Altmeister Allen und Scorsese rittern um Regie-Oscar
Der "The Artist"-Regisseur Michel Hazanavicius wird als Favorit für den Regie-Oscar gehandelt, aber auch Terrence Malick, Martin Scorsese und Woody Allen dürfen sich Chancen ausrechnen. Nur Außenseiter ist wohl Alexander Payne.

Foto © APA / ReutersZwei ältere Herren mit Hornbrille haben gute Chancen auf den Regie-Oscar: Martin Scorsese (links) und Woody Allen
Terrence Malick (68), Martin Scorsese (69) und Woody Allen (76) - es ist ein hochkarätiges Altmeistertrio, das heuer um den Regie-Oscar rittert. Ihre Konkurrenten sind deutlich jünger. Der 51-jährige Alexander Payne hat bereits einen Oscar - allerdings "nur" für das adaptierte "Sideways"-Drehbuch, für das er 2005 ausgezeichnet wurde. Der Pariser Michel Hazanavicius (44) hat zwar noch keinen Oscar, dafür aber für "The Artist" Regie-Auszeichnungen wie einen BAFTA-Award und zuletzt die vom Verband der US-Regisseure (DGA) in Los Angeles vergebene Trophäe. Seit 1948 haben es nur sechs DGA-Sieger nicht geschafft, im gleichen Jahr auch den Regie-Oscar zu holen.
Hazanavicius setzt auf Stummfilmcharme
Michel Hazanavicius, der in seiner Heimat Frankreich bisher vor allem durch seine Agentenparodien rund um den Oscar-nominierten "The Artist"-Hauptdarsteller Jean Dujardin als Geheimagent OSS 117 bekanntwurde, darf daher als Favorit gelten - und ist für sein Drehbuch und (gemeinsam mit Anne-Sophie Bion) für den Schnitt noch weitere zweimal nominiert. Seine in eine Liebesgeschichte verpackte Hommage an die Ablösung des Stummfilms durch den Tonfilm beschreitet mit Witz und Intelligenz neuartige Wege und erweist dabei der Geschichte des Kinos Reverenz. Nicht zuletzt dank eines glänzenden Casts mit Dujardin, Hazanavicius' Ehefrau Berenice Bejo und Terrier Uggie und der um die Oscars erregten Aufmerksamkeit dürfte "The Artist" auch ein Publikum ansprechen, das eher 3D-Action als schwarz-weißen Stummfilmcharme gewöhnt ist.
Neue Technik und Charme zugleich weist Martin Scorseses insgesamt elfmal nominierte Kinderbuchverfilmung "Hugo Cabret" auf - ein malerisches 3D-Märchen, in dem zwei Waisenkinder im Paris der frühen 1930ern auf die Spur des verschollenen Kinopioniers Georges Melies kommen. Scorsese, Ehrenpräsident des Österreichischen Filmmuseums, setzt sich auch sonst kenntnisreich mit der Geschichte der Filmkunst auseinander. Eine sentimentale Würdigung seines Lebenswerks hatte der Enkel italienischer Einwanderer, der mit Werken wie "Taxi Driver", "Raging Bull" oder "Good Fellas" selbst Filmgeschichte geschrieben hat, freilich bereits 2006 erfahren, als er nach sechs erfolglosen Anläufen für "The Departed" endlich einen Oscar erhielt.
Allen gilt als Dauer-Arbeiter
Terrence Malick und Woody Allen - größer könnte der Gegensatz kaum sein: Während das bisherige Lebenswerk des zurückgezogenen Mystery-Mans aus Illinois aus ganzen sechs Filmen besteht - "Lanton Mills" (1969), "Badlands" (1973), "Days of Heaven" (1978), "The Thin Red Line" (1998), "The New World" (2005) und das nun nominierte, in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnete philosophische Drama "The Tree of Life" - dreht Woody Allen dagegen seit Ende der 1960er praktisch jedes Jahr einen Film. Fast zwei Dutzend Mal war er für Academy Awards nominiert, dreimal durfte er den Oscar mit nach Hause nehmen: Für das Drehbuch zu "Hannah und ihre Schwestern" (1986) sowie für "Der Stadtneurotiker" (1977, Drehbuch und Regie). Mit der Zeitreisekomödie "Midnight in Paris", die die Filmfestspiele von Cannes eröffnet hat, ist er nun erneut in den Kategorien Regie und Drehbuch nominiert.
Bleibt noch Alexander Payne. Der US-Amerikaner mit griechischen Wurzeln verzeichnete seine bisher größten Erfolge 2002 mit der Romanverfilmung "About Schmidt" (mit Jack Nicholson und Kathy Bates) und 2004 mit dem in die kalifornischen Weinberge führenden "Sideways". Für das auf Hawaii spielende Drama "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten" mit George Clooney in der Rolle eines Anwalts und Familienvaters in der Lebenskrise dürfte der Regie-Oscar - trotz eines Golden Globes als bestes Filmdrama - aber wohl doch eine Nummer zu groß sein.










