Essen ist so sicher, wie jeder es will
Laut Statistik sind Lebensmittel sicher wie noch nie. Der Konsument will das so, aber es darf möglichst nichts kosten.

Foto © APA"Analogkäse" findet sich gerne auf der Pizza
Sag mir, was du isst und ich sage dir, wie sicher du isst. Diese Abwandlung eines bekannten Spruchs soll deutlich machen, dass die Sicherheit unserer Lebensmittel keine kollektive Garantie ist, der jeder blind vertrauen kann, sondern trotz aller Fortschritte nach wie vor stark vom Verhalten des Einzelnen abhängt. Wenn das mit höchsten Sicherheitsstandards erzeugte Produkt zu Hause falsch gelagert wird und vergammelt, ist es kein sicheres Lebensmittel mehr.
Das Testprogramm
Bund und Länder erstellen jährlich einen Proben- und Revisionsplan, welche Lebensmittel wie kontrolliert werden. Der Schwerpunkt wurde von der Endkontrolle dahin verlagert, wo Risiken tatsächlich auftreten.
Sicherheit in der Ernährung begleitet den Menschen praktisch seit jeher. Das Wissen um sichere Ernährung war in der Höhle der Steinzeitmenschen ebenso lebenswichtig, wie es heute die Errungenschaften sind, mit denen große Teile der Weltbevölkerung weitestgehend sicheres Essen auf den Tisch bekommen. Der steigende Aufwand für die Sicherheit folgt einer klaren Logik. Wenn in der Steinzeithöhle ein Nahrungsmittel nicht sicher war, betraf das eine Handvoll Bewohner. Gibt es heute in einer Teigwarenfabrik ein Problem, können mit einem Schlag Hunderttausende betroffen sein.
Entsprechend groß muss der Aufwand in diesem sensiblen Bereich sein und entsprechend groß ist die öffentliche Aufmerksamkeit. Dass viele Bürger zwischen berechtigter Sorge und irrationaler Hysterie schwanken, darf nicht verwundern. Es geht ums tägliche Brot, auch wenn es zu Fertiggericht und Fast Food mutiert ist. Da muss auch Platz sein für irrationales Verhalten.
Hauptsache billig
Umfragen im Auftrag der Agentur Agrarmarkt Austria (AMA) zeigen das. Das Wichtigste beim Essenskauf ist für den Durchschnittsbürger der Preis. Erst an dritter Stelle - nach der Frische - kommt die Qualität. Aber die Qualität darf nichts kosten, ergab eine Befragung des Market-Instituts. Nur vier Prozent der Konsumenten würden für mehr Sicherheit auf jeden Fall mehr zahlen. Ein Drittel hält ein Maximum an Sicherheit mit Super-Diskonttarifen für gerecht bewertet. Die Hamburger "Zeit" kommentiert trocken: Wer billige Lebensmittel kauft, will gar nicht wissen, wie sie produziert wurden.
Die Skandale der letzten Zeit haben ein allgemeines Misstrauen besonders gegenüber Eiern und Geflügel und generell gegenüber Fleisch weiter gesteigert. Also fordern die Österreicher, dass Lebensmittel öfter und strenger kontrolliert gehören. Aber primär soll - so die Umfrage - geprüft werden, ob das Ablaufdatum stimmt und ob die Aussagen auf der Verpackung richtig sind. Kontrolle der Qualität ist offenbar viel weniger vordringlich.
Fledermäuse im Test
Sicherheit auf Beinen
Österreichs Tierärzte machen im Jahr 300.000 Tests an Rindern, 15.000 an Schweinen und ziehen 36.000 Tankmilchproben. 9000 Tiere werden auf Tollwut untersucht. Auch 360 Fledermäuse gehören zum "Testprogramm".
Die Maschinerie, die für die Sicherheit der heimischen Lebensmittel werkelt, lässt sich von den widersprüchlichen Signalen der Menschen nicht irritieren. Unter dem Dach der staatlichen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) sind Spezialisten von Bund und Ländern im Zusammenwirken mit Fachleuten der Privatwirtschaft in diesem Sinne tätig. Im Auftrag der Ages werden pro Jahr in Österreich rund 400.000 veterinärmedizinische Tests an Nutztieren vorgenommen, rund tausend Mal werden Futtermittel geprüft und 30.000 Lebensmittelproben werden gezogen und ausgewertet. Allein die BSE-Tests an toten Rindern kosten jährlich mehr als zwei Millionen Euro. Zur Vermeidung der Tollwut untersuchten die Ages-Veterinäre auch 360 Fledermäuse - alles mit dem Ziel möglichst sicherer Lebensmittel für die Konsumenten.
Dieser Teil der Lebensmittelsicherheit kostet pro Jahr weit mehr als 100 Millionen Euro, die nur zur Hälfte aus Steuergeldern kommen. Die Unternehmen steuern im eigenen Interesse große Summen bei, indem sie an die Ages etwa Prüf- und Forschungsaufträge vergeben. Zur staatlichen Ages hat sich eine Vielzahl hoch spezialisierter privater Firmen gesellt, die ebenfalls im Auftrag der Sicherheit unserer Lebensmittel tätig ist.
Die Testmethoden im Auftrag der Lebensmittelsicherheit konnten allerdings nicht verhindern, dass vor einem Jahr ein steirisches Unternehmen gefährliche Listerien in seinem Käse zuließ. Doch es konnten durch die Ages im Nachhinein praktisch alle Konsumenten des Produktes ausgeforscht werden. Auch jene, die zu Tode gekommen waren.
Vorreiter Österreich
Beim jüngsten Skandal um dioxinverseuchtes Futter in Deutschland wies der zuständige Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) auf eine Vorreiterrolle Österreichs hin. Es habe sich gezeigt, dass die heimischen Futtermittelkontrollen eben um das entscheidende Quäntchen besser sind als die in anderen Ländern.
Bessere wissenschaftliche Methoden und mehr Kontrollen bringen objektiv bessere Ergebnisse. Die Beanstandungen der Ages über Pestizide in Obst und Gemüse waren vor zehn Jahren noch vier Mal so hoch wie 2010. Und wegen diverser Beanstandungen erlaubt das Gesetz jetzt den Prüfern, früher Alarm zu schlagen als bisher. Die Zahl der Produktwarnungen stieg seither signifikant. Aber auch das nützt nur jenen, die sich selbst aktiv um die Sicherheit der Lebensmittel kümmern, die sie essen.
Features
Serie
Alles in Butter mit unserem Essen? Die Kleine Zeitung geht dieser Frage in einer Serie nach.
Schutz vor Schummlern
"Schummelschinken", "Analogkäse" oder "Klebefleisch" können durch DNA-Analyse enttarnt werden. Das Problem für die Prüfer ist: Nicht alles, was geschummelt ist, ist gleichzeitig auch eine Sicherheitsgefährdung.












