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Zuletzt aktualisiert: 02.09.2010 um 16:56 UhrKommentare

Leid und Liebe am Lido: Ein "Friedensschrei" für Nahost

Der New Yorker Regisseur und Maler Julian Schnabel bricht mit "Miral" eine Lanze für die Palästinenser.

Schnabel mit Drehbuchautorin Rula Jebreal

Foto © ReutersSchnabel mit Drehbuchautorin Rula Jebreal

Aktueller hätte der Stapellauf am Lido kaum sein können. Während US-Präsident Barack Obama den Nahost-Friedensprozess ankurbelt, kommt vom Lido eine politisch-künstlerische Flankierung: Der New Yorker Regisseur und Maler Julian Schnabel ("Schmetterling und Taucherglocke") ging am Donnerstag mit einem "Schrei nach Frieden" in den 67. Wettbewerb um den Goldenen Löwen von Venedig.

In seinem fünften Film "Miral" zeichnet der Künstler der wilden Farben das Leiden palästinensischer Frauen nach. Sollte Venedig im Jahrgang 2010 einen "politischen Löwen" vergeben wollen, gäbe es für die Jury unter Quentin Tarantino bereits einen Anwärter. Auch wenn "Miral" etwas schlicht daherkommt, und mit pädagogischem Zeigefinger.

Die internationalen Medien nahmen etwas zurückhaltend auf, was am Abend nach dem Gang über den roten Teppich Weltpremiere haben sollte: Der Regisseur mit den jüdischen Wurzeln griff den erfolgreichen Roman "Miral" der muslimisch-arabischen Schriftstellerin Rula Rebreal auf - er bereiste die seit Jahrzehnten nun von Krieg und Gewalt gepeinigte Region und drehte den Film. Der, wie der 58-Jährige sagt, eben nach Frieden nur so schreit. Und der allen auf beiden Seiten gewidmet ist, die trotz der vielen Rückschläge noch an ein harmonisches Miteinander von Israelis und Palästinensern glauben. "Ein Dialog ist möglich, was gut ist für die Palästinenser, das ist auch gut für die Israelis", so Schnabel am Lido: "Der Konflikt muss so schnell wie möglich beendet werden." Diese Botschaft solle in möglichst vielen Ländern ankommen.

Nun, die Geschichte von vier palästinensischen Frauen wird aus deren Sicht gezeigt, die Autorin Rebreal schrieb auch das Drehbuch: 1948 nimmt die engagierte Hind Husseini 55 Waisenkinder auf, Opfer der Gewalt im Zuge der Gründung des Staates Israel. Tausende werden es später sein, die in dem zur Schule umgebauten Haus ihrer Familie eine Bleibe finden. Dazu stößt Miral ("Slumdog-Millionaire"-Beauty Freida Pinto). Die Liebe zu einem politischen Aktivisten bringt sie zeitweise vom Weg ab, doch kehrt Miral zur Ersatzmutter und zu deren Losung zurück - Bildung ebnet den Weg zum Frieden, nicht die Gewalt. Eine einfache Message, sicherlich nicht falsch, aber auch nicht neu ist.

Ja, auch um Liebe gehe es, sagt Schnabel: Hind Husseini (Hiam Abbass) liebt ihre Waisenkinder, ein Vater will seine Tochter mit allen Mitteln vom Weg in den Terror abbringen, diese jedoch steht zu ihrem Hani (Omar Metwally). Die Menschen beider Seiten verbinde mehr als sie trenne, versucht Schnabel seinen nahöstlichen Brückenschlag.

Um Liebe, Leiden und Tod dreht sich auch alles in dem japanischen Wettbewerbsfilm "Norwegian Wood" von Tran Anh Hung. Auf mehr als zwei Stunden in die Länge zieht der Löwen-Gewinner von 1995 ("Cyclo") das nach einem Beatles-Song benannte Werk: Der junge Watanabe kommt nicht von seiner seelisch stark geschädigten Liebe Naoke los. Er fühlt sich für sie verantwortlich und kann sich erst nach ihrem Selbstmord einer so ganz anders gepolten Frau zuwenden. Wer sich auf den ruhigen und elegischen Film mit seinen überzeugenden Schauspielern einlässt, der kommt auf seine Kosten. Doch etliche Journalisten verließen den Saal vorzeitig, gingen bei schönstem Spätsommerwetter wohl lieber am Lido ein Glas trinken und lasen im Katalog, was das Festival demnächst so bietet. Zum Beispiel "Somewhere", das jüngste Werk von Sofia Coppola.


Filmfestspiele Venedig

www.labiennale.org

Die 69. Filmfestspiele von Venedig finden vom 29. August bis zum 08. September 2012 statt.

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