Rohstoff-Roulette: Weizenpreis im Keller
Die Rohstoffpreise spielen verrückt: Nach dem steilen Preisanstieg kam jetzt ein rapider Preisverfall. Spekulanten sollen inzwischen Kassa gemacht haben. Die Lebensmittelpreise bleiben stabil.

Foto © APA
Nach den drastischen Preissteigerungen der vergangenen Wochen hat sich Weizen am Montag wieder deutlich verbilligt. In den USA lagen die Preise um 19 Prozent unter dem Zwei-Jahres-Hoch von Freitag. Auch in Europa verbilligte sich Weizen von knapp 230 Euro pro Tonne am Freitag auf nunmehr 205 Euro. Dies ist der dramatischste Kursverfall seit 14 Jahren. In den sechs Wochen zuvor hatte sich der Weizenpreis unter anderem wegen der Dürre in Russland nahezu verdoppelt.
An den Börsen führt man die extremen Preisausschläge auf Spekulanten zurück, die nach Gewinnmitnahmen den Weizen wieder auf Talfahrt geschickt haben. Denn die Finanzbranche dreht auch auf dem Markt für Nahrungsrohstoffe ein immer größeres Rad. Längst haben global operierende Banken und große Fonds den Rohstoffmarkt als lukratives Spielfeld entdeckt und bewegen Hunderte von Milliarden. Verlierer beim Roulettespiel der Spekulanten sind die Ärmsten dieser Welt. Die Aktivitäten der Spekulanten haben in den letzten Jahren sukzessive zugenommen, da die Marktregulierung der EU zurückgenommen wurde. Damit gab es mehr freie Mengen an Weizen auf dem Markt. Zugleich wuchsen die Preisausschläge, die früher durch die Interventionssysteme der EU abgefangen wurden.
Export-Sperre
Eigentlich hätte die Feuersbrunst in Russland die Preise weiter in die Höhe treiben müssen. Im Osten drohen dramatische Ernteausfälle, Ministerpräsident Wladimir Putin hat zumindest bis zum Jahresende sogar ein Ausfuhrverbot für Weizen verhängt. Das führte zu Wochenbeginn jedoch nicht zu steigenden, sondern zu fallenden Preisen. Informationen aus den USA zufolge richten die Händler und Spekulanten ihre Aufmerksamkeit jetzt auf die Prognosen des US-Landwirtschaftsministeriums zur weltweiten Weizenproduktion und den Lagerbeständen.
Auf die Lebensmittelpreise sollte sich die Berg- und Talfahrt der Rohstoffpreise nicht allzu stark auswirken. Bei einer Semmel macht Weizen gerade einmal fünf Prozent der Kosten aus, bei Bier weniger als zwei Prozent. Zudem ist die Industrie durch langfristige Verträge abgesichert, und die Lager gelten als voll. Bauernvertreter verweisen überdies auf den Umstand, dass trotz des rapiden Verfalls der Getreidepreise vor einigen Jahren Brot und Gebäck um keinen Cent billiger wurden.












