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    Zuletzt aktualisiert: 28.02.2011 um 08:01 UhrKommentare

    Königsdrama ist klassischer Siegerfilm

    "The King's Speech" überzeugte die Academy mit Herz und berührender Hintergrundgeschichte: Vier Oscars in Königskategorien Film, Regie, Hauptdarsteller, Drehbuch.

    Foto © Reuters

    Britische Emotionen triumphierten über den amerikanischen Traum, ein stotternder König stellte einen talentierten Nerd in den Schatten: Mit "The King's Speech" hat bei der 83. Verleihung der Academy Awards ein klassischer Oscar-Film gewonnen und damit das von Kritikern umjubelte "The Social Network", das drei Oscars (Schnitt, Soundtrack, Adaptiertes Drehbuch) gewann, ausgestochen. Denn die Academy setzt gern auf Herz und bewegende Hintergründe, statt auf cineastische Meilensteine. Beides bietet das sympathische Monarchenporträt, das in der Oscar-Nacht vier Trophäen in den Königskategorien Bester Film, Bester Hauptdarsteller (Colin Firth), Bestes Original-Drehbuch (David Seidler) und Beste Regie (Tom Hooper) ergatterte.

    Dabei hatte alles vor wenigen Wochen noch ganz anders ausgesehen: David Finchers Facebook-Streifen "The Social Network" räumte vier Golden Globes ab und triumphierte bei Kritiker-Preisverleihungen, galt als uneinholbarer Favorit für die Oscars. Doch dann war es der vergleichsweise kleine britische Überraschungshit "The King's Speech", der bei den Verleihungen der Schauspieler-, Produzenten- und Regie-Gewerkschaften reüssierte: Zwei Screen Actors Guild Awards (SAG) für das Schauspielerensemble und Colin Firth als Hauptdarsteller, der Directors Guild Award (DGA) an Regisseur Tom Hooper und der Producers Guild Award (PGA) sprechen für sich.

    Für Branchenkenner ist die Präferenz der riesigen Gewerkschaften seit jeher ein stärkeres Oscar-Barometer als Kritikerzuspruch. Während US-Filmkritiker tendenziell jene Filme preisen, die cineastisch neue Wege gehen und die aktuelle Zeit porträtieren - was "The Social Network" in einer Zeit der zunehmenden Bedeutung von Social-Media-Plattformen definitiv tut -, lassen die 5.755 Mitglieder der Academy oft ihr Bauchgefühl und Herz entscheiden. Die bewegende Geschichte vom liebenswürdigen britischen König George VI., "Bertie", der seine Stotterprobleme überwindet und sich im von royaler Kälte geprägten Königshaus behauptet, berührt mehr als das Porträt des überheblichen, ehrgeizigen Facebook-Gründers Mark Zuckerberg.

    Klares Oscar-Ticket

    Für Firth war die Rolle ein klares Oscar-Ticket - und die Auszeichnung "der Höhepunkt meiner bisherigen Karriere", wie der Brite bei seiner Dankesrede anmerkte. Der Regie-Oscar für Tom Hooper kam hingegen überraschend. Der erst 38-Jährige hatte sich bisher hauptsächlich als Fernsehregisseur einen Namen gemacht und traf in der Regie-Kategorie u.a. auf Kultregisseure wie Darren Aronofsky und die Coen-Brüder. Zu seinem erst dritten Kinofilm, "The King's Speech", kam er durch einen Zufall, wie er in seiner Dankesrede erzählte. "Meine Mutter wurde 2007 von ein paar australischen Freunden in London zu einer Lesung eines Theaterstücks namens 'The King's Speech' eingeladen", so der Engländer. "Danach hat sie mich angerufen und gesagt: 'Tom, ich glaube, ich habe deinen nächsten Film gefunden.'"

    Ebenjenes Drehbuch und dessen Hintergrund schrie ebenso nach einem klassischen Oscar-Favoriten und wurde dementsprechend honoriert: David Seidler wurde für sein Drehbuch mit einem Oscar ausgezeichnet und zeigte sich auf der Bühne sichtlich gerührt. Der 73-Jährige war selbst lange Stotterer; der britische König wurde für ihn durch zahlreiche Reden im BBC-Radio zu seinem Helden. Auf Wunsch der "Queen Mum", Ehefrau des Porträtierten, hielt der Brite sein Drehbuch beinahe 30 Jahre lang zurück, und erhielt nach Vollendung des Films sogar den Segen von deren Tochter, Queen Elizabeth II.. "Bewegt" war sie, nachdem sie den Film gesehen hatte. Nun wurde das Porträt über ihren Vater mit Oscar-Ehren gewürdigt. Ein Umstand, der sogar das Herz des royalen Oberhaupts erwärmen dürfte.


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