zu kommen. Das nötige Kleingeld und die Möglichkeit den Wein überhaupt kaufen zu dürfen.
Die Preise für den jeweiligen Jahrgang werden im Frühsommer festgelegt, obwohl der Wein noch ein bis zwei Jahre in den Fässern reifen muss und erst dann abgefüllt wird. "Jeder Weinjahrgang ist ein völlig eigenständiges Baby mit einem Vater (dem Terroir) und einer Mutter (dem Wetter) und erbt von diesen beiden ganz wesentliche Züge“, erklärt der steirische Winzer und Importeur Günter Müller, der mit seiner Frau Eva eng mit der Weinkultur Frankreichs – das Land mit den teuersten Spitzenweinen – verbunden ist.
Der Käufer bekommt für sein Geld vorerst nur ein "virtuelles Produkt", denn der Handel von hochpreisigen Flaschen wie etwa einem Lafite Rothschild Pauillac Jahrgang 2010 (98-100 Parker-Punkte, ca. 1.800 Euro) läuft in mehreren Tranchen ab. Die Verkostung direkt aus dem Fass und noch vor der Abfüllung wird bereits benotet. Weltweit wird dabei die Klassifizierung des US-Weinexperten Robert Parker ("Parker-Punkte") und des US-Magazins "Wine Spectator" als Gradmesser herangenommen. Dann müssen sich die Kunden bereits anhand von so genannten ?Primeur-Verkaufspreislisten“ für einen Wein entscheiden und vorbestellen - obwohl der Wein noch ein bis zwei Jahre in den Fässern lagert und erst dann abgefüllt wird und in den heimischen Kellern landet. Das Urteil von Robert Parker beeinflusst auch die Performance der Weine an der Weinbörse "Liv-ex": Die zehn Prozent der Weine mit der besten Entwicklung haben eine durchschnittliche Bewertung von 97 Parker-Punkten. Eine hohe Punkteanzahl bedeutet gleichsam eine ordentliche Wertsteigerung.
"Momentan sind die Preise am Limit, es ist einfach unfassbar!"
Der Wein boomt weltweit, vor allem in Asien. "Die Chinesen haben derzeit einen Pro-Kopf-Verbrauch von 0,68 Litern Wein und das hat sich in den letzten beiden Jahren verdoppelt." Zum Vergleich: in Österreich gilt ein Pro-Kopf-Verbrauch von 34 Litern. "Gerade in den fernöstlichen Ländern hat Wein ein sehr positives gesundheitsförderndes Image und ist als Geschenk sehr beliebt." Ein Statussymbol im aufstrebenden China also. Die Preise seien derzeit nach zwei tollen Jahrgängen unverhältnismäßig hoch und werden wohl noch weiter steigen. Diese hochspekulativen Weine sind nur wenigen Käufern vorbehalten, das ist der Wermutstropfen. Günter Müller betont aber, dass viele neue kleine und noch unbekannte Weingüter exzellente Weine um 15,- bis 20,- Euro pro Flasche anbieten wie das Château Senejac vis-à-vis der bedeutendsten Weingüter Frankreichs.
Lohnt sich also die Geldanlage in edle Tropfen? Versteigerungen wie zum Beispiel bei Sotheby?s in London (siehe Bild) bringen massive Gewinne. Doch nur wer sich in der Materie auskennt sollte auch anlegen. Zusätzlich benötigt man auch die passende Lagermöglichkeit für den teuren Wein. Und wenn er doch an Wert verliert? Öffnen, in eine Karaffe gießen, etwas warten und genießen.
Features
Die Top-Weingüter
Die so genannten "Premiers Crus": Château Lafite-Rothschild, Château Margaux, Château Latour sowie Château Haut-Brion und Château Mouton-Rothschild.
Internet-Wein-Börse
Der "Liv-ex" ist der Leitindex für die Weinbörse, die sich zu 95 Prozent aus Bordeaux-Weinen zusammensetzt. Von 2010 bis 2011 hat der Index über 40 Prozent zugelegt.













