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Zuletzt aktualisiert: 01.04.2010 um 17:08 UhrKommentare

Die lange Reise einer Osterjause

Bewusster Einkauf kann die Transportwege des Festmahls massiv reduzieren. Ein Test ergibt, dass jedes Produkt aus der Umgebung zu haben ist - oder aus weit entfernten Regionen.

Foto © Fuchs

Noch wenige Tage sind es bis zur Osterjause am Karsamstag. Derzeit aber auch in aller Munde: der Klimaschutz. Und deshalb fragte die ÖAMTC-Akademie: Wie umweltbewusst ist der Osterhase unterwegs? Wie viele Kilometer legen Schinken, Eier und Pinze zurück, ehe sie auf unseren gedeckten Tischen landen?

Keine Frage: Wer auf Umwelt und regionale Hersteller achtet, kauft steirische Ware. Wer im Supermarkt dagegen unbedacht zugreift, dessen Ostermahl hat mehrere tausend Kilometer auf dem Buckel. Wie beim Test: Lammfleisch aus Neuseeland zum Beispiel schlägt sich mit mehr als 21.000 Transportkilometer zu Buche. "Wir haben zwei Menüs vorbereitet", erklärt Christine Zach (ÖAMTC): "Das internationale bringt es auf mehr als 24.000 Kilometer, jenes mit österreichischen Produkten auf 1280. Diese Strecken mit dem Auto zurückgelegt, ergibt einen Unterschied in der CO2-Bilanz von 2,7 Tonnen."

Die Wege der steirischen Osterjause

Der KrenKren kommt auf jeden Fall aus der Steiermark: Die Familie von Franz Tappauf (Eichkögl) zählt seit Generationen zur Krenbauernelite. Entfernung: 38 Kilometer.
Die OsterpinzeDie Pinze im Supermarkt wird im 613 Kilometer entfernten Dornbirn gebacken. Oder bei Silvia Lanz aus Nestelbach (20 Kilometer).
Die EierDie "Sechs bunten Eier“ aus dem Supermarkt werden aus Wien geliefert (200 km). Es geht auch so: Die Familie Reitzer-Ferl in Vasoldsberg ist nur neun Kilometer von Graz entfernt.
Das OsterfleischDer Schinken aus dem Tiroler Pians legt 535 Kilometer bis zum Verkauf in Graz zurück. Viel näher ist der steirische Doppelgold-Sieger der heurigen Osterfleischprämierung: Die Familie Glieder wohnt in Gleisdorf (30 Kilometer).
Der SchokohaseDer Osterhase aus Schokolade legt von Belgien nach Graz rund 1300 Kilometer zurück. Das mit Gold prämierte Gebildgebäck von Franziska Hiebaum aus Hart-Purgstall dagegen nur 15.

Auch die Kleine Zeitung wollte es genau wissen und stellte einer österreichischen Osterjause (mit einem Schokohasen aus Belgien) eine steirische gegenüber. Fazit: Das Festessen ist 2691 oder eben nur 112 Kilometer unterwegs. Einzig der Kren kam bei beiden Einkäufen aus der Steiermark. Dass steirisch einzukaufen nicht nur Transportwege verkürzt, sondern auch geschmacksverstärkend wirken kann, beweist unsere schillernde Auswahl. So erhielt etwa Franziska Hiebaum heuer eine Goldprämierung von der Landwirtschaftskammer, Familie Glieders Osterschinken angelte sich gleich Doppelgold. Mit ihrem Osterbrot machte sie heuer zwar "nur" Bronze, ihr Holzofenbrot brachte jedoch den Landessieg.

Konsumpatriotismus

Seit Generationen legendär ist die Familie von Franz Tappauf mit ihrem Kren und Freilandeier-Lieferant Reitzer-Ferl ist auch weithin bekannt für hausgemachte Nudeln. Nicht nur diese Landwirte leisten echte Geschmacksverstärkung. Kammer-Präsident Gerhard Wlodkowski ist stolz: "Alle Köstlichkeiten, die traditionell den Festtagstisch decken, gibt es in der näheren Umgebung." Und: "Jeder, der zu heimischen Lebensmitteln greift, schafft Arbeitsplätze in der Region und schützt die Umwelt durch die kürzeren Transportwege." Konsumpatriotismus werde aber auch im Handel vorgelebt, meint Corinna Tinkler von Rewe. Bleibt nur noch die Entscheidung des Konsumenten abzuwarten. Und, wie entscheiden Sie sich nun?

HANNES GAISCH, ROBERT PREIS

Transportwege der Osterjause

Grafik © ÖAMTC

Grafik vergrößernGrafik © ÖAMTC

Foto

Foto © Privat

Corinna Tinkler ist Sprecherin von Rewe Foto © Privat

"Sich leisten, was man sich sonst nicht gönnt"

1. Frau Tinkler, Ostern ist auch ein großes kulinarisches Fest. Ein Anlass für die Konsumenten, auf heimische Kost zu achten?

CORINNA TINKLER: Der Österreicher greift grundsätzlich gerne zu österreichischer Ware. Wir bieten zum Beispiel bei Eiern, Frischfleisch und Trinkmilch ausschließlich österreichische Lebensmittel an.

2. Bauern fordern aber immer wieder massiv Konsumpatriotismus ein. Ganz so eindeutig ist die "Zugriffsrate" der Konsumenten also nicht, oder?

TINKLER: Den Wunsch nach Konsumpatriotismus unterstützen wir. Wichtig ist es, auf die Qualität österreichischer Produktion aufmerksam zu machen, was die Landwirtschaft auch macht.

3. Werden Bioprodukte zu Ostern ganz besonders bevorzugt - auch bei der Auslobung der Produkte im Geschäft?

TINKLER: Es gibt kaum ein Land, das bei Bio so stark ist wie Österreich. Bioprodukte sind das ganze Jahr über beliebt, nicht nur zu Ostern. Zu Ostern leistet sich der eine oder andere vielleicht aber etwas, das er sich sonst nicht gönnt.

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