Liebe is(s)t schmackhaft
Franz Peier lädt mit "Sex über den Gaumen" zu einem Kochkurs der besonderen Art. Kochmutige erwartet ein lustvoller Gaumenkitzel der Sonderklasse. Ein Erfahrungsbericht.

Foto © www.derkrug.at / Werner KrugDie Kochschüler und -schülerinnen in vollem Einsatz
"Bei uns gibt's nur eine Regel,
fühlt's euch ganz wie
zu Hause aber benehmt's
euch nicht so", begrüßt
Franz Peier die illustre Schar der
Kochjünger in einem mit Kunst
und Kuriositäten vollgestopften
Kellerlokal in der Grüne Gasse.
Vier Frauen und drei Männer sind
bereit, sich in die Kunst der aphrodisischen
Küche einweihen zu
lassen. Zur Sicherheit treten
alle paarweise auf, auf
Robert wartet zumindest
daheim die bessere
Hälfte. Nur ich bin
Single und den Nachwirkungen
von Peiers
Menü schutzlos ausgeliefert.
Mit Schürze. Nach dem
Aperitif werden die
Schürzen ausgeteilt,
meine ist zeltgroß, immerhin
Platz genug für die
insgesamt sechs Gänge, die
es nach und nach zu verspeisen
gilt. Mit Weinbegleitung.
Küchenakrobat. Franz Peier, Kochweltmeister bei
der Singapur-Koch-Olympiade
1996, Praktika von den Bermudas
über Asien bis hin zum Fünf-Sterne-
Kreuzfahrtschiff, hat alles vorbereitet:
Auf jedem Schneidbrett
liegen zwei beängstigend scharfe
Messer. Aber es fließt kein Blut.
Dafür wird gehackt, geschnetzelt,
filetiert, geschmackvoll dekoriert,
dass ich mit dem Schauen gar
nicht mehr nachkomme.
Wie der erste Kuss. Herbert, der schon an 20 Kursen
teilgenommen hat, ist ein kongenialer
Küchenjunge, er ruft auch
immer wieder mahnend: "Das
steht aber nicht im Rezept!" Dann
lächelt der Meisterkoch nur
verschmitzt. Übrigens war
es die Liebe, die Peier dazu
gebracht hat, sein Wanderleben
aufzugeben.
Nun frönt er seiner Leidenschaft
für frische und
qualitativ hochwertige
Zutaten in Graz. "Kochen
ist sinnlich", führt er aus.
"Tennis spiele ich gegenüber,
bei Golf gehe ich hinten
nach. Kochen ist eine gemeinsame
Freude. Essen soll
so kitzeln und den Gaumen beanspruchen
wie der erste Kuss. Aber
nicht 'Küss die Oma!'" Auch Vielfalt
ist wichtig. "Weil wenn ich jeden
Tag 'Schatzi' sag, wird's auch
langweilig", nimmt er eine Anleihe
aus dem täglichen Liebesleben.
Und fügt hinzu: "Eigentlich ist
Schatzi ohnehin ein Klonwort aus
Schaf und Ziege." Wieder etwas
gelernt fürs Leben! Wehe, irgendwer
sagt jemals wieder "Schatzi"
zu mir!
Kopferl und Arscherl. Natürlich tun die Zutaten ihr Übriges,
um Spannung aufkommen zu
lassen. Da wimmelt es von Fisch,
vom Thunfisch bis zum Schwertfisch,
Spargel wird verzehrt, Gewürze
wie Chili schüren das Feuer.
Robert bekommt eine undankbare
Aufgabe zugeteilt: "Kopferl
weg, Arscherl weg und neun dünne
Scheiben", sagt Peier und stellt
schwungvoll eine Ananas aufs
Brett. Robert vewendet eine ausgefeilte
Technik, letztlich sind es
aber doch nur acht Scheiben.
Beim vorletzten Gang muss ich
passen. Sonst hat die Nachspeise
keinen Platz mehr. Sie ist üppig
und sehr süß. Und eine Ersatzbefriedigung
- aber zu mehr, Single
hin oder her, ist ohnehin keiner
mehr fähig.
Lustmacher
Als erotisierend
gelten unter anderem
Apfel, Auster,
Ei, Erdbeere, Granatapfel,
Honig,
Hummer, Kaviar,
Petersilie, Schokolade,
Sellerie, Senf,
Trüffel, Wein,
Zwiebel.
Die moderne
Wissenschaft ist
skeptisch, aber zumindest Weizen
wird wegen des
hohen Vitamin-E-Gehaltes
etwas
erotisierende
Wirkung zugestanden.
Foto

Kursteilnehmerin und Autorin der Reportage, Mirella Kuchling, schwingt die KochzangeFoto © www.derkrug.at / Werner Krug
Kursteilnehmerin und Autorin der Reportage, Mirella Kuchling, schwingt die KochzangeGrafik © www.derkrug.at / Werner Krug












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