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Zuletzt aktualisiert: 27.02.2012 um 14:52 UhrKommentare

Oscar-Triumph für Stummfilm "The Artist"

Fünf Auszeichnungen für die französische Stummfilm-Hommage und Scorseses "Hugo Cabret". Dritter Oscar für Meryl Streep, erster für Christopher Plummer. Steven Spielberg und George Clooney gingen leer aus.

Foto © AP

Am Ende war es ausgerechnet ein Stummfilm, der den großen Kenner der Filmgeschichte, Martin Scorsese, besiegte: Das französische Schwarz-Weiß-Opus "The Artist" von Regisseur Michel Hazanavicius hat bei der 84. Oscar-Verleihung in Los Angeles über das farbgewaltige 3D-Werk "Hugo Cabret" von Hollywoods Altmeister triumphiert. Insgesamt fünf Academy Awards - darunter in den wichtigen Kategorien Bester Film, Beste Regie und Bester Hauptdarsteller - konnte "The Artist" erringen. Zwar kam auch der mit elf Nennungen meistnominierte "Hugo Cabret" auf fünf Goldstatuetten - allerdings vorwiegend in den weniger renommierten technischen Kategorien. Ansonsten purzelten bei der zum neunten Mal von Gastgeber Billy Crystal souverän moderierten Gala einige Rekorde.

Dritter Oscar für Meryl Streep

Geschichte schrieb etwa Schauspiellegende Meryl Streep mit ihrer 17. Nominierung für ihre Darstellung von Margaret Thatcher in "Die eiserne Lady", die sie am Abend in ihren dritten Oscar ummünzen konnte. Auch in der Kategorie der besten Nebendarsteller galt es, einen Rekord zu feiern: Nach sechs Jahrzehnten dauernder Karriere durfte sich Christopher Plummer für seinen Part in "Beginners" erstmals den verdienten Oscar abholen und geht damit als ältester je ausgezeichneter Schauspieler in die Annalen der Academy Awards ein. Rekord Nummer drei stammt vom Triumphator bei den Hauptdarstellern: Hier holte sich Jean Dujardin für seine Interpretation eines am Tonfilm scheiternden Stummfilmstars in "The Artist" als erster Franzose den "Goldjungen" in der bedeutenden Kategorie.

Die Oscars gingen an:

5 Oscars: "Hugo Cabaret"
5 Oscars: "The Artist"
2 Oscars: "Die Eiserne Lady"
1 Oscar: "The Descendants", "The Help", "Verblendung", "Beginners", "Midnight in Paris", "The Muppets"
0 Oscars (trotz mehrfacher Nominierungen): "Moneyball", "Gefährten"

Dass man für einen Oscar-Sieg bisweilen Geduld braucht, zeigte die Auszeichnung für das beste Originaldrehbuch an Woody Allen für "Midnight in Paris". Der traditionell den kompetitiven Charakter der Gala durch Abwesenheit boykottierende Filmemacher kann allein in der Drehbuchkategorie auf 15 Nominierungen zurückblicken, hatte jedoch seit 25 Jahren keinen Academy Award mehr erhalten.

Verhältnismäßig kurz ist hingegen die Filmkarriere von Octavia Spencer, die entsprechend überwältigt den Nebenrollen-Oscar der Frauen für ihre Rolle als Dienstmädchen im Südstaatendrama "The Help" entgegennahm. Den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch durften sich Regisseur Alexander Payne und seine Co-Autoren Nat Faxon und Jim Rash für "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten" mit nach Hause nehmen. Den Oscar für den besten Animationsfilm sicherte sich Gore Verbinskis ironisches Westernstück "Rango".

Ebenfalls wenig überraschend war der Preis für den besten nicht englischsprachigen Film, der an den Berlinale-Gewinner "Nader und Simin - Eine Trennung" von Regisseur Asghar Farhadi ging. Dieser widmete die Auszeichnung dem iranischen Volk, "das alle Kulturen und Zivilisationen respektiert und Feindseligkeit und Ressentiments verachtet" - eine angesichts des eskalierenden Atomstreits mit dem Regime in Teheran politische Aussage. Deutschlands Oscar-Hoffnung Wim Wenders musste sich in der Sparte Dokumentarfilme mit seinem 3D-Tanzessay "Pina" dem US-Streifen "Undefeated" geschlagen geben - was auch für die von der Wiener Firma Sabotage Filmproduktion koproduzierte Doku "Hell and Back Again" galt.

Die komplette Liste aller Gewinner

Bester Film: "The Artist"
Beste Regie: Michel Hazanavicius für "The Artist"
Beste Hauptdarstellerin: Meryl Streep in "Die Eiserne Lady"
Bester Hauptdarsteller: Jean Dujardin in "The Artist"
Beste Nebendarstellerin: Octavia Spencer in "The Help"
Bester Nebendarsteller: Christopher Plummer in "Beginners"
Bester nicht-englischsprachiger Film: "Nadar und Simin - Eine Trennung" (Iran)
Bester Dokumentarfilm: "Undefeated"
Bester Animationsfilm: "Rango"
Beste Filmmusik: "The Artist"
Bester Originalsong: "Man or Muppet" aus "Die Muppets"
Bestes Originaldrehbuch: "Midnight in Paris"
Adaptiertes Drehbuch: "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten"
Beste Kamera: "Hugo Cabret"
Bester Schnitt: "Verblendung"
Beste Spezialeffekte: "Hugo Cabret"
Beste Ausstattung: "Hugo Cabret"
Beste Kostüme: "The Artist"
Beste Maske: "Die Eiserne Lady"
Bester Ton: "Hugo Cabret"
Bester Tonschnitt: "Hugo Cabret"
Bester animierter Kurzfilm: "The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore"
Bester Kurzdokumentarfilm: "Saving Face"
Bester Kurzfilm: "The Shore"

Alles in allem präsentierte sich in Los Angeles am Sonntagabend ein Hollywood, das unter dem Motto "Die Gegenwart feiern und auf die glorreiche Vergangenheit zurückschauen" Tradition bis an die Grenze zur Nostalgie verherrlichte. Die beiden dominanten Werke "The Artist" und "Hugo Cabret" huldigen früheren Epochen der Traumfabrik Kino und mit Streep, Plummer sowie Allen wurden verdiente Veteranen geehrt. Zusätzlich berichteten in Einspielern Hollywoodgrößen von ihrer ersten Begegnung mit dem Medium, während Moderator Billy Crystal vor der Kulisse eines alten Kinoeingangs durch den Abend führte. Hollywood suchte die Selbstvergewisserung offensichtlich in der Rückschau.

Quelle: APA

Die Oscars auf kleine.at

AP

Die Kleine Zeitung DIGITAL berichtete von der Oscar-Nacht live im Ticker von der Übertragung der Academy Awards-Verleihung in Los Angeles - lesen Sie das Protokoll der Verleihung.

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Oscar-Fakten

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Die Oscar-Verleihung findet am 24. Februar in Los Angeles (Ortszeit) statt. Der begehrte Filmpreis wird heuer zum 85. Mal verliehen.

 


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